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Trauer um Professor Dr. Meinhard Winkgens

Die Universität Mannheim trauert um Professor Dr. Meinhard Winkgens (*6.3.1948, +17.7.2019).

 

Ein Nachruf des Anglistischen Seminars der Universität Mannheim

Professor Dr. Meinhard Winkgens ist am 17. Juli 2019 im Alter von 71 Jahren verstorben. Die Universität verliert in ihm einen außerordentlich verdienten Wissenschaft­ler und sehr geschätzten Lehrer und Kollegen. Sein Schaffen zeichnet sich dadurch aus, dass er in Forschung, Lehre und akademischer Selbstverwaltung gleichermaßen nachhaltig gewirkt hat. Während seiner Freiburger Zeit entstanden seine Dissertation Das Zeit­problem in Samuel Becketts Dramen (1974) wie auch seine Habilitations­schrift Die kulturkritische Verankerung der Literatur­kritik bei F.R. Leavis (1984), literatur­wissenschaft­liche Pionierleistungen, die heute noch als Standard­werke angesehen werden. Seine wissenschaft­liche Herangehensweise basierte auf einer sehr fruchtbaren Verbindung von Philosophie, Soziologie und Kulturtheorie auf der einen und detaillierter Primärtextlektüre auf der anderen Seite. Seine Schriften und seine Lehr­veranstaltungen bezogen ihre besondere Wirkungs­kraft durch außerordentliche sprachliche Präzision und tiefe gedankliche Durchdringung ihrer Gegenstände. Für viele Studierende zeigte sich hier ein neuer und anregender Zugang zur Literatur­wissenschaft, der die Wissenschafts­kultur in der Anglistik deutlich geprägt hat. Den wissenschaft­lichen Nachwuchs zu fördern war ihm ein tiefempfundenes Anliegen. Hieraus resultierten zahlreiche Promotionen und fünf Habilitationen. Alle fünf Habilitierten – dies ist besonders hervorzuheben – haben ihrerseits Rufe auf ordentliche Professuren erhalten.

Neben seinem Engagement in Forschung und Lehre war seine Zeit an der Universität Mannheim von seinem Ruf 1988 auf den Lehr­stuhl für Anglistische Literatur- und Kultur­wissenschaft bis zum Ende seiner Lehr­tätigkeit 2015 ganz wesentlich von den Akzenten bestimmt, die er als Inhaber verschiedener Ämter in der Selbstverwaltung setzte. Als Dekan der damaligen Fakultät für Sprach- und Literatur­wissenschaft (1989; 1995/96-1997), als Prorektor für Lehre (1997/98-2001) sowie als Studien­dekan für Bachelor- und Master­studien­gänge und Prodekan (2006-2010) gab er für die Entwicklung der Universität richtungs­weisende Impulse. Gerade auch in universitäts­politisch sehr schwierigen Zeiten haben sich sein scharfes Auge fürs Detail und sein bemerkenswertes diplomatisches Geschick in hohem Maße bewährt. Die interdisziplinären Studien­gänge, die er federführend mit konzipiert hat, prägen das Profil der Universität bis heute.

Als Mensch war er frei von professoraler Eitelkeit und wusste an seinem Lehr­stuhl eine offene, herzliche und humorvolle Atmosphäre zu schaffen; auch konstruktive Kritik und intellektuelle Reibung waren dort möglich. Die Zusammenarbeit an diesem Lehr­stuhl profitierte von seiner hohen wissenschaft­lichen und persönlichen Integrität sowie seiner Verbindlichkeit. Seine Betreuung wissenschaft­licher Arbeiten war gekennzeichnet von der ihm eigenen Fähigkeit, seinen Schülern produktive Impulse zu geben und ihnen zugleich den nötigen Freiraum zu gewähren. Ihn und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbindet über seinen Tod hinaus ein tiefes Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Die Universität verliert mit Meinhard Winkgens einen weithin sehr geachteten Forscher, Lehr­enden und Kollegen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Seinen Angehörigen gilt unser tiefempfundenes Mitgefühl.

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