Die aktuelle Krise verschärft die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt – kurzfristig

Die Mannheimer Ökonomin Prof. Michèle Tertilt und drei weitere Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zeigen in ihrer neuen Studie, wie sich die Covid-19-Pandemie von den vergangenen Wirtschaftskrisen unterscheidet und warum sie sich vor allem auf die Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen negativ auswirkt.

Weltweit sind derzeit mehr als 1,5 Milliarden Kinder – das sind über 90 Prozent aller Schülerinnen und Schüler – von Schulschließungen betroffen. Dies zeigt die aktuelle Unesco-Statistik. Dieser Zustand hat große Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, darunter auch auf die bestehenden Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern: Die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt wird sich dadurch verschärfen – zumindest kurzfristig. Auf lange Sicht könnte es jedoch einen kulturellen Wandel geben, von dem Frauen profitieren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von vier Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, darunter die Mannheimer Ökonomin Prof. Michèle Tertilt.

Die Autoren zeigen in ihrer Studie die Konsequenzen der Krise aus der Perspektive der Gender-Forschung auf: Arbeitende Frauen werden im Laufe der Krise mit zusätzlichen Aufgaben konfrontiert und ihre Belastung steigt. Das liegt vor allem daran, dass sie sich zum großen Teil um die Kinder kümmern und die ausbleibende Schulbetreuung selbst kompensieren. Ihrer regulären Arbeit nachzugehen wird daher erschwert: Sie sind weniger flexibel und müssen ihre Arbeitszeiten den Betreuungszeiten zuhause häufig anpassen. Besonders schlimm trifft es die alleinerziehenden Mütter.

Zum anderen sind die Arbeitsplätze vieler Frauen stärker von der Krise betroffen, als es bei Männern der Fall ist. Das unterscheidet auch den aktuellen wirtschaftlichen Abschwung von früheren Rezessionen. In der Finanzkrise vor zehn Jahren beispielsweise verloren viel mehr Männer als Frauen ihren Arbeitsplatz, weil die am stärksten betroffenen Bereiche von Männern dominiert waren. Dazu gehörten beispielsweise die Produktion und das Bauwesen. „Normale Krisen sind für Männer schlimmer als für Frauen“, sagt Prof. Tertilt. Doch diesmal sind Sektoren wie Gastronomie und die Reisebranche betroffen, in denen traditionell viele Frauen beschäftigt sind. Voraussichtlich werden also viel mehr Frauen als Männer ihre Arbeitsplätze verlieren, so die Autorinnen und Autoren der Studie. „Frauen trifft die aktuelle Krise wesentlich schlimmer als Männer“, fasst Tertilt zusammen.

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