Julian Otchere, Sportstipendiat / Foto: Elmar Witt

„Der Spitzensport ist ein Teil von mir“

Den Alltag zwischen Training, Wettkampf und Studium zu meistern, ist für die 58 Stipendiatinnen und Stipendiaten des Spitzensport-Stipendiums der Metropolregion Rhein-Neckar oft eine Herausforderung. Wie sie mit der Doppelbelastung umgehen und wie ihnen das Stipendium dabei hilft, darüber hat FORUM mit vier von ihnen gesprochen.

Jannik Abbou (19), Mountainbike Downhill, Bachelor Wirtschafts­pädagogik

WM-Nominierung /  Podestplatz in der „Elite“, der besten Rennsportkategorie

Ich trainiere je nach Trainings­phase 16 bis 30 Stunden pro Woche – manchmal sogar mehr. Zusätzlich noch zu studieren, ist super anstrengend. Das Sportstipendium erleichtert mir aber vieles. Ich habe beispielsweise eine Ansprech­partnerin, die mir bei der Koordination von Training, Wettkämpfen und Studium hilft. Ich wüsste gar nicht, wie ich das sonst alles schaffen sollte. Vor allem die extra Tutorien, die wir bekommen, machen vieles einfacher. Denn bei einem vollen Trainingsplan bleibt nicht viel Zeit zum Lernen. Bisher habe ich dank des Stipendiums glücklicherweise keine Abstriche machen müssen – weder beim Sport, noch beim Studium.

Lisa Hattemer (25), Kunstrad, Mannheim Master in Management

Aktuelle Weltrekordhalterin / Weltmeisterin 2016

Als Sportlerin brauche ich einen sehr strukturierten Tagesablauf. Zwar studiere ich in Mannheim,  muss für Training und Wettkämpfe aber viel reisen. Durch das Sportstipendium bekomme ich Hilfe dabei, Uni-Termine und Klausuren entsprechend zu legen oder zu verschieben. Auch die Gemeinschaft der Sportler hier in Mannheim finde ich sehr schön. Egal ob bei einem gemeinsamen Besuch eines Eishockeyspiels, bei einer Rudereinheit auf dem Neckar oder bei der alljährlichen Begrüßungs­feier der Sportstipendiaten – auf andere Spitzensportler zu treffen und mich mit ihnen austauschen zu können, ist für mich sehr wertvoll. 

Julian Otchere (19), Stabhochsprung, Bachelor Wirtschafts­informatik

EM-Teilnahme 2017

Dass ich für das Sportstipendium ausgewählt wurde, ist eine unheimliche Motivation. Es bescheinigt mir, was ich sportlich alles schon erreicht habe und was in meiner Karriere noch möglich ist. Ich habe erst im vergangenen Semester mit dem Studium angefangen und höre öfter von Kommilitonen, dass sie kaum noch Zeit für Sport haben. Durch das Stipendium kann ich meinen Sport noch genauso ausüben, wie ich es vor dem Studium getan habe. Stabhochsprung ist ein Teil von mir, den ich nicht aufgeben möchte. Ich bin sehr dankbar, dass das Sportstipendium mir die Möglichkeit gibt, zu studieren und trotzdem meiner Leidenschaft auf hohem Niveau nachzugehen.

Cécile Pieper (23), Feldhockey, Bachelor Psychologie

Weltmeisterin 2018 / Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 2017  

Ich spiele Hockey, seit ich sieben bin. Seit 2009 bin ich in der Nationalmannschaft. Da ich für Spiele immer wieder um die halbe Welt fliegen muss, ist es schwierig, meine Karriere als Sportlerin mit einem Studium zu vereinbaren. Als ich bei den Olympischen Spielen in Rio war, musste ich mich voll auf die Wettkämpfe im August konzentrieren. Da konnte ich dann ein Semester lang nicht an den Klausuren teilnehmen. Das ist ein Extremfall, aber auch dabei hat mir das Sportstipendium geholfen: Ein weiteres Semester dran zu hängen, um die Klausuren aufzuholen, wäre ohne das Sportstipendium vielleicht nicht möglich gewesen. Die finanzielle Zuwendung finde ich ebenfalls toll, da die meisten von uns Sportarten betreiben, von denen man auch als Spitzensportler nicht leben kann.

Interviews: Mona Wenisch / April 2018