Universität Mannheim / Forum / Forschung / Ausgabe 1/2015 / Fakultäten gründen Allianz zur Erforschung von Vertrauen

Fakultäten gründen Allianz zur Erforschung von Vertrauen

Im Forschungsbündnis MITRA soll künftig fakultätsübergreifend erforscht werden, wie Menschen, Institutionen und Staaten Vertrauen zueinander aufbauen

Ob Bankenkrise, Pferdefleisch in der Lasagne oder gefälschte Auto-  Rankings beim ADAC – Unternehmen haben in den vergangenen  Jahren bei den Verbrauchern einiges an Vertrauen eingebüßt. „In vielen Bereichen wird gern über Vertrauensverlust geklagt. Umso  erstaunlicher ist es, dass einfach weiter gemacht wird wie bisher“, sagt der Kommunikationswissenschaftler und Dekan der Philosophischen  Fakultät, Prof. Dr. Matthias Kohring. „Über den aktiven Aufbau von Vertrauen wird hingegen nur selten gesprochen und auch wenig geforscht.“ Er und die jeweiligen Dekane der Fakultäten für Sozialwissenschaften sowie für Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsmathematik, Prof. Dr. Michael Diehl und Prof. Dr. Heinz Jürgen Müller, haben deshalb ein Forschungsbündnis ins Leben gerufen, welches diese Lücke schließen soll.

Fakultätsübergreifend soll im Rahmen der Mannheim Interdisciplinary Trust Research Alliance (MITRA) der Vertrauensaufbau in verschiedensten Bereichen erforscht werden. „Der Blick über den Tellerrand lohnt sich bei diesem Thema besonders. Schließlich können alle Fakultäten dazu einen Beitrag leisten – von den Geisteswissenschaften über die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis hin zur Informatik“, sagt Diehl. „Wir wollen, dass bei diesem Projekt möglichst viele verschiedene Perspektiven zusammenkommen.“ Dass das möglich ist, habe sich bei zwei Workshops in den vergangenen Monaten gezeigt, welche von der Daimler-Benz-Stiftung gefördert wurden, die gesellschaftlich relevante Projekte wie dieses unterstützt. 

Dort stellten Mannheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsansätze vor – zum Beispiel über unser Vertrauen in die Medien, die Etablierung von Vertrauen in demokratische Institutionen oder körpereigene Hormone, die Vertrauen  schaffen. Erste Projekte für MITRA sind schon in Aussicht. Sprachwissenschaftler und Informatiker arbeiten zum Beispiel an einer Analyse-Software für Vertragstexte, die automatisch erkennt, in  welchem Vertrauensverhältnis die Vertragspartner stehen – eine interdisziplinäre Arbeit, in die auch Erkenntnisse von Psychologen, Kommunikationswissenschaftlern, Juristen und Betriebswirten einfließen.  „Wir wollen so eine Brücke zwischen den Fakultäten schlagen und haben uns bewusst gegen monetäre Anreize in der Anfangsphase des Projekts entschieden“, sagt Müller. „Wir wollen das Bündnis auf eine solidere Basis stellen und die Kolleginnen  und Kollegen aus Eigeninteresse zur gemeinsamen Forschung  ermutigen.“ 

Zum Bild (v.l.): Prof. Dr. Matthias Kohring, Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Diehl, Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften, und Prof. Dr. Heinz Jürgen Müller, Dekan der Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsmathematik

Autorin: Nadine Diehl   I   Foto: Andreas Bayerl   I   April 2015