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Willkommen an der Universität Mannheim

Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen
Lehr­stuhl für Finanzmärkte

Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen hat Anfang des Jahres den Lehr­stuhl für Finanzmärkte an der Area Finance übernommen und trat damit die Nachfolge von Prof. Sascha Steffen an. Frau Bucher-Koenen leitet darüber hinaus seit Januar 2019 den ZEW-Forschungs­bereich „Internationale Finanzmärkte und Finanz­management“. 2010 promovierte sie an der Universität Mannheim zum Thema „Financial Literacy, Cognitive Abilities, and Long-term Decision Making - Five Essays on Individual Behavior“. In ihrer Forschung befasst Tabea Bucher-Koenen sich vordergründig mit dem Gebiet der Finanzen privater Haushalte (Household Finance), der Altersökonomie und dem demografischen Wandel, insbesondere mit der Rolle von privaten und staatlichen Rentensystemen und von langfristigen Finanzentscheidungen.

Prof. Dr. Richard Traunmüller
Professur für Politik­wissenschaft, Empirische Demokratieforschung

Richard Traunmüller lässt sich nur ungern auf ein bestimmtes Fach­gebiet festlegen: Schon immer fand der promovierte Politik­wissenschaft­ler auch Themen aus der Soziologie und Psychologie spannend und zeigte dabei starkes Interesse an methodischen Fragen. Als Herzensangelegenheit bezeichnet er die Forschung über Meinungs­freiheit: Dass Zensur in vielen autoritären Staaten existiert, ist bekannt. Aber haben die Menschen in Demokratien den Eindruck, dass sie stets frei sprechen können? Oder unterliegen sie gelegentlich Zwängen, bestimmte Dinge zu sagen oder zu verschweigen? In einem anderen Projekt schaut er sich an, wie eine Gesellschaft oder ein Staat auf Einwanderung reagiert und was die Bürger zur Einwanderungs­politik meinen. Sein weiteres großes Thema sind die Folgen von Bürgerkriegserfahrungen. Konkret untersucht er dabei, welche politischen Konsequenzen sexuelle Gewalt in Bürgerkriegen hat. Was passiert mit den Opfern, die diese Gewalt erfahren haben? Wie wirkt sich das Trauma auf ihr politisches Verhalten aus? Dass Traunmüller in seiner Forschung auch viele Länder außerhalb Europas in den Blick nimmt, hängt vielleicht mit seiner Biografie zusammen: In Österreich geboren, ist er in Mexiko, Saudi-Arabien, Singapur und Thailand groß geworden und erst zum Studieren zurück nach Europa gekommen. Mannheim kennt er aus seiner Postdoc-Zeit am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. Und nach zwei Jahren als Vertretungs­professor in Mannheim findet er: „Es ist schön, endgültig hier zu sein.“

Prof. Dr. Nicolas Schutz
Professur für VWL, Empirische Ökonomik

Im Februar 2019 untersagte die EU-Kommission die geplante Fusion zwischen Siemens und Alstom zu einem europäischen Großkonzern in der Bahntechnik. Der Grund: Diese würde den Wettbewerb auf den Märkten für Eisenbahn-Signalanlagen und Höchstgeschwindigkeits­züge beeinträchtigen. Fusionen zwischen großen Unternehmen, Wettbewerbsökonomie und die Frage, wie viel staatliche Regulierung ein gesunder Wettbewerb braucht, stehen im Zentrum der Forschung des französischen Ökonomen Nicolas Schutz, der seit vergangenem August die Professur für VWL und Empirische Ökonomik innehat. Daneben interessieren ihn die Beziehungen zwischen Unternehmen auf Märkten, die sich durch eine kleine Zahl an Käufern und Produzenten auszeichnen – wie beispielsweise in der Flugzeugindustrie. Wie handeln solche Markt­teilnehmer ihre Kaufverträge aus, welche Absprachen treffen sie? Vor seiner Berufung arbeitete der gebürtige Lothringer als Juniorprofessor in der VWL-Abteilung, insgesamt ist er seit zehn Jahren an der Universität Mannheim. „Ich bin extrem glücklich hier und sehr dankbar, in einem solch inspirierenden Umfeld arbeiten zu dürfen“, so Schutz.

Prof. Dr. Marc Helbling
Professur für Soziologie mit Schwerpunkt Migration und Integration

Marc Helbling ist ein Schweizer Sozial­wissenschaft­ler, der im August dieses Jahres von der Universität Bamberg nach Mannheim gewechselt hat. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig damit, wie Menschen in Europa Migrantinnen und Migranten gegenüberstehen und wie in OECD-Ländern Einwanderungs­politik reguliert wird. In einer neueren Studie fand er zum Beispiel heraus, dass Klimaflüchtlinge in Deutschland mehr akzeptiert werden als Wirtschafts­migranten. In einem weiteren Projekt widmet er sich den extremistischen Einstellungen und wie man diese messen kann. Dabei interessiert ihn gleichermaßen der Rechts- wie auch der Linksextremismus sowie der religiöse Extremismus, gerade weil diese relativ wenig erforscht sind. Internationale Mobilität prägte seinen bisherigen Karriereweg: Nach seinem Studium an der Universität Lausanne und am Institut d’Etudes Politiques in Paris folgte ein Promotions­studium an der Universität Zürich und Forschungs­aufenthalte in New York, Harvard, Princeton, Oxford, Sydney und Florenz. An der Universität Mannheim findet er die enge Verflechtung zwischen Politik­wissenschaft und Soziologie interessant: „Ich bin in beiden Bereichen beheimatet“, so Helbling.

Prof. Dr. Dr. Alexander Morell
Professur für Bürgerliches Recht, Deutsches und Europäisches Wirtschafts­recht und Unternehmens­steuerrecht

Der Rechts­wissenschaft­ler Alexander Morell findet seine Forschungs­themen häufig, wenn Gerichtsurteile an der sozialen Realität vorbeigehen. „In solchen Fällen versuche ich den Richterinnen und Richtern zu helfen, die gesellschaft­liche Realität genauer abzubilden und dieses Abbild für die Auslegung des Rechts fruchtbar zu machen. Dazu wende ich Methoden aus der Ökonomie an“, sagt Morell. Der Rechts­wissenschaft als vorrangig exegetischer Disziplin fehlen eigene Methoden, um zu beschreiben, wie Recht in der Gesellschaft real wirkt. Deshalb bedient sich Morell aus den Wirtschafts­wissenschaften. Am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschafts­gütern in Bonn arbeitete er bisher jedoch nicht nur mit Ökonomen zusammen, sondern auch mit Soziologen und Psychologen. „Ich wurde für interdisziplinäre Arbeit ausgebildet und freue mich, meine Erfahrungen hier in Mannheim einzubringen, wo Juristen und Ökonomen in vielen Bereichen kooperieren“, sagt Morell. Er beschäftigt sich unter anderem mit Sammelklagen vor deutschen Gerichten, die für Kartellschadensersatz oder auch im Nachgang zum Dieselskandal relevant sind. Oder er geht in einer Studie der Frage nach, ob und wie genau Richter Menschen mit Migrations­hintergrund diskriminieren. In seiner Lehre arbeitet er zusammen mit Wirtschafts­wissenschaft­lern, gibt Seminare mit ihnen oder kombinierte Vorlesungen. Promoviert hat er gleich zwei Mal: Einmal über das Kartellrecht der Zielrabatte und einmal mit einer experimentalökonomischen Arbeit zur motivationalen Wirkung von Schuld, Wettbewerb zwischen Teams und der Ausnutzung von Verbraucherverhalten.

Prof. Dr. Benjamin Straßburger
Professur für Öffentliches Recht und Steuerrecht

Eine der zentralen Zukunftsfragen des Steuerrechts lautet: Wie sollen in einer zunehmend globalisierten Welt die Besteuerungs­befugnisse zwischen den Staaten abgegrenzt und die Steuerlast gerecht unter den Bürgern und Unternehmen aufgeteilt werden? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich der Rechts­wissenschaft­ler Benjamin Straßburger, der im Mai 2020 den Lehr­stuhl für Öffentliches Recht und Steuerrecht als Nachfolger von Prof. Thomas Puhl übernommen hat. „Mein wissenschaft­licher Ehrgeiz besteht darin, Mittel und Wege zu finden, wie man eine gerechte Besteuerung mit den Fiskalinteressen der Staaten, den Anforderungen des europäischen Binnen­markts und den Grundsätzen des Internationalen Steuerrechts in Einklang bringen kann“, erklärt der gebürtige Hamburger. Mit Blick auf seinen Forschungs­schwerpunkt „Finanz- und Steuerrecht“ bietet die Universität Mannheim für ihn hervorragende Möglichkeiten der interdisziplinären Forschungs­vernetzung, beispielsweise im Rahmen des Leibniz-Wissenschafts-Campus Mannheim Taxation.

Eine zweite Säule seiner Forschung bilden das deutsche und europäische Verfassungs­recht und dessen theoretischen Grundlagen. Bedingt durch Ereignisse wie die Eurokrise, den Brexit und die COVID-19-Pandemie wird das Verhältnis zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten gegenwärtig neu justiert. Wie die Herrschafts­ansprüche beider Seiten aufeinander abzustimmen sind – für Verfassungs­juristen wie Straßburger eröffnet sich hier ein spannendes Forschungs­feld.