"Wertorientierung bieten"

Hochschulpfarrer Jürgen Weber ist Ansprechpartner für Studierende und Hochschulleitung

Jürgen Weber

Wenn nun das Semester beginnt, kann man ihn gelegentlich vor der Mensa sehen, wo er Flyer verteilt, um auf die Katholische Hochschulgemeinde aufmerksam zu machen. Der Mannheimer Hochschulpfarrer Jürgen Weber geht direkt auf die Studierenden zu. Das ist sein Beruf und den macht er gern. „Ich mag die Menschen, mit denen ich hier zu tun habe. Und ich sehe es als Herausforderung an, dabei immer wieder in meinem eigenen Glauben hinterfragt zu werden.“ Seit 15 Jahren ist Jürgen Weber für stetig wechselnde Generationen von Studierenden da. Die Werte, an denen sich die jungen Menschen, die er begleitet, orientieren, haben sich mit der Zeit geändert. Die Suche nach dem Sinn des Lebens trete vermehrt zutage, vor allem als Gegengewicht zum Druck einer allgegenwärtigen Leistungsgesellschaft. „Ich stelle bei den Studierenden eine Sehnsucht nach Bejahung fest. Sie wollen Anerkennung erfahren als Mensch, unabhängig von ihrer Funktionalität. Unsere Gesellschaft tendiert dazu, Menschen für ihre Leistung und ihr Können zu belohnen. Aber das allein befriedigt nicht.“

Dem entgegenzuwirken versucht Weber, indem er selbst Werte vorlebt und erkennbar macht. Würde sei so ein Wert, der wichtig sei. Auch ein gescheiterter Student müsse mit Würde betrachtet werden, sagt er. „Es fehlt an einer Kultur des Scheiterns. Wer erfolgreich sein will – und das möchte die Uni Mannheim ja – blendet das Scheitern aus. Aber das ist schlecht.“ Als Gegenmaßnahme macht Weber den Leistungsdruck, den Studierende vor allem im Fach BWL beklagen, sowie die Angst der Studierenden zu scheitern zum Thema und spricht dies etwa in Gesprächen mit dem Rektor an.

Weber ist für die Studierenden da. Zwei Mal in der Woche lädt er zum Gottesdienst ein und auch sonst hat er stets ein offenes Ohr für die Mannheimer Studentinnen und Studenten. Er hört zu, gibt Denkanstöße und zeigt Alternativen auf. Auch das entspricht seinem Selbstverständnis: „Als meine Aufgabe sehe ich es an, andere Wertorientierungen wachzuhalten. Dabei will ich niemandem Entscheidungen abnehmen. Es geht mir darum, Wege aufzuzeigen und die Studierenden dabei zu begleiten, zu werden, wer sie sind.“

Autorin: Katja Hoffmann   I   Foto: Elias Strehle   I   August 2011


 
 
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