Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Augustinustagung in Rom

Der Heilige Augustinus stand im Fokus einer Tagung im Römischen Institut der Görres-Gesellschaft unter Beteiligung von Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaft­ler aus Deutschland, Italien, Marokko, Algerien und Tunesien. Das Treffen wurde von Professor Claudia Gronemann (Universität Mannheim) und Anja Bettenworth (Universität zu Köln) im Zusammenhang mit ihrem gemeinsamen DFG-Projekt Augustinus-Darstellungen als Formen spätantiker und postkolonialer Wissensproduktion organisiert. Es stellte den Höhepunkt einer Tagungs­reihe über Augustinus im modernen Maghreb dar.

Die Augustinus-Tagung Mitte März im Rom widmete sich der afrikanischen Herkunft des Heiligen Augustinus und besonders der Frage nach der kulturellen Formung der biographischen Räume in der Spätantike, im Mittelalter und im heutigen Maghreb. Während der Heilige Augustinus in der europäischen Tradition eine intensive Rezeption erfahren hat, ist die Erinnerung an ihn im heutigen Maghreb alles andere als selbstverständlich. Hierfür sind nicht nur religiöse Gründe anzuführen, sondern auch historische und kulturelle, die unter anderem mit der spezifischen Aneignung des Augustinus durch die koloniale Kultur verbunden sind. Die Tagung wurde von der Fritz Thyssen Stiftung mit Unterstützung der Görres-Gesellschaft finanziert.

Den Höhepunkt der Tagung bildete der öffentliche Festvortrag der beiden Organisatorinnen Claudia Gronemann (Mannheim) und Anja Bettenworth (Köln), der dem Publikum Einblicke in die moderne Augustinus-Rezeption in der maghrebinischen Literatur und damit in die Ergebnisse des gemeinsamen interdisziplinären Forschungs­projektes bot. Im Mittelpunkt stand dabei die veränderte Wahrnehmung des historischen Augustins im Zuge der Kolonialisierung und der politischen Unabhängigkeit Nordafrikas. Wenn sich die heutige Literatur des Maghreb schwer tut mit der Wiedergewinnung des Nordafrikaners Augustin, so liegt dies – wie die Romanistin Gronemann betont – an der nachhaltigen Wirkmächtigkeit kolonialer Mythen, zu deren festem Bestand die Verortung Augustins in der Afrique latine gehört.

Die Tagung konnte am Beispiel der textuellen Darstellung biographischer Orte und der Entstehung von Erinnerungs­orten belegen, dass die mit Augustinus verbundenen Räume in religiöse und kulturelle Diskurse und dabei auch in jene des Eigenen und Fremden übersetzt werden. So ist im heutigen Maghreb eine Abgrenzung von kolonialen Mustern zu erkennen, die sich auch in den kulturellen Spannungen der im Umbruch befindlichen Gesellschaften des Maghreb zeigt und die es weiter zu erforschen gilt.

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