Förderer Gregor Greinert (2.v.r.) mit der Spitzensportbeauftragten Sarah Seidl und Rektor Prof. Dr, Ernst-Ludwig von Thadden (2.v.l.) / Foto: Matthias Hangst

„Das Sportstipendium ist ein absolutes Erfolgs­modell“

Seit 2009 unterstützt die Unternehmerfamilie Greinert junge Spitzensportler bei ihrem Studium an der Universität Mannheim mit einem Stipendium. Wie hat sich das Stipendium seither entwickelt? Was machen ehemalige Stipendiaten heute? Und wo soll es in Zukunft hingehen? Darüber hat FORUM mit den Stipendiengebern Klaus und Gregor Greinert gesprochen.

Vor acht Jahren initiierten Sie auf eigene Faust ein Sportstipendium an der Universität Mannheim und leisteten damit Pionierarbeit in Deutschland. Was war Ihre Motivation?

Klaus Greinert: Die ganze Geschichte war für uns eine Herzensangelegenheit. Ich selbst war Hockey-Nationalspieler und engagiere mich immer noch im Mannheimer Hockey-Club. Von einigen unserer Spielerinnen und Spieler bekam ich damals mit, dass sie es im Studium schwer hatten, weil die Uni mit den Wettkampfterminen zeitlich nicht gut zusammenging. Ich habe mich an meine eigene Sportlerkarriere und meine Berufsausbildung erinnert gefühlt. Ich hatte damals kein Stipendium, aber Eltern und ältere Freunde, die mich unterstützt haben. Ohne die hätte ich das alles gar nicht schaffen können. Wir haben uns deshalb überlegt, was wir beitragen können, um Spitzensportlern zu helfen.

Gregor Greinert: Viele denken bei Stipendien erst einmal an Geld. Hier ist aber etwas anderes noch wichtiger: Spitzensportler haben das Problem, dass sie bewertet und behandelt werden wie alle anderen Studierenden auch. Sie haben aber ein ganz anderes Arbeits­pensum. Sportler haben keine Freizeit, wenn sie mit dem Lernen fertig sind, sondern müssen viele Stunden trainieren, auf ihre Ernährung achten und ein hohes Maß an Disziplin aufbringen. Da bleibt wenig Zeit. Training, Wettkampftermine und Studium zeitlich unter einen Hut zu bringen –  das ist das Schwierige. Wir beschäftigen deshalb eine Koordinatorin, die die Sportlerinnen und Sportler berät und bei der Studien­planung unterstützt, vor allem wenn Prüfungen und Wettkämpfe kollidieren.

Sie sagen, das Finanzielle spiele eine untergeordnete Rolle. Es kommen aber doch auch besondere Kosten auf die Sportler zu durch die Wettkämpfe, die Reisen...

Gregor Greinert: Tatsächlich können sehr wenige Sportler vom Spitzensport leben – vom Fußball mal abgesehen. Und deshalb muss für sie natürlich ein anderes Lebens­modell her. Sie brauchen richtige Sponsoren. Aber dieses Problem können wir mit dem Stipendium allein nicht lösen. Das ist ein Thema der Sport­förderung allgemein.

Klaus Greinert: Der Staat tut in dieser Richtung viel zu wenig, obwohl der Spitzensport gesellschaft­lich eine sehr große Rolle spielt – auch als Vorbild für den Nachwuchs.

Gregor Greinert: Da ist nicht nur der Staat in der Pflicht, sondern auch die Privatwirtschaft. Es gibt Unternehmen, die sponsern ein paar Sportler. Aber strukturelle Förderung, von der deutschen Sporthilfe abgesehen, findet selten statt. Leuchtturm­projekte wie das Stipendium sind da wichtig. Wir planen deshalb, zukünftig noch mehr Unterstützer zu gewinnen – auch solche, die gezielt einzelne Stipendiaten finanzieren.

Gestartet ist das Sportstipendium 2009 mit 8 Stipendiaten, inzwischen werden 58 Spitzensportler gefördert. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?

Gregor Greinert: Die Zahlen sprechen für sich. Wenn man bedenkt, wie vielen Sportlerinnen und Sportlern durch das Stipendium das Studium ermöglicht wurde, und wenn man sieht, dass es nahezu keine Studien­abbrecher gab, dann ist das Sportstipendium ein absolutes Erfolgs­modell.

Klaus Greinert: Auch weil wir stets die Unterstützung der Universität hatten. Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, gerade bei den Professoren. Die meisten kennen das Sportstipendium inzwischen und haben Verständnis für die Sportler. Das merkt man auch bei unserem jährlichen Stipendiatentreffen. Das ist für mich ein Highlight. Es macht richtig Spaß, zu sehen, wie toll sich die Stipendiaten im Studium entwickeln – und dass auch Professorinnen und Professoren mittlerweile bei der Veranstaltung dabei sind. Wir alle sind danach immer richtig motiviert.    

Was ist aus den bisherigen Absolventen geworden? Verfolgen Sie die Lebenswege?

Klaus Greinert: Die gehen ihren Weg. Spitzensportler können arbeiten. Die sind diszipliniert, strukturiert und ehrgeizig. Den Wettkampfgedanken, den sie im Sport gelernt haben, übertragen viele nahtlos auf den Beruf. Sich zurücklehnen, wenn sie etwas erreicht haben – das ist nicht ihre Sache. Wenn wir unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten in Jobs vermitteln, ist das Feedback immer: „Bring uns noch mehr davon“.

Gregor Greinert: Das überwiegende Gros unserer Stipendiaten und Alumni hat einen hervorragenden Abschluss gemacht. Sie kommen in der Regel schnell in guten Unternehmen unter. Wirhaben einige in unseren eigenen Firmen, bei Röchling, Duravit und Rheinmetall beispielsweise. Als Geschäftsführer habe ich selbst beobachtet, was für interessante Arbeitnehmer Sportler sind. Sie haben eine ungeheure Zielstrebigkeit.

Aus dem Mannheimer Sportstipendium ist nun das Spitzensport-Stipendium Metropolregion Rhein-Neckar entstanden, mit dem jetzt auch exzellente Sportler an der Universität Heidelberg gefördert werden. Welche Pläne stehen in nächster Zeit sonst noch an?

Gregor Greinert: Eine Sache auf unserer To-do-Liste ist die Ehemaligen-Pflege. Wir haben bereits eine Kooperation mit ABSOLVENTUM, möchten den Alumni-Gedanken bei den Stipendiaten und den Unterstützern aber noch weiter kultivieren. Ich sehe ja jetzt schon die Tendenz: Viele unserer Absolventen bekommen tolle Jobs und haben eine große Karriere vor sich. Da kann man nur hoffen, dass sie sich in zwanzig Jahren an uns erinnern.

Klaus Greinert: Dazu gehört aber auch, dass wir sie dazu motivieren, ihre Erfahrungen an kommende Stipendiaten weiterzugeben und im Beruf den Gedanken, der hinter dem Sportstipendium steht, in die Welt zu tragen. Vielleicht finden sie in ihren Unternehmen ja auch weitere Unterstützer. Je mehr, desto besser. 

Interview: Katja Bär und Linda Schädler / April 2018