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Im Portrait: Prof. Dr. Thomas König

Thomas König ist ein international anerkannter Politikwissenschaftler, der das politische Tagesgeschäft theoriegeleitet beobachtet. Er pflegt eine lebhafte Diskussionskultur – in der Öffentlichkeit wie auch im von ihm geleiteten Sonderforschungsbereich (SFB) 884 an der Universität Mannheim, der gerade in die zweite Vier-Jahres-Förderung gestartet ist. In diesem Großprojekt möchte König seine eigenen Vorstellungen von Politikwissenschaft etablieren. 

Die Idee sei von seiner Ehefrau gekommen. „Angesichts des Forschungsoutputs und der Relevanz der Tätigkeit, die wir am SFB verrichten, seien wir völlig unterrepräsentiert in der öffentlichen Wahrnehmung“, erinnert sich König an die Worte der Marketingexpertin. Also musste ein Facebook-Profil für den Lehrstuhl zur Informationsverbreitung her. König postet dort Interviews, die er gibt, Veröffentlichungen, Zeitungsartikel, die dem Wissenschaftler interessant erscheinen oder auch Stellenausschreibungen. Er will in Mannheim langfristig eine international orientierte Sozial- und Politikwissenschaft als Marke setzen und etablieren.

Der SFB ist für Thomas König eine Herzensangelegenheit, deren Leitung ihn stolz macht. Vor kurzem ist das Großprojekt in seine zweite Förderperiode gestartet. Zehn Millionen Euro stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft für die nächsten vier Jahre zur Verfügung. „Wir haben in Mannheim nur einen eigenständigen Sonderforschungsbereich, nicht wie größere Unis drei oder vier. Deswegen ist unser SFB ein Leuchtturmprojekt für die gesamte Universität“, sagt König. Ein Aushängeschild, das noch lange bestehen bleiben soll. Schon jetzt plant der 52-Jährige die nächste Förderrunde: „Wenn wir erst ein Jahr vor der Ausschreibung beginnen, ist es zu spät.“ Der Weg dorthin: Auf den eigenen Wissenschaftsnachwuchs setzen, internationale Kontakte knüpfen und in die Gesellschaft hinein wirken.

Mit dem SFB 884 versucht König, seine eigene Vorstellung über eine Verbindung von Politikwissenschaft und Ökonomie umzusetzen. Nahe an der politischen Realität, dabei aber analytisch geleitet, um argumentativ überzeugend und empirisch überprüfbar zu sein. In 15 interdisziplinären Teilprojekten erforschen die Mannheimer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler die Gründe für Erfolg und Scheitern von politischen Reformen. Es ist eine Forschung zu aktuellen Themen, eine wissenschaftliche Begleitung des politischen Tagesgeschäfts, bei der die Einstellungen der Menschen in der Gesellschaft gegenüber den Entscheidungs- und Reformvorhaben der Politiker eine zentrale Rolle spielen. „Das ‚Nichtstun‘ von Frau Merkel könnte auch aus der Erfahrung mit den Reaktionen der Bürger resultieren, die Merkel auf die Ankündigung von Reformen vor ihrer ersten Amtszeit gemacht hat“, sagt König. Denn das erste Ziel eines Politikers ist stets seine eigene (Wieder)Wahl und die hatte Merkel fast verloren mit ihren Reformankündigungen.

Rund 60 Mitarbeiter wird die Forschergruppe am SFB in den nächsten vier Jahren umfassen, „vom Studierenden, über Doktoranden, Post-Doc, Juniorprofessor hin zum Senior“, sagt König. „Ich arbeite sehr gerne mit jungen Menschen zusammen, die sich begeistern lassen. Und wenn ich merke, dass sie sich für Wissenschaft interessieren, bereit sind, in die Projekte zu investieren und international Karriere machen, dann ist das sehr erfüllend für mich.“ In Workshops, Konferenzen und Diskussionsrunden ist er ein Freund flacher Hierarchien mit offenen Worten, nichts soll von oben herunter diktiert oder in Nebenzimmern entschieden werden. „Das beste Argument zählt, nicht der akademische Grad oder das sogenannte soziale Kapital“, so König. Zwischen allen ist Gleichberechtigung und Offenheit angestrebt. Damit ist der SFB auch eine Kaderschmiede für angehende Wissenschaftler. „Sehr gute junge Leute zu rekrutieren, die an der Erforschung der „Wahrheit“ interessiert sind, ist unser größtes Kapital. Für mich ist das alles ein langfristig angelegtes ‚zusammen forschen‘, was mir große Freude macht“, sagt König.

Thomas König war anfangs zurückhaltend ob der Idee eines eigenen Facebook-Profils. 122 Menschen haben bislang den berühmten „Gefällt-mir-Knopf“ des sozialen Netzwerks gedrückt. Die interessierte Wissenschafts-Gemeinde ist überschaubar, das weiß auch König. „Würde ich einen Blog schreiben, der auch noch populär wäre“, sagt König, „wäre eine ganz andere Trefferquote möglich.“ Gleichzeitig schränkt er ein: „Aber es würde einer professionellen Beschäftigung gleichen, tagesaktuelle Ereignisse zu kommentieren. Zudem erschwert es den distanzierten, reflektierten Blick.“ Ein größeres Publikum hätte seine Arbeit jedoch in jedem Fall verdient. Denn angesichts der weiteren Millionenförderung und nicht zuletzt seiner Bedeutung für die Ausbildung eines wissenschaftlichen Nachwuchses wegen sind die Leistungen des SFB in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer unterrepräsentiert. Die Markenentwicklung ist noch nicht abgeschlossen – vielleicht hat auch Königs Ehefrau noch weitere Ideen.

Autor: Sven Wenzel   |   Foto: Ricardo Wiesinger   |   März 2014

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