Würdigung eines großen Psychologen: Otto-Selz-Symposium am 29. November

Universität Mannheim beleuchtet Leben und Werk des Mannheimer Pioniers der Kognitiven Psychologie

Pressemitteilung vom 11. November 2013
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Otto Selz stand am Anfang der Entwicklung der Denkpsychologie und beeinflusste das Werk seiner Zeitgenossen wie etwa das Karl Poppers. Verfolgt und unterdrückt von den Nationalsozialisten, geriet sein eigener Name in Vergessenheit. Erst in jüngster Zeit wurde die herausragende Bedeutung seiner Forschung wiederentdeckt. Anlässlich des 70. Todestags seines Namensgebers veranstaltet nun das Otto-Selz-Institut für Angewandte Psychologie der Universität Mannheim (OSI) am 29. November 2013 ein Symposium, bei dem auch ein neues digitales Archiv seiner Arbeiten vorgestellt wird.

Auf dem Programm des Symposiums stehen unter anderem Vorträge und Diskussionsbeiträge zur Bedeutung Otto Selzens für die Kognitive Psychologie sowie seinen Einflüssen auf andere renommierte Wissenschaftler. Prof. Mark Galliker von der Universität Bern etwa hält einen Vortrag mit dem Titel „Otto Selz als Pionier der Kognitiven Psychologie“. Prof. Michel ter Hark von der Universität Groningen widmet sich dem Einfluss von Otto Selz auf das Werk des Philosophen Karl Popper. Zudem wird Hans-Joachim Hirsch, Historiker beim Mannheimer Stadtarchiv,  über die Rolle Otto Selzens für die Stadt Mannheim sprechen. Prof. Georg W. Alpers, Direktor des Otto-Selz-Instituts, wird das neue digitalisierte Selz-Archiv der Universitätsbibliothek vorstellen, durch das die Schriften und Korrespondenz von Otto Selz der Fachöffentlichkeit leichter zugänglich gemacht werden. „Es ist zu erwarten, dass damit Aspekte seines Werks und des Lebens im Nationalsozialismus beleuchtet werden können, die bisher noch keine Beachtung fanden“, erklärt Prof. Alpers die Bedeutung der Digitalisierung.

Der Denkpsychologe Otto Selz untersuchte vor allem die kognitiven Leistungen, die beim Denken zusammenspielen, und versuchte sie in einer umfassenden Theorie zu integrieren. Entgegen der Prämissen des Assoziatismus, einer Forschungsrichtung, die annimmt, dass Gedanken und Begriffe vor allem auf elementaren Sinneseindrücken beruhen, berücksichtigte Otto Selz, dass Menschen zielgerichtet vorgehen um Probleme zu lösen. Er forschte und lehrte zehn Jahre an der Handelshochschule Mannheim der Vorgängerin der heutigen Universität. Von 1929 bis 1930 stand er ihr als Rektor vor. 1933 wurde er durch die Nationalsozialisten aus der Universität entfernt. Trotz starker politischer Bedrohung und wissenschaftlicher Isolation arbeitete Selz jedoch auch in den folgenden Jahren an seiner Theorie weiter und lehrte sogar noch im Amsterdamer Ghetto. 1943 wurde er schließlich in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo er am 27. August umgebracht wurde.

An der Universität Mannheim trägt seit 1972 das Institut für angewandte Psychologie Otto Selzens Namen. In der Tradition seines Namensgebers betreibt es empirische Wissenschaft und verfügt über eine eigene psychotherapeutische Ambulanz. Zudem wird hier der Nachlass Otto Selzens aufbewahrt und Interessierten zugänglich gemacht.

Das Symposium findet von 8:30 bis 18 Uhr im Fuchs Petrolub-Festsaal (O138) im Ostflügel des Schlosses statt. Die Teilnahme ist öffentlich, bedarf jedoch einer Anmeldung per E-Mail (osisek@mail.uni-mannheim.de).

Programm (PDF)

Bild: Jochen Dauster, Bensheim

Kontakt:
Prof. Dr. Georg W. Alpers
Universität Mannheim
Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie
Telefon: +49 621 181-2106 (Sekr.)
E-Mail: alpers@uni-mannheim.de

Katja Bär
Universität Mannheim
Leitung Kommunikation und Fundraising
Pressesprecherin
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Im Schloss
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