Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

„Die geplante Corona-App ist sinnvoll und durchdacht“

Smartphones können helfen, die Verbreitung des Virus einzudämmen – das zeigen Beispiele etwa aus Südkorea oder Island. In Deutschland wird der Einsatz einer Tracing-App derzeit kontrovers diskutiert. Fragen zu Technik, Vorteilen und potentiellen Gefahren beantwortet Professor Frederik Armknecht, Experte für Datensicherheit und Inhaber des Lehr­stuhls für Praktische Informatik IV an der Universität Mannheim. Grundsätzlich hält er eine solche App für sinnvoll und durchdacht – vorausgesetzt, diese mache nur das, was öffentlich kommuniziert wird.

Wie funktioniert eine Tracing-App, wie sie die Regierung derzeit erwägt?
Die App generiert zu Beginn einen geheimen Schlüssel. Aus diesem wird für eine festgelegte Zeit – beispielsweise für einen Tag – eine zufällige Identifikations­nummer (ID) erzeugt. Befinden sich zwei Anwender in Reichweite voneinander, tauschen die Smartphones diese IDs mittels Bluetooth aus und speichern sie lokal ab. Nach Ablauf der festgelegten Zeit wird aus dem aktuellen Schlüssel ein neuer erzeugt, die ID neu gebildet und so weiter.

Sollte nun ein Smartphone-Benutzer an COVID-19 erkranken, dann veröffentlicht er den Schlüssel, der zum Zeitpunkt der Erkrankung gültig war. Die Geräte der anderen Nutzer können mit diesem Schlüssel die damals gültigen IDs erzeugen und mit denen vergleichen, die lokal gespeichert sind. Stellt also ein anderer Geräte-Besitzer fest, dass er oder sie Kontakt mit dem Erkrankten in der fraglichen Zeitspanne hatte, kann er sich an die jeweilige Gesundheitsstelle wenden.

Was sind die Vorteile einer solchen App?
Vorausgesetzt, die App macht nur das, was öffentlich kommuniziert wird, ist es ein großer Vorteil, dass die gesammelten IDs und die möglicherweise veröffentlichten Schlüssel von echten Benutzerdaten unabhängig sind und dass diese Daten nur lokal auf dem Smartphone gespeichert und verarbeitet werden. Weitere Vorteile sind, dass nur lang erprobte kryptographische Verfahren eingesetzt werden. Zudem sind die gespeicherten Daten insgesamt so kompakt, dass das System gut skalierbar ist: Selbst wenn Millionen von Menschen diese App einsetzen, was ja erwünscht ist, sind der Datenverkehr und der Mehraufwand vertretbar. Sicherlich von Vorteil ist auch, dass die Daten automatisch erhoben werden, sodass bei Bedarf die Kontakte lückenlos informiert werden können, ohne dass Experten erforderlich sind, die diese Schritte ausführen.

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