Universität Mannheim / Forum / Forschung / Ausgabe 2/2015 / Die Oberbürgermeisterwahl als Forschungsobjekt

Die Oberbürgermeisterwahl als Forschungsobjekt

Im Sommer wählten die Mannheimer den Oberbürgermeister ihrer Stadt. Nur rund 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich am ersten Wahlgang – ein neuer Minusrekord und ein gefundenes Forschungsthema für 17 Soziologie-Studenten der Universität Mannheim. Im Rahmen eines empirischen Forschungspraktikums machten sie eine Nachwahlbefragung und werten in diesem Semester die Ergebnisse aus.


Nachwahlbefragungen stellen ein wichtiges Instrument der empirischen Sozialforschung dar und werden üblicherweise von großen Forschungsinstituten durchgeführt. Die beiden Soziologie-Dozentinnen Barbara Felderer und Dr. Nikki Graf wollten die Gelegenheit nutzen, ein reales Forschungsprojekt zu gestalten, in dem die Studierenden alle Aspekte der empirischen Sozialforschung im echten Feld kennenlernen sollten und beschlossen daher, in diesem Jahr eine Nachwahlbefragung der OB-Wahl mit den Studierenden durchzuführen.

In den wöchentlichen Sitzungen lernten die Studierenden den gesamten Forschungsprozess vom Aufstellen der Forschungsfragen, über die Theoriearbeit bis hin zur Entwicklung des Messinstruments kennen. Das Neuerlernte setzten die Studierenden direkt in die Praxis um: In Kleingruppen erarbeiteten sie Fragen, die sie anschließend im Kolloquium diskutierten und in einen Fragebogen aufnahmen. Neben den typischen Fragen, wie zum Beispiel nach der Stimmabgabe, wurde die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zu verschiedenen kommunalen, politischen Themen erhoben, darunter Migration oder Infrastruktur. Damit förderte das Projekt laut Graf auch das Interesse der Studierenden an der Kommunalpolitik: „Viele Studierende kommen ursprünglich nicht aus Mannheim und das Projekt hat die Studenten auch dazu ermuntert, sich mit der lokalen Politik und der Stadt Mannheim zu befassen.“

Von allen Mannheimer Wahllokalen wurden zufällig fünf Orte ausgewählt, die die Studierenden am Wahltag aufsuchten. Mit rund 1.500 Teilnehmern entstand ein großes Sample, mit dem sich in Zukunft die Studierenden auch über das Forschungspraktikum hinaus – beispielsweise in ihrer Bachelorarbeit – befassen können. Das zweisemestrige empirische Forschungspraktikum wird in diesem Semester fortgesetzt. Im zweiten Teil findet die Analyse der Daten statt.


Autorin: Luisa Schulz   |   Foto: 123rf.com   I   August 2015