Geld und Vertrauen

Eröffnungsvortrag am 15. März 2010 von Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Otmar Issing (Würzburg)

Prof. Kehnel und Prof. Issing

Im Jubiläumsjahr 2007 wurde an der Universität die Reihe „Kultur und Wirtschaft im Gespräch" initiiert mit dem Ziel, den Austausch dieser beiden Disziplinen untereinander anzuregen. Damals fand bereits eine erste Vortragsreihe unter dem Motto „Geist und Geld" statt, woraus mittlerweile eine Aufsatzsammlung in Buchform hervorgegangen ist. Im aktuellen Semester findet die Reihe „Kultur und Wirtschaft unter dem Motto „Kredit und Vertrauen" ihre Fortsetzung. Den Eröffnungsvortrag hielt am 15. März  Prof. Dr. Otmar Issing, der von 1998 bis 2006 Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) war. Das Thema seines Vortrags lautete „Geld und Vertrauen".

Die Begrüßung des Publikums übernahm Prof. Dr. Annette Kehnel, Inhaberin des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Uni Mannheim, in deren Verantwortung auch die Organisation der Vortragsreihe liegt. Der Direktor des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Prof. Dr. Wolfgang Franz, stellte seinen Kollegen Prof. Issing vor. Durch seine Tätigkeit bei der EZB sei Prof. Issing ein ausgewiesener Experte zu diesem Thema, so Franz.

Dass Geld und Vertrauen zwei Begriffe seien, die unmittelbar miteinander in Beziehung stünden, weil Geld und Geldpolitik nicht ohne Vertrauen funktioniere, stellte Prof. Issing gleich zu Beginn seines Vortrages klar: „Das Vertrauen in den Erhalt des Geldwertes ist und bleibt ein unverzichtbares Element für dessen Funktionalität." Die Geschichte des Geldes zeige dies sehr deutlich. Seit seinem Anbeginn sei Geld ein Produkt einer allgemeinen Übereinkunft einer aufstrebenden Gesellschaft gewesen. Leider ließe sich ein Missbrauch dieses Vertrauens nicht immer vermeiden, aber in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass ein leichtfertiges Anwerfen der Notendruckpresse zur Finanzierung verschiedener Projekte oftmals das Vertrauen in die Währung erschüttert und infolgedessen direkt in die Inflation geführt habe - mit historisch dramatischen Folgen: Nichts habe das deutsche Volk so „hitlerreif" gemacht wie die Inflation, sagte Issing und rekurrierte dabei auf Stefan Zweigs Buch „Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers", in dem der Autor ebendies bereits in den 1940er Jahren dargelegt hatte.

Issing führte weiter aus, dass die Sorge um die Stabilität des Geldes darüber hinaus mit der Höhe der Staatsverschuldung steige, während eine Destabilisierung des Geldes gleichzeitig das Vertrauen in den Staat zerstöre, der immer als Hauptverantwortlicher für das Phänomen der Inflation angesehen wird. Somit könne nur eine vom Staat unabhängige Bank eine fortlaufende Stabilität des Geldes gewährleisten. Eine solche unabhängige Bank sei etwa die Europäische Zentralbank. Ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der EZB sei die Einführung des Euros gewesen, so Issing. Vom ersten Tag an habe dieser dasselbe Vertrauen in der Bevölkerung besessen wie die alten Währungen. Selbst in den Statistiken sei kein Bruch zur Zeit des Währungswechsels erkennbar gewesen. Welche Arbeit hinter einem solch reibungslosen Ablauf stecke, sei allerdings den Wenigsten bewusst, betonte Issing.

Im Laufe der abschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde auch die aktuelle Krise in Griechenland thematisiert. Hier vertrat das ehemalige Direktoriumsmitglied der EZB eine klare Position: Eine finanzielle Hilfestellung durch andere EU- Mitgliedsstaaten sollte vermieden werden, selbst wenn das für Griechenland den Staatsbankrott bedeute. „Die Non-Bail-out-Klausel im Artikel 103 des EU-Vertrages besagt eindeutig, dass kein Staat für die Missinvestitionen anderer Staaten haftet", stellte Issing klar. Wenn mit dieser Klausel gebrochen werde, kämen nach Griechenland weitere Staaten mit der Bitte um Unterstützung. Eine erfolgreiche Überwindung der Krise würde die Stabilisierung des Euros positiv beeinflussen, gleichzeitig würde ein Misserfolg einen enormen Vertrauensverlust bedeuten. Und im Endeffekt gehe es nicht darum ob der Euro überleben werde, schlug Issing den Bogen zum Thema seines Vortrags, sondern darum, was für einen Euro es nach der Bewältigung der Krise geben, das heißt welches Vertrauen er genießen werde.

Autorin: Christina Fröhlich   I   Foto: Katja Hoffmann   I   März 2010

Zum Bild: Die Initiatorin der Vortragsreihe, Prof. Dr. Annette Kehnel, mit dem Referenten Prof. Dr. Otmar Issing.

Das Buch zur Reihe

Vortragsreihe

Geld und Vertrauen
15. März 2010, 17.15 Uhr
Vertrauen in Objektivitäten
22. März 2010, 19.00 Uhr
Kunst und Markt
17. Mai 2010, 17.15 Uhr
Vertrag ist gut – Vertrauen ist besser?
31. Mai 2010, 19.00 Uhr
Der Programm-Flyer als PDF