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Gerd Roellecke, Jurist und Altrektor der Universität Mannheim, mit 84 Jahren verstorben

Pressemitteilung vom 04. November 2011
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Am vergangenen Sonntag, dem 30. Oktober 2011, ist der Rechtswissenschaftler und ehemalige Rektor der Universität Mannheim Professor Dr. Gerd Roellecke mit 84 Jahren verstorben. Als Rektor der Universität war er maßgeblich am Ausbau der ehemaligen Wirtschaftshochschule zur Universität beteiligt. Er bekleidete zahlreiche Ämter im Wissenschaftsmanagement und machte sich einen Namen als gefragter Rezensent im Sachbuchressort.

Roellecke wurde 1927 in Iserlohn geboren. Mit 16 Jahren bereits als Soldat in den Krieg gerufen, konnte er das Abitur erst nach Kriegsende nachholen. 1948 begann er mit dem Studium der Nationalökonomie und Rechtswissenschaft in Würzburg und Freiburg. Referendariat und zweites Staatsexamen absolvierte er in Düsseldorf, kehrte anschließend jedoch nach Freiburg zurück und wurde dort 1960 mit einer Arbeit über immanente Grenzen der richterlichen Gewalt des Bundesverfassungsgerichtes promoviert. Als Redaktionsassistent und späterer Redakteur der Fachzeitschrift „Der Betriebs-Berater" erlernte er das journalistische Handwerkszeug, das er später auch in zahlreichen Sachbuch-Rezensionen einbrachte, die er unter anderem für die FAZ verfasste.

Von 1966 bis 1969 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe. 1967 habilitierte er sich an der Universität Mainz mit einer Arbeit über den Begriff des positiven Gesetzes und das Grundgesetz. 1969 wurde er an die Universität Mannheim berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie innehatte. Von 1970 bis 1973 war er Prorektor der Universität, 1972 bis 1974 Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz, von 1974 bis 1977 Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von 1982 bis 1985 Rektor der Universität Mannheim.

Schwerpunkte seines wissenschaftlichen Schaffens bildeten beispielsweise die Teilung und Verschränkung der Gewalten im Verfassungsstaat, die Rolle der Verfassungsgerichtsbarkeit, die Stellung des Richters und die Funktion des Gesetzes ebenso wie die Wissenschaftsfreiheit. Seine zahlreichen Aufsätze und Beiträge spiegeln das Zeitgeschehen wider, das er aus rechtswissenschaftlicher, philosophischer, historischer und soziologischer Perspektive beleuchtet.

Auch nach seiner Emeritierung war Gerd Roellecke wissenschaftlich außerordentlich aktiv: Für das Verfassungsrecht und Verfassungsprozessrecht ist dies sichtbar an seinen Kommentaren zu Artikel 20 und 21 des Grundgesetzes, die die „Identität der Bundesrepublik" und politische Parteien zum Gegenstand haben.

Als Philosophen beeinflusste ihn nachhaltig die Systemtheorie Niklas Luhmanns, die er in viel beachteten Essays und Aufsätzen - die letzten erschienen im August dieses Jahres - fruchtbar machte. „Diese Schriften erweisen ihn als scharfsinnigen Analytiker gesellschaftlicher Entwicklungen und als prägnanten, kritischen Beobachter der Rechtswissenschaft, der Rechtsphilosophie und der Rechtstheorie", so Professor Dr. Hans-Joachim Cremer, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie der Universität Mannheim.

Seine letzte Monographie aus dem Jahr 2004 behandelt das Thema „Staat und Tod". Der Todesanzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3.11.2011 ist ein Satz Niklas Luhmanns vorangestellt: „Alles könnte anders sein - und fast nichts kann ich ändern."


Kontakt:

Katja Bär
Pressesprecherin
Universität Mannheim
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