„Das Bestmögliche geben“

Die Studierendeninitiative SIFE entwickelt ein Werteleitbild für die Studierenden

Welche Werte beziehungsweise Normen verbinden uns? Haben wir als Studierende einer exzellenten Universität eine gesellschaftliche Verantwortung? Und wenn ja, wie können wir dieser gerecht werden? Diese und weitere Fragen stellte sich Ende 2009 eine Gruppe junger, engagierter Studierender verschiedener Fachrichtungen. Daraufhin beschloss die Mannheimer Studierendeninitiative SIFE (Students In Free Enterprise) die Überlegungen der Studierenden aufzugreifen und ein Werteleitbild zu entwickeln: Das Projekt „Ethik Kodex an der Universität Mannheim“ war geboren. „Wir wollten einen Kodex entwickeln, der sich als Brückenschlag zwischen Studierenden, Lehrenden und Forschung an unserer Uni versteht“, erläutert der Projektleiter Nick Deimel.

Das Projekt ist bundesweit einmalig: Ethik Kodizes sind vor allem in den USA verbreitet und gehen zurück auf die nordamerikanischen Eliteuniversitäten wie Harvard. Während in den USA die Universitätsleitungen zum größten Teil die Werteleitbilder für die Studierenden entwickeln, ist der Ethik Kodex der Universität Mannheim dagegen aus Studierenden-Sicht verfasst.

SIFE hat das Projekt ins Leben gerufen, um in engem Austausch mit Studierenden, Professorinnen und Professoren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität über Fachgrenzen hinweg ein Werteleitbild zu entwickeln. Er soll das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander fördern, gemeinsame Werte- und Normvorstellungen abbilden und verstärken. Dabei hat SIFE das Projekt so angelegt, dass es kontinuierlich weiterentwickelt werden kann. Ziel ist es, dass sich möglichst viele Mitglieder der Universität freiwillig für den Ethik Kodex verpflichten.

Um viele Unimitglieder schon in der Entwicklungsphase zu erreichen, hat SIFE Vorträge, eine Umfrage und einen Workshop durchgeführt. Im Rahmen der Vortragsveranstaltungen, die im März 2011 unter dem Motto „NormKonform – Wer braucht schon noch Ethik!?“ standen, hielten sowohl der Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Josef Wieland als auch der Sozialethiker und Jesuitenpater Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach Vorträge.

Parallel zu den Vorträgen wurde eine Umfrage, die in enger Zusammenarbeit mit der Alumni-Vereinigung ABSOLVENTUM MANNHEIM entstanden ist, bei Studierenden der Uni Mannheim via Facebook durchgeführt. Über 400 Studierende beteiligten sich. Fast 77 % der Befragten sind der Meinung, dass es Aufgabe der Uni ist, Werte und Normen zu vermitteln und sogar 83 % wünschen sich, dass sich die Uni verstärkt für Ethik und Werte einsetzt. Bei der Frage für welche Tugenden die Uni stehen sollte, standen Leistung und Chancengleichheit an erster Stelle.

Die Vorträge und die Umfrage mündeten im April 2011 in einen Workshop, in dem Studierende in Arbeitsgruppen den Input aus den Vorträgen und die Ergebnisse aus der Umfrage diskutierten, um ein gemeinsames Leitbild zu entwerfen. Herausgekommen ist dabei die „Mannheimer Quadratur“, wie die Studierendeninitiative ihr Papier nennt. Dieses Schriftstück umfasst vier Gesichtspunkte: „Wir erwarten von unserem Studium“, „wir stehen für folgende Werte und Tugenden“, „wir fördern durch unser Engagement“ und „wir vermeiden“. Der Ethik Kodex enthält beispielsweise die Selbstverpflichtung zu Leistung, Chancengleichheit, Fairness und Nachhaltigkeit. Zudem ist darin die Forderung der Studierenden nach der universitären Ausbildung zu mündigen Mitgliedern der Gesellschaft und Transparenz von Seiten der Universität festgehalten. Fördern möchten die Studierenden unter anderem gesellschaftliche Verantwortung, die Gemeinschaft und soziale Kompetenz. Dagegen sollen Arroganz und Missgunst vermieden werden.

Der Rektor unterstützt das Projekt. Deshalb erhalten die Erstsemester die „Mannheimer Quadratur“ auch gemeinsam mit der Bestätigung über die Einschreibung. Prof. Dr. Hans-Wolfgang Arndt möchte so die Erstsemester schon zu Beginn ihres Studiums zur freiwilligen Unterzeichnung des gemeinsamen Wertesystems animieren. Zukünftig soll allen Studierenden – langfristig auch den Beschäftigten der Universität Mannheim – die Möglichkeit gegeben werden, die „Mannheimer Quadratur“ online zu unterschreiben. Als nächste Schritte plant SIFE eine Podiumsdiskussion und die uniweite Bekanntmachung der Ziele. Nick Deimel – dessen Nachfolge im kommenden Semester Sarah Uhrig übernehmen wird – sieht den Ethik Kodex auf dem richtigen Weg: „Die große Resonanz auf die Vortragsveranstaltungen, den Workshop und die Umfrage zeigt, dass das Thema jungen Menschen wichtig ist und die Studierenden die Universität bei der Verfestigung bestehender und neuer Werte in der Pflicht sehen.“

Nicht nur die Akzeptanz unter den Studierenden ist erfreulich, auch in der Öffentlichkeit fand das Projekt Beachtung. Es war für den Bürgerpreis 2010 der Metropolregion Rhein-Neckar nominiert und erhielt den Sonderpreis der Stiftung Metropolregion Rhein-Neckar in Höhe von 2.500 Euro.

Autor: Christian Haas   I   Logo: SIFE   I   August 2011

Weiterführender Link:

Der Ethik-Kodex online

 


 
 
HomeDruckenSuche
 
SchwerpunktProfilForschungBildungNetzwerkCampus-LebenMenschenUni InternWas ist FORUM?