Universität Mannheim / Forum / Bildung / Ausgabe 2/2015 / Gutes tun und Punkte sammeln

Gutes tun und Punkte sammeln

„Lernen durch Engagement“ ist die Idee hinter der Methode des Service Learning, die gesellschaftliches Engagement mit fachlichem Lernen verbindet. An der Universität Mannheim wird sie bereits seit über zehn Jahren eingesetzt. Jüngst haben Studierende dabei Konzepte für unterschiedliche Lernvoraussetzungen von Schülern an Gymnasien entwickelt.

In der Theorie hat Marco Gierke bereits viel über seinen angehenden Beruf als Lehrer gelernt. Der 21-Jährige studiert im vierten Semester Lehramt mit der Fächerkombination Deutsch und Politikwissenschaft. Beim Service-Learning-Seminar „Diagnostik im Unterricht“ konnte er im vergangenen Semester sein Wissen auch praktisch anwenden. „Die Idee dahinter finde ich sehr motivierend. Man tut etwas Nützliches und lernt etwas dabei“, sagt Marco.

Mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlungen ist der Zulauf auf die Gymnasien und somit auch die Leistungsheterogenität in einzelnen Klassen gestiegen. „Viele der Schüler sind noch nicht auf dem Sprachstand, dass sie das Abitur erreichen können“, erklärt Marco. Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Münzer, Inhaber des Lehrstuhls für Bildungspsychologie, erhoben die Studierenden deshalb die sprachlichen Kompetenzen der Schüler, um auf dieser Basis Unterrichtskonzepte zu entwickeln, die den verschiedenen Niveaus gerecht werden.

Im ersten Teil setzten sich die Studierenden mit Diagnostikmethoden zur Sprachstandserhebung auseinander. Daraufhin führten sie einen Sprachstandstest in den fünften Klassen zweier Partnerschulen der Universität Mannheim durch. Auf Basis der Ergebnisse entwickelten die Studierenden diverse Unterrichtskonzepte und konnten diese in Kleingruppen praktisch erproben: „Wir haben die Klasse beispielsweise gemäß ihres Sprachstands in zwei Gruppen unterteilt und ihnen zwei verschieden schwere Audio-Dateien zum Thema ,Mobbing‘ vorgespielt. Das Thema haben wir dann mit allen besprochen und gemeinsam eine Mindmap erarbeitet“, berichtet Marco. „Das Konzept kam sehr gut an und alle Kinder haben motiviert mitgearbeitet.“

Über das Plus an Praxiserfahrung, das er dabei gewonnen hat, freut er sich: „Schließlich muss man sich später auch wohlfühlen, wenn man vor einer Klasse steht.“ Die Ergebnisse des Tests und die unterschiedlichen Konzepte können die Lehrer der Partnerschulen nun auch für ihre eigene Unterrichtsgestaltung nutzen. Aufgrund der hohen Nachfrage sollen die Seminare „Diagnostik und Umgang mit Heterogenität“ in den kommenden Semestern erneut angeboten werden.


Autorin: Kathrin Holstein   |   August 2015

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Service Learning an der Uni Mannheim