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Mannheimer Volkswirtin Michelle Sovinsky erhält EU-Förderung in Höhe von 1,2 Millionen Euro


Die Mannheimer Wirtschaftsexpertin Prof. Michelle Sovinsky hat den Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) für ihr Projekt FORENSICS erhalten. Darin untersucht sie das ökonomische Verhalten von Unternehmen und Konsumenten in Bezug auf Märkte, zu denen es nur begrenzt Zugang und Informationen gibt – wie Drogen oder Produktfälschungen. Damit ist eine Förderung von über 1,2 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren verbunden.

Pressemitteilung vom 31. Januar 2017
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Im Janaur dieses Jahres hat die deutsche Regierung Cannabis als Arznei auf Kassenrezept zugelassen. Damit wird Schwerkranken künftig eine Behandlung mit der Droge ermöglicht. Über die vollständige Legalisierung von Cannabis – für medizinische Zwecke und für den persönlichen Gebrauch – denken neben Deutschland auch etwa zwanzig andere Länder nach. Doch diese Pläne werfen einige Fragen auf: Wenn Cannabis legalisiert wird, wie ändert sich das Konsumverhalten von Teenagern in Bezug auf Alkohol und Zigaretten? Und welche Auswirkungen wird diese Entwicklung auf die Gesundheit der Bevölkerung und die Steuereinnahmen eines Staates haben? Die Ersetzbarkeit von legalen und illegalen Produkten ist eine der Fragen, der Prof. Michelle Sovinsky in ihrem EU-geförderten Projekt nachgeht. „Politiker wollen wissen, ob eine Erhöhung der Steuersätze auf Cannabis einen Einfluss auf den Konsum anderer Produkte  haben würde“, erklärt Sovinsky.

Illegale Produkte wie Rauschgift sind dabei nur ein Aspekt des Forschungsvorhabens der amerikanischen Wissenschaftlerin. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit nicht identifizierten Wettbewerbern und dem Markt für Produktfälschungen. Sie illustriert seine Mechanismen am Beispiel von Luxushandtaschen. „Der Einfluss von Produktfälschern auf die strategischen Entscheidungen eines Unternehmens ist noch kaum erforscht“, sagt Sovinsky. Dabei liegt der Umsatz, der weltweit mit kopierter Ware erzielt wird, laut der Internationalen Handelskammer bei 600 Milliarden US-Dollar im Jahr. Manche Hersteller wie Louis Vuitton veröffentlichen auf ihren Webseiten Hinweise, wie man eine Original-Handtasche von einer Fälschung unterscheidet. Andere freuen sich über kostenfreie Werbung – fundiertes wissenschaftliches Wissen über das ökonomische Verhalten der Markenhersteller gibt es jedoch nicht.

Ein weiterer Teilaspekt des ERC-Projekts sind illegale Wettbewerbspraktiken: Was passiert beispielsweise wenn ein großer Computerchip-Hersteller einen kleineren Wettbewerber aus dem Markt drängt – auch wenn das mithilfe legaler Mittel geschieht? Dazu untersucht Sovinsky das Vorgehen des Marktriesen Intel gegenüber dem kleineren Wettbewerber Advanced Micro Devices (AMD). 2005 klagte AMD gegen den Branchenführer, weil dieser zahlreiche Unternehmen davon abgehalten haben soll, Geschäfte mit AMD zu machen. 

„Mein Ziel ist es, Entscheidungsträgern in der Politik konkrete Parameter an die Hand zu geben, um die Mechanismen der unbeobachteten Märkte besser einzuschätzen“, sagt die Volkswirtin. Dazu entwickelt sie mithilfe empirischer Daten neue Modelle zur Erklärung ökonomischen Verhaltens von Unternehmen und Konsumenten. „Mein Projekt hat das Potenzial, gesellschaftliche Debatten anzuregen“, ist Sovinsky überzeugt. Im vergangenen Jahr fanden ihre Forschungsergebnisse zur Legalisierung von Cannabis etwa viel Beachtung in der italienischen Presse und trugen zur politischen Diskussion im ganzen Land bei. Anhand eines von ihr entwickelten ökonomischen Modells zeigte sie, dass der Cannabis-Konsum bei Minderjährigen steigen würde, wenn die Droge legal erhältlich wäre, aber dass man ihren Verbrauch mithilfe von Steuern regulieren kann.

Der Rektor der Universität Mannheim, Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden, gratulierte Prof. Michelle Sovinsky zu ihrem Erfolg: „Wir sind stolz darauf, dass eine weitere Wissenschaftlerin unserer Universität mit dem renommierten ERC-Grant ausgezeichnet wurde. In den vergangenen sechs Jahren hat die Mannheimer VWL insgesamt vier ERC-Grants erhalten. Die Preise bestätigen den hervorragenden Ruf, den die Universität Mannheim auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften international genießt“.

Zur Person
Michelle Sovinsky ist seit 2015 Professorin für VWL an der Universität Mannheim. Sie kam nach Mannheim nach Forschungsaufenthalten unter anderem in Australien, den Niederlanden und Italien. Zwischen 2009 und 2015 war sie als Associate Professor in der Schweiz tätig. Sie veröffentlichte zahlreiche Beiträge in renommierten internationalen Fachzeitschriften, darunter American Economic Review, International Economic Review und Econometrica. 

Über den ERC Consolidator Grant

Jedes Jahr wählt der European Research Council (ERC) der Europäischen Union die vielversprechendsten Forschungsprojekte aus, um sie mit einem Consolidator Grant zu fördern. Die Preise richten sich an exzellente Wissenschaftler/innen, deren Promotion zwischen sieben und zwölf Jahre zurückliegt. Die individuelle Förderung kann bis zu zwei Millionen Euro betragen. Insgesamt hat der ERC in dieser Runde 605 Millionen Euro an 314 Preisträger ausgeschüttet.

https://erc.europa.eu/sites/default/files/press_release/files/erc_press_release_cog2016_results.pdf

Zum Bild: Volkswirtin Prof. Michelle Sovinsky (größer durch Klick)

Kontakt:
Prof. Michelle Sovinsky
Abteilung Volkswirtschaftslehre
Universität Mannheim
D-68131 Mannheim
Tel. +49 621 / 181-1832
E-Mail: msovinsky@econ.uni-mannheim.de

Katja Bär
Leitung Kommunikation und Fundraising
Pressesprecherin
Universität Mannheim
Tel. +49 621 / 181-1013

baer@uni-mannheim.de