Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

DFG-Antrag zu Genome-Editing-Projekt bewilligt

Der Antrag zum Projekt „Vergleichende Bewertung des Einsatzes der Genom- und Epigenom-Editierung in der Medizin: Ethische, rechtliche und soziale Implikationen (COMPASS-ELSI)“von Herrn Prof. Dr. Ralf Müller-Terpitz und Frau Prof. Dr. Dr. Eva Winkler vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg wurde bewilligt.

Ziel von COMPASS-ELSI ist die ethische und rechtliche Beurteilung von Genom- und Epigenom-Editierungs-Anwendungen in der Medizin. Die neue Technologie CRISPR/Cas9 kann für eine präzise Modifikation des Genoms (Genom-Editierung), aber auch des Epigenoms (Epigenom-Editierung) genutzt werden. Während beim Einsatz auf der Genomebene ein Eingriff in die Basenfolge des genetischen Codes erfolgt, wird beim Einsatz auf der Epigenomebene nur die Regulation von Genen beeinflusst, nicht aber der Code selbst verändert. Weil beide Ansätze teilweise zu denselben funktionalen Veränderungen führen, bieten sie sich für eine vergleichende ethische und rechtliche Untersuchung an. COMPASS-ELSI besteht zum einen aus einem eng vernetzten ethisch-rechtlichen Zweijahres­projekt und kooperiert zum anderen mit dem lebens­wissenschaft­lichen Projekt „Risiko-Nutzen-Bewertung für CRISPR-vermittelte antivirale Therapie auf der genetischen versus epigenetischen Ebene“.

In der ersten Arbeits­phase wird COMPASS-ELSI mit seinen biologischen Partnern zusammenarbeiten, um einen systematischen Überblick über mögliche medizinische Anwendungen der Genom- und Epigenom-Editierung zu gewinnen. Dabei sollen normativ relevante Aspekte dieser Technologien, einschließlich potentieller Risiken und Nutzen für die Gesundheit, aber auch Implikationen für Grundwerte wie die Menschenwürde, Autonomie und Natürlichkeit, identifiziert werden. Darüber hinaus soll die Sprache zur Beschreibung dieser Technologien analysiert werden, um zu ermitteln, ob sie die normativ relevanten Aspekte angemessen widerspiegelt.

Hierauf basierend zielt die zweite Arbeits­phase darauf ab, einen normativen Rahmen für die ethische Bewertung von (potenziellen) Anwendungen der Genom-v. Epigenom-Editierung in somatischen Zellen und Keimbahnzellen zu entwickeln. Dies erfolgt mit Bezug auf die Anwendungs­fälle HIV (somatische Zelltherapie) und zystische Fibrose (Keimbahn-genetische Anwendungen). Darüber hinaus sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen für Genom- und Epigenomansätze in somatischen und Keimbahn-Anwendungen analysiert und auf der Grundlage der ethischen Bewertung die rechtlichen Grenzen oder rechtlichen Möglichkeiten hinsichtlich der Genom- und Epigenomansätze in verschiedenen Kontexten (somatisch/keimzell­spezifisch) untersucht werden, wobei insbesondere Einschränkungen oder Vorgaben zu berücksichtigen sind, die aus der Menschenwürdegarantie und der damit verbundenen Grundrechte resultieren können. All dies soll eine klare Abgrenzung von ethisch und rechtlich einwandfreien Anwendungen von solchen ermöglichen, die diskutiert oder abgelehnt werden sollten.

 

COMPASS-ELSI aims to guide the ethical and legal assessment of genome- and epigenome-editing applications in the medical field. The novel technology CRISPR/Cas9 can be used for a precise modification of the genome (genome-editing) as well as the epigenome (epigenome-editing). While genome-editing implies intervening in the base-sequence of the genetic code, epigenome-editing only modifies the regulation of genes and does not alter the code itself. Since the two different approaches partially result in the same functional changes, they suggest themselves for an ethical and legal evaluation. On the one hand, COMPASS-ELSI consists of a closely interacting ethical and legal two-year project and, on the other hand, cooperates with the life-science project “Risk-benefit assessment for CRISPR-mediated anti-viral therapy on the genetic versus epigenetic level”.

In the first phase, COMPASS-ELSI will be working together with its biological partners in order to establish a systematic overview of potential applications of genome- and epigenome-editing in medicine. Hereby, normatively relevant aspects of these technologies, including potential risks and benefits to health outcomes, but also implications for basic values such as human dignity, autonomy, and naturalness, shall be identified. Furthermore, the language used to describe these technologies shall be analyzed to find out if the language adequately reflects the normatively relevant aspects.

Based on this, a second work phase aims at developing a normative framework for the ethical evaluation of (potential) applications of genome- v. epigenome-editing in somatic and germline cells. This will be done with reference to the use cases HIV (for somatic cell therapy) and Cystic Fibrosis (for germline genetic applications). Furthermore, the legal framework being applicable to genome and epigenome approaches in somatic and germline applications shall be analyzed and, on the basis of the ethical evaluation, the legal limits or legal options with regard to genome and epigenome approaches in different contexts (somatic/germ cells) shall be investigated, thereby especially taking into account restrictions or requirements that might result from the guarantee of human dignity and related fundamental rights. All this shall enable an explicit delineation of ethically and legally sound applications from those that should be debated or disapproved.

Finally, the results shall be communicated to and discussed with the project´s scientific partners, an advisory board composed of internationally highly profiled experts from the three disciplines biology, ethics and law and representatives of the relevant regulatory bodies in order to provide guidance on regulation of the new technologies.

 

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