Teilprojekt BIOTA-W02
Biophysikalische und hydrometeorologische Rahmenparameter terrestrischer Biodiversitätsforschung
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Priv. Doz. Dr. D. Anhuf Institut für Physische Geographie und Länderkunde, Universität Mannheim |
Klimatologie |
Zusammenfassung:
Der wissenschaftliche Beitrag sieht vor, im Comoé-Nationalpark (Elfenbeinküste) die abiotischen Parameter der Trockenwaldinseln und Savannenstandorte mit aktuellen Fragestellungen der Biodiversität zu verknüpfen. Es ist beabsichtigt, relevante Größen des Energie- und Wasserhaushaltes sowie die Vegetationsstruktur der im Comoé-Nationalpark dominanten Formationen zu erfassen. Die abiotischen Untersuchungen sollen einen entscheidenden Beitrag zur Diskussion diversitätssteuernder Mechanismen leisten. Diese Untersuchungen finden in engster Absprache mit den BIOTA-Antragstellern statt, da viele vegetations- und tierökologische Aspekte mit den klimatischen Rahmenbedingungen eines Standortes verknüpft sind.
Vergleichend dazu sollen entscheidende Wasserhaushaltsparameter eines immergrünen Primärfeuchtwaldes im Südwesten der Elfenbeinküste mit hoher zeitlicher Auflösung erfaßt werden. Als Standort bietet sich der Taï-Nationalpark an, der mit einer Fläche von 457.000 ha das letzte und größte geschlossene Feuchtwaldareal in Westafrika darstellt. Die Parkregion ist als ein Zentrum hoher Biodiversität bekannt (Guillaumet 1967) und wurde im Jahre 1982 von der UNESCO als Réserve de la Biosphère in die Liste der Weltnaturdenkmäler aufgenommen. Die Wasserhaushaltsuntersuchungen sollen zeitgleich in den Trockenwaldinseln / Savannen des Comoé-Nationalparks und den Feuchtwäldern des Taï-Nationalparks beginnen, um die großklimatisch induzierten interannuellen Niederschlagsschwankungen in ihren Auswirkungen auf die jeweiligen Vegetationsformationen vergleichend analysieren zu können.
Als logistischer Beitrag soll zum Zwecke terrestrischer Biodiversitätsforschung ein geeignetes Kronenzugangssystem im Taï-Nationalpark eingerichtet werden. Der geplante Kran, dessen Finanzierung unabhängig von Mitteln des BIOLOG-Programmes erfolgen soll, würde als zentrales Forschungsinstrumentarium die Ausgangsbasis interdisziplinärer, multinationaler Zusammenarbeit zu Beginn der 2. Phase bilden.
Stand der Forschung
Klimatologische und hydrologische Parameter wirken über verschiedene stochastische und deterministische Prozesse auf lokale Lebensgemeinschaften ein und sind damit essentieller Bestandteil der vielschichtigen Mechanismen, die zur Ausprägung und Aufrechterhaltung terrestrischer Biodiversität führen (Linsenmair 1990). Die komplexen Verflechtungen des Wasserhaushaltes mit klimatologischen und ökologischen Faktoren sind von außerordentlicher Relevanz für das gesamte abiotische und biotische Wirkungsgefüge (Porembski et al. 1996, Szarzynski 2000a). Innerhalb der Wälder herrschen in Abhängigkeit von den allgemeinen Witterungsverhältnissen unterschiedliche mikroklimatische Bedingungen, deren raumzeitlich variierende Struktur zahlreiche biochemische, physiologisch-morphologische sowie ethologische Aspekte der Flora und Fauna beeinflußt (Endler 1993, Kira & Yoda 1989). So gut untersucht der Klimaeinfluß auf ökophysiologische Prozesse ist (z.B. Jones 1992), so unterrepräsentiert sind Studien zu den Folgen langsamer klimatischer Veränderungen auf die Biodiversität.
Die Konsequenzen von anthropogener Vegetationstransformation auf Biodiversität und Klima geraten immer mehr in den Fokus der Geo- und Biowissenschaften (Goldammer 1992, Anhuf & Bendix 1992). Eingriffe in natürliche Habitate führen in der Regel zu einem starken Artenverlust (Turner et al. 1994). Daß der Rückgang der Biodiversität eine direkte Folge der lokalen Klimaveränderungen durch Vegetationsveränderungen ist, konnte bisher selten durch umfangreiche Meßdaten statistisch nachgewiesen werden (Engwald & Schmit-Neuerburg eingereicht). Dies könnte durch das hier beantragte Projekt geleistet werden. Die komplexen Verflechtungen des Wasserhaushaltes mit klimatologischen und ökologischen Faktoren müssen jedoch zunächst an primären oder naturnahen Waldstandorten untersucht werden, um die konkreten Veränderungen von Bestandsklima, Wasserhaushalt und Ökologie bei Umwandlung in Sekundärwaldstandorte oder landwirtschaftliche Nutzflächen beurteilen zu können.
Die wissenschaftliche Erforschung terrestrischer Biodiversität wurde in den vergangenen Jah- ren um einen wesentlichen, bis dahin weitgehend unbekannten Bereich erweitert, das Kronenstratum oder «Canopy» tropischer Wälder. Dieser Grenzbereich zwischen Biosphäre und Atmosphäre zeichnet sich vor allem bei den immergrünen Wäldern durch einen enormen Artenreichtum aus, der in Anbetracht aktueller Hochrechnungen zur globalen Biodiversität ein kaum abschätzbares Potential biologischer Ressourcen birgt (Whitmore 1993, Wilson 1992, Lowman & Nadkarni 1995). Weiterhin besitzt der Kronenraum generell eine herausragende Bedeutung für den meso- bis makroskaligen Energie-, Stoff-, und Wasserhaushalt (s.a. Monteny et al. 1985 (Elfenbeinküste), Shuttleworth 1988 (Brasilien), Anhuf et al. 1999, Szarzynski 2000b). Während das exponentielle Bevölkerungswachstum in den Ländern der Tropen sowie wirtschaftliche Nutzungsinteressen zunehmend Druck auf die verbliebenen Waldflächen ausüben, sind adäquate Lösungsstrategien im Kontext der internationalen Debatte zum Globalen Wandel erst dann realisierbar, wenn die komplexen Funktionskreisläufe primärer Wälder, ihre Dynamik und damit einhergehend ihre Pufferkapazität und Störanfälligkeit besser verstanden und die erweiterten Kenntnisse sinnvoll auf bewirtschaftete Sekundärwälder übertragen werden können. Aufgrund der hohen Komplexität tropischer Waldökosysteme ist hierzu eine interdisziplinäre Forschungszusammenarbeit erforderlich.
Im Text zitierte Literatur
Anhuf, D. & Bendix, J. (1992): Mögliche Auswirkungen von Vegetationszerstörungen auf den klimatischen Wasserhaushalt (Beispiel Elfenbeinküste). Würzburger Geographische Arbeiten, H. 84, S. 325-346.
Anhuf, D., Motzer, Th., Rollenbeck, R., Schröder, B. & Szarzynski, J. (1999): Water budget of the Surumoni crane-site (Venezuela). Selbyana 20(1): S. 179-185
Endler, J.A. 1993: The colour of light in forests and its implications. Ecol. Monogr., 63, S. 1-27.
Engwald, S. & Schmit-Neuerburg, V. (eingereicht): Microclimate as a crucial factor for changes in epiphyte communities of primary and secondary vegetation of an Andean rain forest in Venezuela. Basic and Applied Ecology.
Goldammer, J.G. (Ed.) (1992): Tropical forests in transition - ecology of natural and anthropogenic disturbances processes. Birkhäuser Verlag, Basel, Boston, Berlin.
Guillaumet, J.-L. (1967): Recherches sur la végétation et la flore du Bas-Cavally (Côte d’Ivoire). Mémoire ORSTOM, Vol. 20, Paris.
Jones, H.G. (1992): Plants and microclimate. Cambridge University Press, Cambridge (UK).
Kira, T. & Yoda, K. (1989): Vertical stratification in microclimate. In: Lieth, N. % Werger, M (Hrsg.): Tropical Rain Forests Ecosystems. Ecosystems of the World 14B, Elsevier, Amsterdam, 55-71.
Linsenmair, K.E. (1990): Tropische Biodiversität: Befunde und offene Probleme. Verh. Dtsch. Zool. Ges., 83, S. 245-261.
Lowman, M.D. & Nadkarni, N.M. (Ed.) (1995): Forest canopies. Academic Press, San Diego, London, Boston, New York, Sydney, Tokyo, Toronto.
Monteny, B.A., Barbier, J.M. & Bernos, C.M. (1985): Determination of the energy balance of a forest type culture: Hevea brasiliensis. In: Hutchinson, B.H. & Hicks, B.B. (Hrsg.): The Forest-Atmosphere Interaction. Reidel, Dordrecht, S. 211-234.
Porembski, S., Mund, J.-P., Szarzynski, J., Barthlott, W. (1996): Ecological Conditions and Floristic Diversity of an Inselberg in the Savanna Zone of the Ivory Coast - Mt. Niangbo. In: Guillaumet, J.-L., Belin, M. & Puig, H. (Hrsg.): Phytogéographie tropicale - Réalités et perspectives. ORSTOM éditions, Paris, S. 251-262.
Shuttleworth, W.J. (1988): Evaporation from Amazonian rainforest. Proc. Roy. Soc. London, B 233, 321-346.
Szarzynski, J. (2000a): Xeric Islands. Environmental Conditions on Inselbergs. In: Porembski, S. & Barthlott, W. (Hrsg.): Vegetation of Inselbergs. Biotic Diversity of a Tropical Ecosystem. Ecological Studies, Springer-Verlag, Heidelberg, Berlin, New York, (im Druck).
Szarzynski, J. (2000b): Bestandsklima und Energiehaushalt eines amazonischen Tieflandregenwaldes. Mannheimer Geographische Arbeiten, Mannheim.
Turner, I.M., Tan, H.T.W., Wee, Y.C., Ibrahim, A.B., Chew, P.T. & Corlett, R.T. (1994): A study of plant species extinction in Singapore: lessons for the conservation of tropical biodiversity. Conservation Biology 8(3): 705-712.
Wilson, E.O. (Hrsg)(1992): Ende der biologischen Vielfalt? Der Verlust an Arten, Genen und Lebensräumen und die Chancen für eine Umkehr. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, New York.
Whitmore, T.C. (1993): Tropische Regenwälder. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, New York.
Ausführliche Beschreibung des Arbeitsplanes
Der wissenschaftliche Beitrag sieht vor, sämtliche ökologisch relevanten abiotischen Parameter des Wärme- und Wasserhaushaltes für die Systeme Trockenwaldinsel, Savanne und für das System primärer immergrüner Feuchtwald zunächst den Wasserhaushalt zu erfassen und allen anderen Teilprojekten zur Verfügung zu stellen. Die aufgenommenen Daten dienen der Bilanzierung des Energie- und Wasserhaushaltes der genannten Habitate. Diese erfolgt anhand international angewandter Methoden und Modelle, die eine direkte Vergleichbarkeit mit ähnlichen Habitaten der Tropen weltweit gewährleisten. Die vorgeschlagenen Meßkonfigurationen erlauben darüberhinaus den unmittelbaren Vergleich klimatischer Parameter primärer und sekundärer Vegetationseinheiten und zusätzlich in verschiedenen Klimaregionen (immerfeucht / wechselfeucht). Dadurch wird es möglich sein, den Impact von Vegetationsveränderungen bezüglich des Wasserhaushaltes in ungestörten und gestörten Habitaten zu quantifizieren.
Zielsetzung
Das Teilprojekt W02 soll dazu dienen, den Energie- und Wasserhaushalt tropischer Trockenwaldinseln und Savannenstandorte in Comoé-Nationalpark im Nordosten der Elfenbeinküste mit hoher zeitlicher Auflösung zu erfassen. Die abiotischen Untersuchungen sollen einen entscheidenden Beitrag zur biologischen Diskussion über diversitätssteuernde Mechanismen leisten. Die vorgesehenen Energie- und Wasserbilanzierungen im Comoé-Nationalpark beinhalten damit auch die Quantifizierung pflanzen- und bestandsspezifischer Streßfaktoren (vgl. AG Leuschner W05) wie das Strahlungsklima und den Bestandswasserhaushalt. Idealerweise bietet der Comoé-Nationalpark die unterschiedlichsten Vegetationsformationen auf engem Raum, so daß naturnahe Trockenwaldinseln und unterschiedliche Savannenstandorte vergleichend untersucht werden können, analog einer Kette unterschiedlicher Degradationsstufen. Beide Habitate werden innerhalb des zuerst auszuwählenden Biodiversitätsobservatoriums liegen.
Dort soll gleichzeitig in einem Kleineinzugsgebiet des Comoé sämtliche Parameter des Wasserhaushaltes in einer Trockenwaldinsel und in einem Savannenstandort über einen längeren Zeitraum mit hoher Auflösung erfaßt werden.
Ebenfalls soll in einem Kleineinzugsgebiet am Oberlauf des Hana im Taï-Nationalpark im Südwesten der Elfenbeinküste entscheidende Parameter des Wasserhaushaltes eines primären Feuchtwaldes über den gleichen Zeitraum mit hoher Auflösung gemessen werden. Die Untersuchungen werden simultan in den genannten Habitaten durchgeführt. Dabei wird der Frage nachgegangen, in wie weit interannuellen Niederschlagsschwankungen (z.B. an der Küste) auch an den Untersuchungsstandorten nachweisbar sind, womit aufgrund der strengen Zonalität des Witterungsablaufes zu rechnen wäre.
Aus dem Vorhaben lassen sich für die ersten 3 Jahre zwei zentrale Hypothesen und als Langzeitperspektive eine dritte und vierte ableiten:
Methodik
Topographisch-kartographische Erfassung der Untersuchungsflächen
Im Rahmen einer Vorstudie werden die bereits festgelegten Untersuchungsstandorte im Comoé- und Taï-Nationalpark kartographisch vermessen, Bodenproben entnommen und mit der Erfassung der Bestandsgeometrie begonnen.
Comoé-Nationalpark: Energie- und Wasserhaushaltsbilanzierung
Bestandsmeteorologische Untersuchungen auf der Basis ausgewählter Parameter (photosynthetisch aktive Strahlung (PAR), Lufttemperatur und Feuchte) ermöglichen. eine rasche und differenzierte Einsicht in die Horizontal- und Vertikalstruktur des Mikroklimas. Die Messungen sollen vergleichend in einer naturnahen Trockenwaldinsel und an einem Savannenstandort im Comoé-Nationalpark durchgeführt werden. Die Untersuchungen zum Energiehaushalt werden analog zu bereits existierenden internationalen Studien durchgeführt (s.a. Monteny et al. 1985 (Elfenbeinküste), Shuttleworth 1988 (Brasilien), Anhuf et al. 1999, Szarzynski 2000b, Szarzynski & Anhuf 2000 (Venezuela) etc.).
Die bestandsmeteorologischen Untersuchungen sollen in 2-3 Niveaus in einer repräsentativen Trockenwaldinsel (die innerhalb des Biodiversitätsobservatoriums liegt) und in 1-2 Niveaus über dem Wald erfolgen. Die Installation der Meßkonfiguration des Bestandes erfolgt mittels alpiner Kletterseiltechnik. Als Trägersystem der Sensorenkonfigurationen ist eine freihängende Drahtseilkonstruktion vorgesehen, die an einem tragenden Canopyast befestigt wird. Dieses Konzept wurde sowohl im Rahmen des Surumoni-Kran-Projektes (Szarzynski & Anhuf 2000) als auch während der "Operation Canopée – Radeau des Cimes, Gabun 1999" erfolgreich eingesetzt (Engwald et al. 2000). Die Instrumente oberhalb des Kronendachbereiches werden an einem stabilisierten Stangengerüst angebracht. Diese Hauptstation dient als Referenzstation für die zeitgleich verlaufende Vergleichsmessung in der Savanne (meteorologische Standardstation).
Ergänzend dazu werden am Waldrand an dem von der AG Leuschner (W05) errichteten Gerüst zusätzlich vertikale Profile photosynthetisch aktiver Strahlung (PAR), der Lufttemperatur und der Feuchte gemessen, um somit die qualitativen und quantitativen Veränderungen der abiotischen Parameter vom Waldinnnern zum Waldrand erfassen zu können.
Daten zur Struktur und Architektur der Vegetation in unmittelbarer Umgebung der Meßstand- orte beinhalten das floristische Inventar, die räumliche Anordnung bestandsbildender Lebensformen sowie dreidimensionale Verteilungsmuster kronenabhängiger Florenelemente wie Epiphyten und Lianen. Die Bestandsaufnahmen erfolgen u.a. durch den Einsatz von Hemisphärenfotografien und digitaler Bildanalyse. Die auf dieser Basis gewonnenen Daten liefern Ergebnisse über ökologisch relevante Kenngrößen, insbesondere für die AG´s Leuschner (W05) und Porembski (W04), wie z.B. den Blattflächenindex (LAI) oder das Strahlungsregime in Abhängigkeit von der Geometrie des Bestandes und ermöglichen weiterführende rechnergestützte Simulationen, die für Modellierungen des Strahlungs- und Energiehaushaltes unabdingbar sind (Engwald et al. 2000).
Die Erhebung entscheidender hydrologischer Wasserhaushaltsparameter (Freiland-, Bestandsniederschlag, Interzeption, Stammablauf, Transpiration, Bodenfeuchtegehalt, Versickerung und Abfluß wird in einem kleinen Einzugsgebiet am Comoé durchgeführt und durch Transpirations-, Versickerungs- und Abflußmessungen auf einem offenen Savannenstandort ergänzt.
Taï-Nationalpark: Wasserhaushaltsbilanzierung und späterer Kronenzugang
Die Erhebung entscheidender hydrologischer Wasserhaushaltsparameter (Freiland-, Bestandsnieder-schlag, Interzeption, Stammablauf, Transpiration, Bodenfeuchtegehalte, Versickerung und Abfluß wird in einem Kleineinzugsgebiet am Oberlauf des Hana im Taï-Nationalpark durchgeführt.
Vergleichende floristische Bestandsaufnahmen der jeweiligen Standorte im primären und sekundären Feuchtwald (Plot nördlich des Hana ungestörter Primärwald; Plot südlich des Hana bis 1973 selektiv exploitiert, danach ungestörte Sukzession) - im Vorgriff auf die Hauptphase s.u. - als wesentlicher Bestandteil zur Beurteilung der zu erwartenden unterschiedlichen Wasserhaushaltsbilanzen sollen fortgesetzt werden. Unmittelbar zu Beginn der Arbeiten vor Ort werden die Antragsteller Anhuf (W02) und Porembski (W04) die Biodiversitätsobservatorien in den Untersuchungsgebieten des Taï-Nationalparks festlegen. Dazu gehören ebenfalls die Erfassung der Waldstruktur- und Architektur, die analog zu den entsprechenden Untersuchungen im Comoé-Nationalpark erfolgen.
Für den immergrünen Feuchtwald im Taï-Nationalpark laufen unter Leitung des Antragstellers seit einem Jahr die Vorbereitungen zur Errichtung eines Canopy-Walkways. Dieser Walkway wird in dem leicht degradierten Teil des Waldes südlich des Hana durch Mittel der KFW und GTZ im Laufe des Jahres 2000 und Beginn 2001 errichtet. Er soll das Besucherpotential des Parkes entscheidend steigern und somit dem Park, aber auch der Anrainerbevölkerung zusätzliche Einnahmen verschaffen. Dies dient der Erhaltung des Naturwaldreservoirs und steigert die Aktzeptanz der Schutzmaßnahmen bei der lokalen Bevölkerung.
In kurzer Distanz (ca. 3 km) zu diesem Standort (nördlich des Hana) befindet sich ein großflächiges Areal eines primären immergrünen Feuchtwaldes. Beide Areale sind durch den Fluß Hana getrennt, der die Exploitation nördlich davon verhinderte. Der Antragsteller hat sich im Einvernehmen und mit Unterstützung der Parkverwaltung zum Ziel gesetzt, in dem Primärwald ein adäquates Kronenzugangssystem zu errichten, dessen Finanzierung ausschließlich über fund-raising erfolgen wird. Die Standorte, sowohl für den Canopy Walk- way als auch für das Zugangssystem, wurden vom Antragsteller ausgewählt und von weiteren Wissenschaftlern des BIOTA-Antrages nachdrücklich befürwortet.
Deshalb konzentrieren sich die Untersuchungen in dem Biodiversitätsobservatorium im Primärwald in der ersten Phase zunächst auf die Erfassung des Wasserhaushaltes, weil qualitativ hochwertige Messungen des Energiehaushaltes über die gesamte Vertikalerstreckung des Waldes und oberhalb des Canopy nur zu gewährleisten sind, wenn ein ständiger, nicht destruktiver Kronenzugang vorhanden ist.
Ergänzend zu den kontinuierlichen stationären Aufzeichnungen sind temporäre, transektartig angelegte Messungen mittels mobiler Sensoren vorgesehen, die in Absprache mit den vor Ort tätigen Biota-Arbeitsgruppen spezifischen Fragestellungen nachgehen (Kap. 4.3).
Vernetzung mit anderen Teilprojekten
Die geplanten bestandsmeteorologischen Aufzeichnungen gewährleisten eine raumzeitlich hochaufgelöste Stratifizierung mikroklimatischer Bedingungen der untersuchten Waldstandorte, wodurch sich für die interdisziplinär angelegte Zusammenarbeit mit der BIOTA-WEST Arbeitsgruppe folgende Anknüpfungspunkte ergeben: (I = Input, d.h. das Projekt erhält Daten von dem genannten Teilprojekt; O = Output, d.h. das Projekt liefert Daten an das genannte Teilprojekt; C = Comperative/Meta-Analysen (gemeinsame Datenauswertung für übergeordnete Auswertungen)).
O: Niederschlags- sowie Temperaturdaten für die gesamte Elfenbeinküste sind bereits seit Beginn der Messungen (i.d.R. 1920/21) am Lehrstuhl Physische Geographie in Mannheim vorhanden. Diese Daten werden allen anderen Teilprojekten zur Verfügung gestellt.
I: Von der DLR downgescalete Klimadaten sowie hochaufgelöste Satellitendaten.
C: Die vorhandenen Daten sollen mit den von der DLR downgescaleten Klimadaten verschnitten werden, um die Modelle des Klimadaten-Downscalings insgesamt zu verbessern.
O: Die vor Ort erhobenen Lokal- und Bestandsklimadaten werden der AG Porembski zur Verfügung gestellt. Die an den Meßstellen sehr detailliert aufgenommene Vegetationsstruktur wird in die großflächigen Vegetationsanalysen integriert.
I: Die von der AG Porembski sporadisch und lokal aufgenommenen Daten werden mit den Bestandsstationsdaten in Comoé-Nationalpark zusammengeführt und zusammenhängend analysiert. Die großräumigen Vegetationsaufnahmen dienen der Validierung der Strukturmodelle, die aus den punktuellen detaillierten eigenen Vegetationserfassungen resultieren.
O: Die vor Ort erhobenen Lokal- und Bestandsklimadaten bilden eine entscheidende Grundlage für die Spezialmessungen der AG Leuschner (Blattwasserhaushalt).
I: Die physiologischen Daten der AG Leuschner werden für die Berechnung des Wasserhaushaltsmodells benötigt und darin eingebaut.
O: Spezialmessungen der Luft- und Bodenfeuchte sowie der Strahlungsverhältnisse in den Arthropodenhabitaten werden für das Projekt W06 (AG Linsenmair) als Serviceleistung durchgeführt. Die Daten können aber ebenfalls für Analysen kleinräumiger Veränderungen der klimatischen/abiotischen/ökologischen Rahmenparameter innerhalb des Systems Savanne inkorporiert werden.
O: Spezialmessungen zu den Wassertemperaturen in verschiedenen Tiefen werden für das Projekt W07 (AG Linsenmair) als Serviceleistung durchgeführt. Die Daten selbst können später in der Ableitung des Strahlungs- und Wärmehaushalts mit berücksichtigt werden.
O: Das Amphibienprojekt (AG Veith) benötigt vor allem Klimaparameter aus dem Waldbestand des Taï-Nationalparkes (Temperatur/Feuchte/Bodenfeuchte), die an den geplanten Stationen ohnehin erhoben werden und damit der Arbeitsgruppe zur Verfügung gestellt werden.
O: Die raumzeitlich hochaufgelöste Stratifizierung mikroklimatischer Bedingungen der untersuchten Waldstandorte im Comoé- und im Taï-Nationalpark erlauben die Definition klimatisch definierter Höhenzonierungen innerhalb der Wälder. An Letztere ist das Auftreten bestimmter Arten und Mengen von Insekten gebunden, die wiederum das Freßverhalten u.a. der Fledermäuse (AG Kalko) steuern. Auch die bioakustischen Aufzeichnungen lassen sich unmittelbar mit mikrometeorologischen Messungen verknüpfen, da die Schallausbreitung an die physikalischen Eigenschaften der Luft als Trägermedium gekoppelt ist.
O: Neben den langen Zeitreihen von Klimaparametern aus der Elfenbeinküste (vgl. W00) verfügt das Projekt W02 (AG Anhuf) auch über zahlreiche lange Zeitreihen von Klimaparametern für ganz Westafrika, die dem Projekt W11 zur Verfügung gestellt werden.
Die meteorologischen und hydrologischen Meßaufzeichnungen werden in Form integrierbarer Datenbanken via Internet zugänglich gemacht. Datenbanknutzung und Internetdarstellung werden in englischer Sprache erfolgen. Die Architektur der Datenbanken wird sich an den Kategorien internationaler Data Set Descriptions orientieren (s. Global Change Master Directory; http://gcmd.gsfc.nasa.gov/).
Durch die Notwendigkeit logistischer Abstimmung und die Bereitstellung einer gemeinsamen Infrastruktur stellt die Forschungsstation der Uni Würzburg im Comoé-Nationalpark einen Kooperationsknotenpunkt dar, der alle die oben genannten Westprojekte eng verbindet und damit die wechselseitige Kommunikation zwischen verschiedenen Vorhaben fördern wird.
Vernetzungen über den Antragskomplex BIOTA-West hinaus
Mit Hilfe der im Rahmen der vorgesehenen Bilanzierungen der Energiehaushaltskomponenten lassen sich konkrete Angaben zur Höhe der aktuellen Evapotranspiration ermitteln. Dieser Aspekt gilt nach wie vor als eines der Hauptprobleme hydrometeorologischer Forschungen. Auch die existierenden Unstimmigkeiten bezüglich der Wasserbilanz tropischer Wälder sind z.T. auf diesen Umstand zurückzuführen. Der Beitrag des Vorhabens dient auch zur Erweiterung inter- und transdisziplinärer Netzwerke und Einbindung in internationale Forschungsprogramme.
Im März 1997 wurde anläßlich des Tropical Forest Canopy Symposiums in Panama das International Canopy Crane Network (ICCN) gegründet, um eine weltweite Standardisierung der Untersuchungsmethoden sowie einen internationalen Datenaustausch zu gewährleisten. Zusammen mit Prof. Dr. G. Parker, Smithsonian Environmental Research Center, ist der Antragsteller zuständig für die Koordination klimatologischer Studien innerhalb des ICCN. Das vorgesehene Kronenzugangssystem des Taï-Nationalparkes aber auch die Untersuchungen im Comoé-Nationalpark abei eingesetzten Meßkonfigurationen werden somit das ICCN sinnvoll ergänzen.
Auf einem gemeinsamen Workshop des Tropical Canopy Research Programme (TCR) von ESF/NSF im November 1999 in Oxford wurden als maßgebende zukünftige Forschungen «studies across major environmental gradients should investigate the role of forest canopies in mainTaïning global biodiversity, global environmental conditions, and the susTaïnability of forests» gefordert. Diesem Ziel dient das vorgelegte Konzept in besonderer Weise sowohl in der ersten als auch in der zweiten Phase
Die geplanten Untersuchungen orientieren sich am Standard und den Zielen international vergleichbarer Projekte (ARME, ABLE, ABRACOS, SHIFT etc). Darüberhinaus erweitern die zu erwartenden Ergebnisse die Aktivitäten des GLOWA-Programmes.
© 2000 Department of Physical Geography, University of Manhheim
Editor: Birgit Schröder