Prof. Dr. Martin Peitz / Foto: Anna Logue

Neuer Sonderforschungs­bereich untersucht gesellschaft­liche Herausforderungen aus ökonomischer Perspektive

Die Universitäten Mannheim und Bonn etablieren gemeinsam einen neuen Sonderforschungs­bereich. Die Deutsche Forschungs­gemeinschaft (DFG) fördert diesen mit mehr als neun Millionen Euro in den ersten vier Jahren.

Wie lässt sich Chancengleichheit fördern? Wie sollten Märkte angesichts von Internationalisierung und Digitalisierung reguliert werden? Wie kann ein stabiles Finanzsystem aussehen? Der Sonderforschungs­bereich (SFB) „Economic Perspectives on Societal Challenges: Equality of Opportunity, Market Regulation, and Financial Stability“ an den Universitäten Mannheim und Bonn soll Antworten auf diese Fragen geben. Die DFG fördert das Forschungs­programm in den nächsten vier Jahren mit mehr als neun Millionen Euro.

„Die beiden Standorte Bonn und Mannheim ergänzen sich hervorragend und ermöglichen eine international sichtbare Forschung. Damit rückt die Volkswirtschafts­lehre als Sozial­wissenschaft in den Blick, die zur Bewältigung gesellschaft­licher Herausforderungen beiträgt“, sagt der Mannheimer Ökonomieprofessor Dr. Martin Peitz, stellvertretender Sprecher des Sonderforschungs­bereichs. Mit Methoden der theoretischen und empirischen Wirtschafts­forschung wollen Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaft­ler im SFB drei Schwerpunktgebiete erforschen und Politikmaßnahmen entwickeln, mit denen die jeweiligen Institutionen optimal reguliert werden können:

Chancengleichheit und soziale Mobilität

In diesem Schwerpunkt soll untersucht werden, wie bildungs- und familienpolitische Maßnahmen individuelle Entscheidungen und Vorstellungen beeinflussen und wie dadurch Chancengleichheit und soziale Mobilität in der Gesellschaft gefördert werden kann. Die Forscherinnen und Forscher beschäftigen sich mit der Frage, wie sozioökonomischer Hintergrund, Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit sich auf den späteren Bildungs- und Karriereerfolg von Menschen auswirken. Auf Basis der Ergebnisse geben sie Handlungs­empfehlungen, wie die Politik Familien und Schulen dabei unterstützen kann, Kindern Fach- und Entscheidungs­kompetenzen zu vermitteln, die für den späteren Lebenserfolg entscheidend sind.

Markt­regulierung, Internationalisierung und Digitalisierung

Ob länder­übergreifende Online-Shops, Preisvergleichsseiten oder soziale Netzwerke – Internationalisierung und Digitalisierung haben Produktmärkte in den letzten Jahren grundlegend verändert. In diesem Schwerpunkt arbeiten die Forscherinnen und Forscher an Lösungen, wie Märkte reguliert werden können, um Konsumenten vor übermächtigen Konzernen zu schützen, Umweltschäden zu vermeiden und für alle Gesellschafts­gruppen einen sicheren Zugang zu Produkten und Dienstleistungen zu gewährleisten. In sieben Einzel­projekten wollen sie unter anderem herausfinden, wie Fusionsgesetze die Innovations- und Investitions­freude von Unternehmen beeinflussen und ob Datenschutz­richtlinien die Privatsphäre von Verbrauchern auf Online-Plattformen effektiv schützen.

Finanz­markt­stabilität

Die dritte Säule des neuen SFBs befasst sich mit den Ursachen von Finanz­markt­krisen und der Regulierung von Finanzmärkten, insbesondere den Wechselwirkungen zwischen individuellen Finanzentscheidungen, Systemrisiken und staatlichen Eingriffen. Die Wissenschaft­ler hinterfragen bereits durchgeführte Regulierungs­maßnahmen kritisch. Sie untersuchen beispielsweise, ob die Regulierung bestimmter Finanzmärkte nur dazu führt, dass sich Aktivitäten und Risiken in weniger regulierte Bereiche verlagern.

April 2018