21. Sustainable Business Summit im Wizemann.space in Stuttgart / Foto: Laura Edinger-Schons

Digitale Lösungen für Probleme in der realen Welt

30 Studierende der Universität Mannheim nahmen im Oktober am 21. „Sustainable Business Summit“ teil, um Lösungs­konzepte für soziale und umweltbezogene Probleme von Unternehmen und NGOs zu erarbeiten. FORUM-Reporterin Kathrin Holstein hat sie begleitet.

Es ist 6:45 Uhr an einem Freitagmorgen. Während der Ehrenhof sonst um diese Uhrzeit wie ausgestorben wirkt, tummeln sich dort rund 30 Studierende der Universität Mannheim. Der Grund für die frühmorgendliche Versammlung: Für die Wartenden geht es mit einem Shuttle nach Stuttgart zum „Sustainable Business Summit“, der jedes Semester vom Lehr­stuhl für Corporate Social Responsibility (CSR) veranstaltet wird.

Das Event ist inzwischen ein echter „Oldie but Goldie“ im Semester­programm des Lehr­stuhls von Prof. Dr. Laura Edinger-Schons. Seit über zehn Jahren bietet die Veranstaltung Studierenden aller Fächer die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Thema „unternehmerische Verantwortung“ auseinanderzusetzen und sich dazu mit Vertretern aus den Bereichen Wirtschaft und Non-Profit zu vernetzen. Bisher fand die Veranstaltung an der Universität Mannheim statt. In diesem Semester hingegen entschied sich der CSR-Lehr­stuhl dazu, mit den Teilnehmenden auf eine Exkursion zu fahren: Ein Bus bringt sie zu den Räumen des Wizemann.space in Stuttgart, einem Coworking Space, in dem sich Unternehmen sowie kreative Köpfe mit sozialer Ader einmieten können.

Früher wurden im Wizemann.space Teile für die Automobilindustrie gefertigt. Heute bietet der rohe Charme des ehemaligen Fabrikgebäudes vor allem eines: Raum für kreatives Denken. Der Ort wurde für die Veranstaltung mit Bedacht ausgewählt, denn an Kreativität wird den Teilnehmenden in diesem Jahr viel abverlangt. „Digital Changemaking“ lautet das Schlagwort, dem der Sustainable Business Summit dieses Mal einen Rahmen bietet. Nur einen Tag lang haben die Studierenden Zeit, um in Kleingruppen Lösungs­konzepte für soziale und umweltbezogene Probleme zu erarbeiten.

Sieben Unternehmen und NGOs, dar­unter KPMG, Sennheiser, Henkel sowie der WWF, hatten im Vorfeld sieben unterschiedliche „Challenges“ konzipiert, an deren Lösung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten. Bei jeder „Challenge“ geht es darum, bislang ungelösten betrieblichen Herausforderungen zu begegnen. Die vom Elektronik-Hersteller Sennheiser beauftragte Gruppe hat beispielsweise den Auftrag erhalten, sich intensiv Gedanken zum Thema „Sicherheit am Arbeits­platz“ zu machen. Konkret sollen sich die fünf Gruppen­mitglieder überlegen, wie digitale Lösungen dazu beitragen können, Unfälle und Störfälle einfach zu melden. Denn gelegentlich kommt es vor, dass Angestellte des Unternehmens kleinere Unfälle und Pannen aus Scheu vor dem mit einer Meldung verbundenen bürokratischem Aufwand verschweigen, obwohl sie eigentlich dazu verpflichtet wären, entsprechende Vorfälle zu melden.

„Ich habe mich speziell für diese Challenge entschieden, weil ich es enorm wichtig finde, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen sicheren Arbeits­platz zu bieten“, sagt Mark Jakobs, der BWL auf Bachelor studiert. Nach einem ganzen Tag des Tüftelns und Grübelns haben er und die weiteren vier Mitglieder der Sennheiser-Gruppe folgende Lösung parat: Ein Online-Tool, das die bisher notwendigen Papierformulare ersetzt – und dieses soll möglichst nutzer­freundlich gestaltet sein. Fertige Textbausteine sollen etwa dazu dienen, die Meldedauer von Unfällen zu verkürzen. Zudem soll das Tool in Intranet und der Kantinen-App integriert werden, um den Nutzern die Installation des Programms zu ersparen. Christian Schulz, Supply Chain Analyst bei der Firma Sennheiser, ist von der Idee seiner Gruppe begeistert: „Ich finde es toll, dass junge Leute freiwillig einen Tag lang so hart arbeiten und dann auch noch so tolle Ergebnisse liefern. Ich werde die Idee auf jeden Fall bei der nächsten Teamsitzung vorstellen.“

Für alle Gruppen gilt es am Ende der Veranstaltung noch einmal alles zu geben, denn die Resultate der unterschiedlichen „Challenges“ sollen vor einer Jury von Experten präsentiert werden. Bevor der lange und anstrengende Tag zu Ende geht, macht sich daher noch einmal Spannung unter den Teilnehmenden breit. Einige Gruppen haben es in der kurzen Zeit sogar geschafft, ihren Kurzvortrag mit Power-Point-Folien auszugestalten oder eine kurze Schauspieleinlage einzustudieren. Für ihre praktikable und durchdachte Idee kürt die Jury die Sennheiser-Gruppe schließlich zum Sieger. Auch das vom WWF beauftragte Team konnte gleichermaßen überzeugen. Die Siegerteams müssen sich den ersten Platz also teilen. Das tut der Freude der beiden Gewinnerteams jedoch keinen Abbruch. Zufrieden, aber auch erschöpft, steigen sie in den Bus zurück nach Mannheim.


Sustainable Business Summit am 29.-30. März 2019

Beim nächsten Sustainable Business Summit am 29. und 30. März 2019 im Fuchs-Petrolub-Festsaal der Universität Mannheim dreht sich alles um die Sustainable Food Industrie. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.