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Brauchen Frauen Vorbilder?

Die Mannheimer Wirtschaftswissenschaftlerin Professor Dr. Alexandra Niessen-Rünzi untersucht in einer neuen Studie den Einfluss weiblicher Vorbilder auf den Anteil, Erfolg und die Bezahlung von Frauen in Führungspositionen.

Pressemitteilung vom 02. April 2013
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In Deutschland wird seit Monaten über die Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte diskutiert. Nach einer Untersuchung der Managerinnen-Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ ist in börsennotierten deutschen Unternehmen aktuell nur eine von zehn führenden Positionen mit einer Frau besetzt.
Mehr Frauen in Führungspositionen ist daher das erklärte Ziel der Politik. Doch sind es wirklich die hochqualifizierten Frauen, die durch die Quote an die Spitze kommen? Einige Ökonomen würden diese Frage mit Nein beantworten. Denn wenn nur noch das Geschlecht entscheidend ist, sei die Qualifikation zweitrangig. Doch wäre dies nur negativ? Die BWL-Professorin Alexandra Niessen-Rünzi von der Universität Mannheim möchte in drei Feldexperimenten untersuchen, welchen Einfluss Frauen, die schon in einer Führungsposition sind, auf andere Frauen in der Arbeitswelt haben. Die Studie wird von der Jackstädt-Stiftung mit insgesamt rund 90.000 Euro gefördert.

 „Ich vertrete die Hypothese, dass weibliche Vorbilder tatsächlich einen Einfluss auf andere Frauen haben und die negativen Effekte, die von Ökonomen ins Feld geführt werden, von eher kurzfristiger Dauer sind“, sagt die Betriebswirtschaftlerin. „Denn Vorbilder bauen Vorurteile ab und ziehen dann mittelfristig weitere Frauen an, die sich trotz hoher Qualifikation eine solche Position vielleicht nicht zugetraut hätten.“ Erste Hinweise für diese Vermutung gibt es bereits aus einer ihrer früheren Studien (Pressemitteilung vom 16. August 2012): Mithilfe eines psychologischen Tests wurden die Teilnehmer auf ihre Vorurteile gegenüber Frauen in der Finanzmarktbranche getestet. Die Vorurteile gegenüber den weiblichen Fondsmanagerinnen waren in dem Experiment geringer, wenn die Professorin selbst die Einführung in das Experiment gemacht hat – anstatt eines männlichen Kollegen. „Die Teilnehmer hatten auf diese Weise die Gelegenheit vor dem Experiment eine Frau kennenzulernen, die selbst aus dem Finance-Bereich stammt. Das könnte Vorurteile abgebaut und Vertrauen geschaffen haben“, erklärt Alexandra Niessen-Rünzi.

Purer Zufall oder steckt System dahinter? Die Professorin möchte genau das in einem der drei Feldexperimente herausfinden. Eine weitere These, welche sie untersuchen möchte: Frauen in Führungspositionen sind rar, weil sie den Wettbewerb scheuen. Die Ergebnisse der Experimente sollen dann wiederum Ansätze für die reale Arbeitswelt liefern: Sind Frauen erfolgreicher, wenn sie weibliche Vorbilder haben? Trauen sie sich eine Führungsposition eher zu, wenn sie bereits von einer Frau besetzt ist? Baut die Wahrnehmung von Frauen an der Spitze Vorurteile gegenüber Frauen in der Arbeitswelt generell ab? Dies sind Fragen, auf die die Wirtschaftswissenschaften noch keine Antwort haben. „Gender ist kein klassisches Thema der Betriebswirtschaftslehre“, sagt Professorin Niessen-Rünzi. „Umso mehr freue ich mich, dass ich durch die Bewilligung des Antrags, die Gender-Forschung an der Universität Mannheim für diesen Bereich nun über die nächsten Jahre weiterentwickeln und ausbauen kann.“

Kontakt:

Prof. Dr. Alexandra Niessen-Rünzi
Lehrstuhl für ABWL und Corporate Governance
Telefon: 0621 / 181- 1595 
E-Mail: niessen@bwl.uni-mannheim.de

Katja Bär
Pressesprecherin
Leitung Kommunikation und Fundraising
Tel. ++49 (0) 621 / 181 - 1013
E-Mail: baer@uni-mannheim.de