Das Projekt soll den Begriff des Formzitats zunächst in der Konzeption einer allgemeinen Formgeschichte fundieren, sodann systematisch darstellen und von benachbarten Termini wie Systemreferenz, Intertextualität und Anspielung abgrenzen, und schließlich an historisch besonders aufschlußreichen Beispielen demonstrieren. Unter 'Formzitat' soll dabei ein reflektierter Rückgriff auf Formen verstanden werden, und zwar auf solche, die aus einem vergangenen Kontext stammen und nicht mehr in der ursprünglichen Weise Gültigkeit beanspruchen können. "Reflektiert" bedeutet hierbei, daß die Art und Weise der Verwendung der Formen den Rückschluß auf ein Bewußtsein von ihrem besonderen Zitatcharakter nahelegt; "Gültigkeit" bezeicnet das unproblematisierte und unangefochtene Funktionieren der Formen als solche - und eben nicht als Zitate. Mit dem Konzept des Formzitats soll eine allgemeine Theorie des Umgangs von sich als historische verstehenden Kulturen mit ihrer Geschichte entwickelt werden. Voraussetzung dafür ist die theoretische Konstruktion eines Modells der Kulturgeschichte als Formengeschichte, für die rgebnisse aus verschiedenen Einzeldisziplinen hernagezogen werden sollen. Vor diesem Idealtyp linearer Entwicklung wird das Formzitat als Reflexion auf diese Geschichte zu profilieren sein.
Das Projekt bildet den Anfang der ersten wissenschaftlichen Gesamtausgabe der Werke und Korrespondenz Sigmund von Birkens. Die Edition des handschriftlichen Nachlasses umfaßt etliche tausend Seiten und ist als Nachlaß eine barocken Dichters des 17. Jh.s einmalig. Die Gesamtausgabe ist auf 20 Bände kalkuliert. Zur Zeit Bearbeitung des Briefwechsels Birkens mit Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694).
Das Projekt geht von der Prämisse aus, daß die literatur- und sozialhistorische Erforschung der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts - von der Frühaufklärung bis zur Klassik - neben der stets neuen Interpretation kanonisierter Literatur der Erschließung neuer Quellen bedarf, um dem Ziel einer möglichst umfassenden und detaillierten Epochenkenntnis näher zu kommen. In diesem Sinne werden unbekannte, ungedruckte und vergessene Texte des 18. Jahrhunderts wieder bzw. erstmals zugänglich gemacht. Neben literarischen und theoretischen Texten werden auch Gebrauchsformen und zeitgeschichtliche Dokumente berücksichtigt. Die Editionen erscheinen in der Reihe "Kleines Archiv des achtzehnten Jahrhunderts" (bislang 20 Bde.).
Das Projekt ist der Erforschung der deutschen Literatur der 1770er Jahre gewidmet, wobei die Frage im Zentrum steht, wie in den vielschichtigen literatur- und sozialgeschichtlichen Vermittlungsprozessen die Literaturbewegung des Sturm und Drang zu situieren ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem neben Goethe wichtigsten Sturm-und-Drang-Autor Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792), dessen Werk - auch editorisch - lange Zeit vernachlässigt und bislang nur unzureichend erschlossen worden ist. Die Ergebnisse der internationalen Sturm-und-Drang-Forschung werden seit 1991 jährlich im "Lenz-Jahrbuch / Sturm-und-Drang-Studien" mitgeteilt.
Der Psychoanalytiker Hanns Sachs (1881 - 1947), ein früher Mitarbeiter Freuds und u.a. Herausgeber der Zeitschrift 'Imago', hat eine beträchtliche Zahl von literaturtheoretischen und literaturhistorischen Arbeiten veröffentlicht. In diesen Arbeiten, deren Zentrum die 1924 erschienene Studie 'Gemeinsame Tagträume' bildet, entwickelte er eine psychoanalytische Literaturtheorie, die vom sozialen Charakter des Kunstwerks - als einen gemeinsamen, d.h. kollektiven Tagtraum - ausgeht. In Zusammenarbeit mit Professor Dr. Frederick Wyatt (Universität Freiburg) sollen die (teilweise sehr verstreut veröffentlichten) Arbeiten von Hanns Sachs neu herausgegeben werden, um diese wieder allgemein zugänglich zu machen; die Ausgabe wird im Metzler-Verlag (Stuttgart) erscheinen. Vorbereitet wird derzeit die Ausgabe seiner Aufsätze; eine Neuausgabe der 'Gemeinsamen Tagträume' soll folgen. In Aussicht genommen ist weiter die deutsche Übersetzung einer im amerikanischen Exil entstandenen, bisher nur in englischer Sprache veröffentlichten Aufsatzsammlung.
In den letzten Jahren hat auch in den Literaturwissenschaften das Interesse an der Zivilisationtheorie von Norbert Elias zugenommen. Eine umfassende Diskussion darüber wäre sicher wünschenswert; sie ist jedoch bisher u.a. deshalb noch nicht zureichend in Gang gekommen, weil die Auseinandersetzung mit Elias auf die verschiedenen, bereits sehr separierten Teilbereiche der Literaturwissenschaften verteilt ist; die bibliographische Dokumentation der Elias-Rezeption in den Literaturwissenschaften ist deshalb ein dringendes Desiderat. Die Erstellung einer solchen Dokumentation (und deren Veröffentlichung) ist das Ziel des Projekts; sie soll dann fortlaufend ergänzt werden, um darüber - möglicherweise in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Archiv für Sozialgeschichte der Literatur (IASL) - in bestimmten Zeitabständen zu berichten.