An zwei Universitäten zu Hause 

Studiengänge wie Double-Degree- und Joint-Degree-Programme sind eine gefragte Vorbereitung für eine internationale Karriere – zwei Absolventinnen berichten von ihren Erfahrungen in Waterloo und Kopenhagen.

Vielfältige Austauschprogramme mit Partnern aus aller Welt, international angepasste Semesterzeiten, englischsprachige Lehrangebote bis hin zu ganzen Studiengängen auf Englisch – die Internationalisierung der Lehre an der Universität Mannheim ist weit fortgeschritten, längst zum Markenzeichen geworden. Ein besonderes Angebot bilden dabei die internationalen Double- und Joint-Degree-Studiengänge, die in BWL, VWL, Germanistik, Jura und Politikwissenschaften angeboten werden. Dabei verbringen die Studierenden den einen Teil des Studiums an der Universität Mannheim, den anderen an einer Partneruniversität im Ausland. In einem Double-Degree-Programm erhalten die Studierenden zwei Abschlusszeugnisse. Im Rahmen eines Joint-Degree-Programms sind Master-Studierende an beiden Universitäten gleichzeitig eingeschrieben und erwerben ein gemeinsames Zeugnis beider Hochschulen.

„Diese Programme sind besonders attraktiv für Studierende, die international arbeiten möchten. Sie bieten ihnen neben dem Abschluss an zwei international renommierten Hochschulen die Möglichkeit, umfangreiche Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Das ist natürlich auch ein sehr gutes Signal für potenzielle Arbeitgeber“, sagt Jessica Gödert, Leiterin des Akademischen Auslandsamtes der Universität. Dementsprechend ist auch die Nachfrage nach solchen Programmen groß und nur die besten Studierenden ergattern einen Platz. Jessica Gödert betont, dass die Anforderungen umfangreicher sind als bei einem „normalen“ Auslandssemester. Das Pensum an Kursen ist strikter geregelt, dadurch ist der Arbeitsaufwand höher. Auch müssen sich die Studierenden auf zwei unterschiedliche Studiensysteme einstellen. „Neben sehr guten Studienleistungen ist es deshalb wichtig, dass die Studierenden offen und flexibel, in gewisser Hinsicht auch abenteuerlustig sind. Es ist schon eine besondere Herausforderung, ein sowieso schon anspruchsvolles Masterstudium in zwei unterschiedlichen Sprach-, Kultur- und Universitätssystemen zu absolvieren“, so Jessica Gödert. Die Studentinnen Antje Riethmüller und Lena Link haben diese Herausforderung erfolgreich gemeistert.

„Ich habe mich in Kanada komplett integriert gefühlt. Ich bin dort richtig angekommen, an der Uni, bei der Arbeit am Department und im privaten Leben“, berichtet Antje Riethmüller, die das Joint-Degree-Programm Intercultural German Studies mit der University of Waterloo absolviert hat. Dabei hat sie besonders die Unikultur in Kanada begeistert. Dort herrsche eine andere Hierarchie, ein anderes Verhältnis zu den Professoren. Durch das exzellente Betreuungsverhältnis seien zudem sehr kleine Seminare und eine viel intensivere inhaltliche Auseinandersetzung möglich. „Natürlich ist dadurch auch der Arbeitsaufwand höher, aber ich habe in dem Jahr sehr viel gelernt. Die Professoren haben dort das Beste aus mir rausgeholt und mich ermutigt. Am Ende habe ich sogar Fachvorträge auf Tagungen gehalten.“

Auch für Lena Link, Absolventin des Double-Degree-Programms Mannheim Master in Management mit der Copenhagen Business School (CBS), war besonders die Lehrweise eindrücklich: „An der CBS haben wir viele Fallstudien in Gruppen bearbeitet und auch das Verhältnis zwischen Professoren und Studierenden ist anders: Es ist lockerer, man duzt sich.“ Auch sei es dort selbstverständlich, dass fast alle Studierenden nebenher in einem Unternehmen arbeiten, so hat auch Lena Link die Chance ergriffen und bei einem großen Energielieferanten gejobbt. „Es war toll, die Arbeitskultur dort zu erleben, alles ist weniger formell und flexibler.“ Darüber hinaus ist sie froh, die dänische Kultur intensiv erfahren zu haben. Sie ist sich sicher, dass sie dafür durch das Doppelabschlussprogramm mehr Gelegenheit hatte als in einem gewöhnlichen Auslandssemester.

Lena Link und Antje Riethmüller sind mittlerweile wieder nach Deutschland zurückgekehrt. BWL-Absolventin Lena Link hat direkt nach ihrem Abschluss in der Beratung bei Deloitte in Berlin angefangen: „Langfristig kann ich mir sehr gut vorstellen, einmal im Ausland zu arbeiten und auch längere Zeit in Dänemark zu leben.“ Antje Riethmüller bringt ihre Erfahrungen im Mannheimer Künstlerhaus zeitraumexit ein, wo sie für das Sponsoring und die Künstlerbetreuung zuständig ist. Dort hat sie fast täglich mit Künstlern aus aller Welt zu tun. „Auch kann ich meine Kontakte aus der Zeit in Kanada nutzen. Ich möchte die Kooperation mit einer Künstlergruppe, die ich dort kennengelernt habe, ausbauen“, berichtet sie und betont: „Der Joint-Degree hat mich auf mehreren Ebenen gefordert. Gleichzeitig hatte ich ein schönes Jahr in Kanada, das viel zu schnell vergangen ist.“

Autorin: Stefanie Griesser   |   Foto: privat   |   März 2014

Weitere Informationen:

Übersicht der internationalen Studiengänge