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Gutes tun über den Tod hinaus

Die chinesische Wahl-Mannheimerin Laura Liao hat der Stiftung Universität Mannheim 66.000 Euro vermacht. Bereits zu Lebzeiten hatte sie beschlossen, die Universität in ihrem Testament großzügig zu bedenken.

Das Schicksal hatte es anfangs mit Laura Liao nicht gut gemeint: 1929 wurde sie in der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas geboren, als einziges Kind eines Kuomingtang-Offiziers, der bald nach der Machtergreifung der Kommunisten verstarb. Ihre Mutter und sie mussten nach Hong Kong fliehen.

Nach der Erziehung an einem christlichen College wanderte sie nach England aus, um sich dort als Krankenschwester ausbilden zu lassen. Während eines kurzen Deutschland­aufenthalts fand sie in den 50er Jahren schließlich die große Liebe in Mannheim: einen chinesischen Militärattaché der Volksrepublik China, der während des Zweiten Weltkriegs in Stockholm stationiert gewesen war und in Europa bleiben wollte. In Mannheim eröffnete er das erste China-Restaurant, das „Mandarin“ in S1. Später auch noch ein zweites am Nationaltheater. Laura Liao gab ihre Ausbildung auf und war fortan die Seele des Geschäfts und bis in die 80er Jahre vielen Mannheimern vertraut.

Die chinesische Wahl-Mannheimerin hatte eine enge persönliche Bindung zu Studierenden und der Universität. Nachdem ihr Mann verstarb, verkaufte sie die beiden Restaurants. In ihrer neu gewonnen Freizeit betreute sie chinesische Studierende, verfolgte die Proben an der Staatlichen Musikhochschule Mannheim und nahm am Studium Generale und Seniorenstudium der Universität Mannheim teil. „Regelmäßig versorgte sie ihre Freunde mit dem Vorlesungs­verzeichnis und betonte immer wieder, wie wichtig kulturelle Fortbildung sei“, heißt es in dem Schreiben ihres Anwalts an die Universität Mannheim zur Begründung ihrer Entscheidung, die Stiftung so großzügig mit 66.000 Euro zu bedenken. Ihr Wunsch war es, dass mit dem Geld bedürftige Studierende gefördert werden.

„Laura Liaos Testamentsspende an die Stiftung Universität Mannheim wird deshalb in den Stiftungs­stock fließen. Aus den Erträgen werden dann Stipendien für Mannheimer Studierende finanziert werden“, sagt Sabrina Scherbarth, Geschäftsführerin der Stiftung. „Uns liegt es sehr am Herzen, dass das Erbe von verstorbenen Spenderinnen und Spendern in ihrem Sinne verwendet wird.“ Bereits 2009 verließen Laura Liao unerwartet ihre Kräfte. Nach langer Krankheit verstarb sie im September 2017 im Alter von 87 Jahren.

Text: Nadine Diehl / Oktober 2018