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350.000 Euro für Forschung zu Genom-Editierung

Der Mannheimer Jura-Professor Ralf Müller-Terpitz und die Heidelberger Professorin Eva Winkler haben einen Zuschlag der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) für ein neues Projekt zu ethischen, rechtlichen und sozialen Implikationen der Epigenom-Editierung erhalten.

Nachdem sich die Life-Science-Forschung lange Zeit vor allem mit Genen beschäftigt hat, nimmt sie nunmehr vermehrt die so genannten epigenetischen Einflüsse in den Blick. Epigenetik gilt als das Bindeglied zwischen Genen und Umwelteinflüssen. Sie besagt, dass Faktoren wie ungesunde Lebensweise oder Ernährung ebenfalls Einfluss auf das Erbgut haben. Das erklärt beispielsweise, warum nur ein Zwilling von beiden anfälliger für Diabetes oder Alzheimer ist – obwohl ihre Gene identisch sind.

Ein neues Projekt am Lehr­stuhl von Prof. Dr. Ralf Müller-Terpitz hat das Ziel, moderne biologische Eingriffe auf der Genomund der Epigenom-Ebene miteinander zu vergleichen. Das Projekt ist im März gestartet und wird mit 350.000 Euro für die Laufzeit von zwei Jahren gefördert. Der Mannheimer Jurist bekommt die Förderung gemeinsam mit seiner Kollegin, der Heidelberger Expertin für Medizin und Ethik, Prof. Dr. Eva Winkler vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen.

„Derzeit wird viel über Genom-Editierung geforscht, aber die epigenetische Perspektive hat sich bislang noch niemand näher angeschaut“, sagt Müller-Terpitz. „Wir wollen herausfinden, ob und in welchen Kontexten es sinnvoll sein kann, anstelle einer Genom-Editierung eine Epigenom-Editierung einzusetzen.“ Beide Ansätze führen zu denselben Veränderungen, allerdings wird auf der Epigenom-Ebene nur die Regulation von Genen beeinflusst, nicht aber der genetische Code selbst.

Sowohl die Genom- als auch die Epigenom-Editierung setzt auf die so genannte CRISPR/Cas9-Technik. Diese Methode ist effizienter, günstiger und einfacher durchzuführen als bisherige Methoden der Genom-Editierung. Sie soll auch eine präzisere Modifikation des Genoms oder des Epigenoms erlauben, so die Hoffnung vieler Mediziner. Mögliche Anwendungs­felder von CRISPR/Cas9 in der Medizin sind die Heilung von Muskelerkrankungen, AIDS oder Krebs.

Die sprach­wissenschaft­liche Frage, wie man diese Techniken eigentlich benennt und kommuniziert, ist ebenfalls Bestandteil des geförderten Projekts. Oft wird CRISPR/Cas9 als „Gen-Schere“ bezeichnet; häufig ist in diesem Zusammenhang auch von „Gen-Chirurgie“ die Rede. Die Begriffe suggerieren ein hochpräzises Verfahren und rufen bestimmte Bilder im Kopf hervor. Um die Erwartungs­haltung von Patienten zurückzuschrauben, sollen diese und weitere Begriffe auf den Prüfstand gestellt und gegebenenfalls revidiert werden.

Für den wissenschaft­lichen Beirat konnten die Projektleiter unter anderem die französische Wissenschaft­lerin Emmanuelle Charpentier gewinnen. Sie gilt als Erfinderin von CRISPR/Cas9, da sie gemeinsam mit der US-Amerikanerin Jennifer Doudna die Grundlagen der Methode entwickelt hat.

Text: Yvonne Kaul / April 2019