Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Trauer um Egon Lorenz

Der Rechts­wissenschaft­ler und langjährige Vorsitzende des Großen Senats ist am 16. Oktober im Alter von 85 Jahren verstorben

Nachruf der Rechts­wissenschaft­lichen Fakultät:

Lorenz gehörte der Fakultät seit 1970 als Ordinarius an. Über mehr als drei Jahrzehnte prägte er die Fakultät wesentlich mit. Er war ein von allen Mitgliedern der Fakultät hoch geschätzter und verehrter Kollege und die Integrations­figur der Fakultät. Umfassende Bildung und ein immenses Fach­wissen paarten sich bei ihm mit tiefer Menschlichkeit und einem feinen Humor.

Über viele Jahre war er Vorsitzender des Großen Senats der Universität und genoss hier ob seiner ausgleichenden Art und stets auf Fairness bedachten Verhandlungs­führung allenthalben großes Ansehen. Ein ehrenvoller Ruf nach Trier (1979) konnte den gebürtigen Butjadinger ebenso wenig aus seiner kurpfälzer Wahlheimat locken wie das Angebot, als Vorstand in ein Versicherungs­unternehmen einzutreten. Internationales Privatrecht und Privat­versicherungs­recht bildeten den inhaltlichen Schwerpunkt seiner Arbeit in Mannheim. Sein „Handwerk“ dazu hatte er zuvor in Marburg, München und Göttingen gelernt, u.a. bei Franz Gamilschegg, als dessen Schüler er sich 1968 mit einer Arbeit zum Schadensersatzrecht habilitierte. Bei Studierenden war Lorenz aufgrund seiner aufgeschlossenen, dem Menschen zugewandten Art sehr beliebt. Er war ein glänzender Pädagoge und seine Vorlesungen, die viele Studentengenerationen begeisterten, hatten Kultstatus. Lorenz liebte die Sprache und das Bonmot; beide beherrschte er weit über das von ihm herausgegebene Wörterbuch hinaus.

Auch nach seiner Emeritierung verfolgte Lorenz eine Politik der offenen Tür. Seinen Rat drängte er nicht auf, er hielt ihn aber für jedermann bereit; gerne wurde darauf zurückgegriffen. Von Lorenz Wirken als Lehrer profitierten u.a. vier Habilitanden. Er stand seiner Fakultät und Universität aber auch in vielfältiger anderer Hinsicht zur Verfügung, u.a. als langjähriges Senats­mitglied. Von 1987 – 2002 war er zudem geschäftsführender Direktor des von ihm mitbegründeten Instituts für Versicherungs­wissenschaft der Universität Mannheim.

Das Institut verkörpert zwei Anliegen, die Lorenz wesentlich waren: Das interdisziplinäre Suchen nach Er­kenntnis und die Verknüpfung von Wissenschaft und -praxis. Letztere lebte Lorenz vor. Er war unter anderem Vorstand im Deutschen Verein für Versicherungs­wissenschaft, Aufsichtsratsvorsitzender bei der HUK-Coburg und im Versicherungs­beirat des BAV (heute: BaFin) tätig. Zudem gelang es ihm, als langjähriger Hauptschriftleiter der Zeitschrift „Versicherungs­recht“dem Fach einen unabhängigen, unverzichtbaren Orientierungs­pol zu geben. Sein Engagement gipfelte in der langjährigen Leitung des Karlsruher Forums, einer führenden Dialogplattform zwischen Rechts­wissenschaft und Richterschaft, die er meisterhaft moderierte.

Wir vermissen Egon Lorenz Stimme in unserer Mitte sehr. Über seine zahlreichen, vielfach wegbereitenden Beiträge im Schrifttum können wir aber noch lange mit ihm im Gespräch bleiben.

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