Der eigene Chef
Manuel Koelman (30), Florian Schreckenbach (30)
Absolventen der Uni Mannheim

"Seit einem knappen Jahr betreiben wir unser eigenes Unternehmen: Talential.com. Wir bringen über eine Karriereplattform im Internet ausgewählte Unternehmen mit ausgewählten Fach- und Führungskräften, so genannten High Potentials, zusammen. Bei uns bewirbt sich nicht der Arbeitsuchende bei den Unternehmen, sondern die Unternehmen wenden sich direkt an unsere Kandidaten. Dabei setzen wir auf Qualität statt auf Quantität: Unsere Bewerber müssen mindestens drei Jahre Berufserfahrung und ein Bruttogehalt von 60.000 Euro oder mehr vorweisen. Die Idee für dieses Geschäftsmodell haben wir im Februar 2008 entwickelt. Wir waren davon überzeugt, dass das Konzept funktionieren wird, nachdem wir selbst in Beratungsfirmen gearbeitet und mitbekommen haben, wie schwierig es für Unternehmen ist, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Headhunting ist generell sehr aufwändig und teuer. Wir dachten, über das Internet müsse es auch einfacher gehen.
So haben wir unsere Idee ausgearbeitet, mit Freunden und Kollegen darüber gesprochen, Marktrecherchen bei HR-Experten durchgeführt und stets das Feedback bekommen, dass das Modell funktionieren könnte. Wir haben beide unsere Stellen in der Beratung gekündigt und im August 2008 Talential als GmbH gegründet. Mit dem Launch der Plattform im November 2008 haben wir eine Pressemitteilung veröffentlicht und sowohl Unternehmen als auch Kandidaten direkt angesprochen. Nachdem Focus online über uns berichtet hatte, wurden verschiedene Firmen wie z.B. Siemens auf uns aufmerksam. Mit Siemens als erstem großen Kunden ging es los.
Unser Konzept wird gut aufgenommen. So gibt es regelmäßig Berichte in der Presse über uns; zudem waren wir bereits mehrfach Finalist bzw. Preisträger bei Gründerwettbewerben. Anfang des Jahres haben wir beispielsweise beim Gründerwettbewerb des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie den 2. Platz erreicht. Trotzdem merken wir natürlich die Auswirkungen der Krise: Die Unternehmen sind verhaltener, was das Einstellen neuer Mitarbeiter betrifft. Fach- und Führungskräfte werden aber weiterhin gesucht. So entwickelt sich Talential langsamer als wir es geplant hatten, wird sich aber voraussichtlich ab Ende 2009 selbst tragen.
Uns beiden war wichtig selbst etwas auf die Beine zu stellen. Uns begeistert der Prozess, eine Idee bis zur Umsetzung zu gestalten und zu sehen, ob sie erfolgreich ist. Die Selbständigkeit ist aber sicher nicht für jeden etwas. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass es lange Durststrecken geben kann und man ein dickes Fell braucht. Es gibt sehr euphorische Momente, aber auch Phasen der Niedergeschlagenheit. Mit diesem Auf und Ab muss man umgehen können. Dazu kommt, dass man sich teilweise nur schwer mit anderen austauschen kann, weil viele Freunde die Unternehmerperspektive nicht haben. Daher sind wir froh, dass wir Talential als Team machen und wir raten Gründungswilligen, zu zweit oder zu dritt ein Startup zu gründen, denn so kann man sich gegenseitig immer wieder aufbauen und motivieren. Das ist oft notwendig, denn man ist selbst das Management, man trifft Entscheidungen allein und trägt die Verantwortung. Das ist für uns aber natürlich auch eine große Motivation. Wie auch die Freiheit, die man hat. Das innere Gefühl während der Arbeit ist ein anderes, wofür wir beide als Geschäftsführer auch häufig am Wochenende arbeiten.
Unser Studium in Mannheim war und ist in vielerlei Hinsicht hilfreich. In erster Linie hat es uns ein wahnsinniges Netzwerk beschert - alle Kommilitonen sind quasi potentielle Kunden. Auch die Vorlesungen im Bereich strategisches Management waren sehr nützlich. Ebenso wie die Tatsache, dass wir gelernt haben, unter hohem Druck zu arbeiten und dabei mehr als nur gut zu sein. Man erarbeitet sich Effektivität und Effizienz. Der konsequente Fokus auf das Wesentliche ist für uns als Gründer und Unternehmer tägliche Maxime."
Aufgezeichnet von: Katja Hoffmann I Bild: Talential.com I Juni 2009


