Weihua Wang, Deutschland­stipendiatin / Foto: Elmar Witt

Engagement für Engagierte

165 Deutschland­stipendien hat die Universität Mannheim im aktuellen Studien­jahr vergeben. Das Stipendium honoriert nicht allein hervorragende Noten, sondern auch gesellschaft­liches Engagement.

Sehr gute Noten, Praktikum in einer Großkanzlei und Bachelor­arbeit nach dem vierten Semester – was Debora Nöltner in ihrem Studium zur Unternehmens­juristin leistet, ist eindrucksvoll. In ihren Semesterferien betreut sie außerdem Demenzkranke in der Sozialstation Neckarau-Almenhof und engagiert sich in einer Ballettgruppe. Das vom Bund initiierte Deutschland­stipendium ist für Studierende wie sie gemacht: Wer herausragende universitäre Leistungen erbringt und sich darüber hinaus gesellschaft­lich engagiert oder besondere Hürden auf dem Lebensweg überwinden musste, hat gute Chancen, gefördert zu werden.

Seit vergangenem Herbst ist Nöltner nun Deutschland­stipendiatin. Über die Anerkennung freut sich die 22-Jährige: „Es ist eine schöne Auszeichnung und eine Bestätigung für das, was man bisher geleistet hat.“ Jedes Jahr vergibt die Universität Mannheim rund 170 dieser Stipendien. Die Idee ist nicht ganz uneigennützig: Deutschland braucht leistungs­fähigen Nachwuchs. Das sehen auch die Unternehmen so und beteiligen sich ebenso wie der Bund jeweils zur Hälfte finanziell am Stipendium. 300 Euro bekommen die Stipendiaten monatlich – mindestens für ein Jahr, längstens für die Dauer der Regel­studien­zeit.

Die privaten Stipendiengeber, die das Stipendium zur Hälfte finanzieren, muss jede Universität selbst akquirieren. Das ist die Aufgabe von Lisa-Marie Lindner. „Die Universität Mannheim hat bereits 2007 ein Stipendiensystem aufgebaut und dieses dann 2011 auf das Deutschland­stipendium umgestellt. Von Beginn an konnten wir Unternehmen, Stiftungen, aber auch Absolventen und private Förderer aus der Region dafür gewinnen, sich am Programm zu beteiligen“, berichtet sie. Die meisten Stipendien stiftet die Vereinigung „Freunde der Universität Mannheim“. Im aktuellen Jahr vergibt sie 17 Stipendien, die an Studierende aller Fakultäten vergeben werden.

Der Ruf der Universität Mannheim ist gut, die Absolventen sind begehrt. Das macht das Deutschland­stipendiaten für Unternehmen attraktiv: Sie sehen das Stipendium zum einen als eine Form gesellschaft­lichen Engagements, zum anderen als Möglichkeit, sich als potenzieller Arbeitgeber zu präsentieren. „Die Studierenden, die für das Stipendium ausgewählt werden, zeichnen sich durch Engagement, gute Noten und Leistung aus. So kommen wir gezielt mit jungen Menschen in Kontakt, die Eigenschaften mitbringen, auf die wir auch bei zukünftigen Mitarbeitern Wert legen“, sagt Ute Richter vom Bereich Talent Acquisition bei der BASF. Auch der Stipendiengeber von Debora Nöltner, der Industriedienstleister Bilfinger, nutzt das Stipendium als Rekturierungs­instrument. „Durch einen regelmäßigen Austausch in Form von Mails, Telefonaten und persönlichen Treffen erhalten unsere Stipendiaten erste Einblicke in das Unternehmen, welche durch Praktika und Werkstudenten­tätigkeiten vertieft werden können“, erklärt Julia Schäfer vom Talent Management bei Bilfinger. „Gleichzeitig sehen wir unsere Beteiligung am Programm als gesellschaft­liche Aufgabe, indem wir die Studierenden dabei unterstützen, ihren Fokus auf das Studium und ihr Engagement richten zu können“, ergänzt sie.

Die BWL-Studentin Weihua Wang weiß das zu schätzen: „Das Stipendium ist sehr wertvoll. Durch die finanzielle Unterstützung sind wir Stipendiaten weniger auf einen Nebenjob angewiesen und erhalten einen größeren Gestaltungs­freiraum.“ Wang selbst, deren Stipendium anteilig von der BASF finanziert wird, nutzt diesen gleich für mehrere Ehrenämter. Seit vielen Jahren engagiert sich die gebürtige Chinesin, die mit acht Jahren nach Deutschland kam, beim chinesischen Kulturzentrum Rhein Neckar e.V., dessen stellvertretende Vorsitzende sie ist. Darüber hinaus ist sie politisch aktiv. Seit 2014 sitzt sie für die Grünen im Stadtrat von Schwetzingen, hat die Grüne Jugend Kurpfalz-Hardt gegründet und ist seit einem Jahr Sprecherin im Kreisvorstand. In Kürze wird sie ihr Master­studium abschließen. Dass sie von dem Stipendium auch über das Studium hinaus profitieren wird, davon ist sie überzeugt: „Es hat eine Signalwirkung, wenn man das Stipendium bekommen hat.“ Mit ihrer Einschätzung dürfte Wang richtig liegen, denn die Unternehmen wissen: Wer durch das Programm gefördert wurde, hat schon während des Studiums vollen Einsatz bewiesen.

Text: Katja Bauer / April 2018