Arian Fabrice Iranshahi war bis vor Kurzem an der Universität Mannheim einer von 55 Studierenden unter 18 Jahren / Foto: Kathrin Holstein

Mit 16 an der Uni

Arian Fabrice Iranshahi war zu Studien­beginn 16 Jahre alt und ist somit einer der jüngsten Studierenden an der Universität Mannheim. Jünger zu sein als die meisten seiner Kommilitonen macht Arian nichts aus, denn nach einem Jahr an der Uni fühlt er sich in Mannheim wie zu Hause.

Zu Studien­beginn unter 18 zu sein, ist in Zeiten von G8 keine allzu große Besonderheit mehr. Im Wintersemester 2016/2017 waren laut Statistischem Bundes­amt 4.279 Studierende an deutschen Hochschulen minderjährig. So jung wie Arian Fabrice Iranshahi sind aber die wenigsten: Mit 16 Jahren hat er sein Studium der BWL an der Universität Mannheim begonnen. Inzwischen ist er im dritten Semester und seit Kurzem nicht mehr minderjährig. Mitte September feierte er seinen 18. Geburtstag.

„Abi mit 16? Wie hast du das denn geschafft?“, ist eine Frage, die Arian häufig zu hören bekommt. Er ist es daher gewohnt, seine Geschichte zu erzählen. Seine Rolle darin ist eher bescheiden, denn als klassischen Hochbegabten sieht sich Arian nicht. Im Alter von fünf Jahren wurde Arian auf Empfehlung seiner Kindergärtnerin eingeschult. Bereits wenige Wochen danach schlug seine Grundschullehr­erin vor, ihn in die zweite Klasse zu versetzen. Seine Eltern waren zunächst skeptisch, doch Arian selbst wollte sehr gerne den Unterricht der zweiten Klasse besuchen: „Meine Freunde waren nämlich damals alle älter als ich“, erklärt er. Die Einführung von G8, also dem Abitur nach der 12. Klasse, verkürzte Arians Schulzeit dann schließlich um ein weiteres Jahr – und ermöglichte ihm den frühen Studien­beginn. „Für gute Noten muss ich hier an der Uni jedoch genauso hart arbeiten wie jeder andere“, versichert er.

Arian glaubt, dass vor allem sein Charakter und seine Einstellung dazu geführt haben, dass er trotz seines Alters gut an der Uni zurechtkommt. Hohe Motivation und Ehrgeiz habe er bereits im Leistungs­sport bewiesen. Neben der Schule spielte Arian im Jugend­bereich professionell Fußball. Aufgrund seiner iranischen Wurzeln hätte er gute Chancen gehabt, für die U-17-Nationalmannschaft des Irans spielen zu dürfen. Eine unglückliche Verletzung ließ den Traum platzen. „Auch wenn ich es vermisse, professionell zu spielen, bin ich letztendlich froh, stattdessen hier an der Uni Mannheim zu studieren“, sagt Arian.

Freunde hat er trotz des Alters­unterschieds schnell gefunden. „Zum Glück sieht man mir mein Alter nicht an. Wenn das Thema dann doch mal zur Sprache kommt, können die meisten Leute kaum glauben, dass ich noch so jung bin“, erzählt er. Auch neben dem Studium ist Arian sehr aktiv. Da er sich für Finanzthemen interessiert, trat er gleich im ersten Semester dem Arbeits­kreis Börse bei. Inzwischen hat er dort sogar den Posten des Eventmanagers und PR-Beauftragten inne.

In Arians Augen brachte seine Minderjährigkeit im Universitäts­alltag nur wenige Nachteile mit sich: „Feiern zu gehen war bis vor ein paar Wochen leider nur eingeschränkt möglich – und den Mietvertrag für meine Wohnung musste mein Vater unterschreiben“, sagt er. Dieser ist mächtig stolz auf seinen Sohn, denn auch er war früh auf sich gestellt: Mit nur 17 Jahren kam er alleine aus dem Iran nach Deutschland. „Er hat hier studiert, ist Ingenieur und somit ein großes Vorbild für mich“, sagt Arian. Seine eigene Zukunft sieht er momentan in der Finanzbranche. In diesem Bereich hat er im Sommer auch bereits ein Praktikum absolviert.

Text: Kathrin Holstein / Oktober 2018