Prof. Dr. Ulrich Wagner und Prof. Dr. Irena Kogan wurden jeweils mit einem ERC Consolidator Grant ausgezeichnet / Foto: Leah Kratschmann

Prestigeträchtige EU-Förderung für gleich zwei Mannheimer Wissenschaft­ler

Der Europäische Forschungs­rat (ERC) hat zwei Wissenschaft­ler der Universität Mannheim mit dem ERC Consolidator Grant ausgezeichnet: Die Soziologin Prof. Dr. Irena Kogan erforscht, wie sich die Partnersuche der neu zugewanderten Flüchtlinge in Deutschland gestaltet. Umweltökonom Prof. Dr. Ulrich Wagner untersucht hingegen, wie sich die Luftqualität auf die Gesundheit und wirtschaft­liche Leistungs­fähigkeit der Bevölkerung auswirkt.

Die Auszeichnungen sind mit knapp zwei Millionen Euro bzw. 1,4 Millionen Euro für jeweils fünf Jahre dotiert. Der Rektor der Universität Mannheim, Prof. Dr. Thomas Puhl, gratulierte zum Erfolg: „Im Bereich Wirtschaft wurden in dieser Runde europaweit lediglich sieben Consolidator Grants vergeben, in der Soziologie nur zwölf. Die Preise bestätigen den hervorragenden Ruf, den die Universität Mannheim auf beiden Gebieten international genießt.“

ERC Grant von Irena Kogan

Prof. Dr. Irena Kogan untersucht in ihrem Projekt, wie in Deutschland neueingereiste männliche Flüchtlinge ihre Partnerinnen finden. „Es geht um einen wichtigen Aspekt der sozialen Integration“, betont die Mannheimer Soziologin. In ihrer Arbeit konzentriert sie sich auf Männer aus Syrien und Afghanistan, die zwischen 18 und 30 Jahre alt sind.

Die Ethnie ist eines der wichtigsten Kriterien bei der Auswahl einer Partnerin oder eines Partners. Das belegen soziologische Studien. Wegen des erheblichen Männerüberschusses finden die in Deutschland angekommenen männlichen Flüchtlinge nicht ausreichend Partnerinnen aus der eigenen Ethnie. Syrische und afghanische Gemeinden haben in Deutschland noch keine lange Tradition. Wie sollen die Migranten also ihre Partnerinnen finden?

Um diese Frage zu beantworten, analysiert die Soziologin zum einen die Rolle von Sozialen Medien und Online-Dating-Portalen, da Geflüchtete sehr internetaffin sind. Zum anderen untersucht sie, inwiefern Deutsche und in Deutschland lebende Migrantinnen und Migranten bereit sind, Beziehungen mit Geflüchteten einzugehen. Würde eine Partnerschaft für sie in Frage kommen, wenn diese beispielsweise die gleiche Religion oder Sprache teilten?

„Wir haben bislang weder Daten noch zuverlässige Informationen dazu. Es gibt auch keine vergleichbaren Studien aus anderen Ländern“, sagt die 46-jährige Wissenschaft­lerin. „Die Auszeichnung mit dem ERC Consolidator Grant belegt, wie relevant die Forschung zur soziokulturellen Integration von Geflüchteten ist.“

ERC Grant von Ulrich Wagner

Der Volkswirt Prof. Dr. Ulrich Wagner bewertet in seinem ERC-ausgezeichneten Projekt die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit. Unter anderem geht er der Frage nach, welche ökonomischen Schäden Luftschadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub als Folge des europäischen CO2-Zertifikatehandels verursachen.

Der Handel mit CO2-Zertifikaten wurde 2005 eingeführt und zielt darauf ab, Emissionen kosteneffizient zu reduzieren: Die Last der Vermeidungs­anstrengungen von Unternehmen soll dabei so aufgeteilt werden, dass die Gesamtkosten der Vermeidung minimiert werden. Eine beabsichtigte Folge des Zertifikathandels ist demnach die Umverteilung der CO2-Emissionen innerhalb Europas. Noch nicht ausreichend erforscht ist jedoch, inwiefern neben dem Treibhausgas CO2 auch Luftschadstoffe wie Stickoxide oder Schwefeldioxid innerhalb Europas umverteilt werden.

„Ich möchte herausfinden, ob durch die Einführung des Zertifikatehandels mehr oder weniger Menschen in Europa schädlicher Luftverschmutzung ausgesetzt sind, und welchen ökonomischen Schaden oder Nutzen dies verursacht hat“, sagt Wagner.

Zu diesem Zweck berechnet der Wissenschaft­ler mit statistischen Methoden, wie hoch der Einfluss des CO2-Handels auf den Ausstoß von Luftschadstoffen ist, und analysiert deren räumliche Verbreitung mit Methoden aus der Atmosphärenchemie. „Mein interdisziplinär angelegtes Projekt soll glaubwürdige Evidenz zum möglichen Nutzen der Klimapolitik liefern – damit die Klimapolitik der EU nicht im Blindflug, sondern clever ausgestaltet wird“, so der 43-jährige Umweltökonom.

Auch in der Vergangenheit war der Mannheimer Wirtschafts­experte für verschiedene politische Institutionen beratend tätig, dar­unter für den von der Bundes­regierung gegründeten „Arbeits­kreis Emissionshandel“, aber auch für internationale Organisationen wie die OECD und die Weltbank. Bevor er 2015 nach Mannheim kam, lehrte Wagner an der Universität Carlos III in Madrid. Seine Doktorarbeit verfasste er an der US-amerikanischen Elite Universität Yale.

Text: Yvonne Kaul / September 2020