Die weltweiten Jugenddelegierten mit dem UN-Generalsekretär. / Foto: Josephine Hebling

Die Stimme der Jugend

Als Jugenddelegierte der Vereinten Nationen repräsentiert die Mannheimer Politik-Studentin Josephine Hebling die deutschen Kinder und Jugendlichen bei der UN-Generalversammlung in New York. In einer Rede vor UN-Generalsekretär António Guterres im Oktober forderte sie als Vertreterin der weltweiten Jugend Politiker dazu auf, sich mehr für Jugenddelegierten­programme und den Umweltschutz einzusetzen.

Der Jugend eine Stimme verleihen – das war Josephine Heblings Anliegen, als sie sich für das Amt der UN-Jugenddelegierten bewarb. Nach ihrem Amtsantritt im April 2019 reiste die 19-Jährige daher zunächst sechs Monate mit ihrem Kollegen, dem zweiten deutschen Jugenddelegierten Nikolas Karanikolas, durch Deutschland, um die Meinungen, Sorgen und Forderungen junger Menschen einzusammeln. Im Oktober 2019 brachten beide diese Forderungen in einer Rede vor der UN-Generalversammlung in New York vor. „Neben dem Recht auf Beteiligung und Bildung ging es auch um breitere Themen wie Umwelt, Konfliktprävention und Frieden“, berichtet Hebling, die Politik­wissenschaften und Anglistik an der Universität Mannheim studiert. „Jugendliche können von der UN in jedes Thema miteinbezogen werden, weil sie die Zukunft sind und mit diesen Entscheidungen langfristig umgehen müssen.“

Ihre Erlebnisse in New York beschreibt die Politik-Studentin als überwältigend. Insbesondere ihre Rede vor UN-Generalsekretär António Guterres, in der sie alle UN-Mitgliedstaaten aufforderte, Jugenddelegierten­programme umzusetzen und mehr Aktionismus von Weltpolitikern im Bereich Umweltschutz einforderte, habe bei ihr bleibenden Eindruck hinterlassen: „Es war das Größte für mich, die Jugend weltweit vertreten zu dürfen. Vor dem UN-Generalsekretär zu stehen und ihm unsere Forderungen mitgeben zu können, war ein unglaubliches Gefühl.“ Ein weiteres Highlight sei für sie die Teilnahme an Verhandlungen gewesen, in denen über die neue Jugendresolution debattiert wurde. Auch wenn nicht alle Forderungen der deutschen Jugend Eingang in die endgültige Resolution gefunden hätten, sei es für sie ein Erfolg, dass sie die Themen in den Verhandlungs­prozess einbringen konnte und diese von den Diplomaten diskutiert wurden. Insgesamt ist Hebling mit dem Ergebnis zufrieden. „Es hat mich ermutigt zu sehen, wie viele Vorschläge umgesetzt wurden“, resümiert sie. „Es hat sich einiges verändert.“ Beispielsweise war es die Initiative der deutschen Jugenddelegierten, eine Jugendpartizipation in allen Staaten umzusetzen.

Nicht nur etwas für sich selbst zu tun, sondern immer auch etwas für andere – diesen Drang entwickelte Josephine Hebling schon früh. Bereits mit 13 Jahren engagierte sie sich in ihrer Heimatstadt Freiburg für Kinderrechte, durfte in diesem Zuge bereits schon zur UN nach Genf reisen. Außerdem war sie mehrere Jahre Kinder- und Jugendbeirätin des Deutschen Kinderhilfswerks. „Ich habe gemerkt, dass es sehr viele Entscheidungen gibt, die mich betreffen, bei denen ich aber nicht mitentscheiden kann. Es brennt mir unter den Nägeln, das zu ändern“, erklärt die Studentin ihre Motivation. Wie sehr dieses Engagement wertgeschätzt wird, durfte Hebling bereits diesen November erfahren. Vom Deutschen Zentrum für Märchenkultur erhielt die 19-Jährige als bisher jüngste Preisträgerin die „Goldene Erbse“, einen Preis für beispielhafte Heldinnen und Helden des Sozialengagements. „Neben mir wurden auch Samuel Koch, Ruth Bader Ginsburg und Esther Bejarano ausgezeichnet. Ich konnte kaum fassen, dass auch ich unter den Preisträgern bin. Das ist eine große Ehre“, so Hebling.

Eine weitere Reise nach New York zur Sozial­entwicklungs­kommission steht der Jugenddelegierten im Frühjahr 2020 noch bevor. Dann endet Josephine Heblings Amtsperiode nach insgesamt einem Jahr. Länger könne man das straffe Programm auch nicht durchziehen, meint die Halbamerikanerin. Hospitationen beim Auswärtigen Amt und dem Bundes­ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Deutschland­tour, diverse Fernsehauftritte und Interviews, zwei Reisen nach New York – da bleibe kaum Zeit fürs Studium. „Ich investiere im Moment meine gesamte Energie in meine Aufgabe als Jugenddelegierte, um das Jahr so gut wie möglich zu nutzen. Da muss man darauf achten, dass man das Studium gleichzeitig mit dem Ehrenamt bewältigen kann“, sagt Hebling. „Nächstes Jahr möchte ich mich wieder stärker aufs Studium konzentrieren.“ Sich nebenbei engagieren, das will Hebling jedoch weiterhin. Es sei nicht nur ein guter Ausgleich, sondern helfe ihr auch, die Inhalte im Studium besser zu verstehen. „Sich zu engagieren nimmt natürlich viel Zeit in Anspruch, aber durch den Praxisbezug wird auch die Theorie im Studium deutlich spannender.“

Insgesamt sei ihre Zeit als Jugenddelegierte auch für ihre persönliche Entwicklung eine wertvolle Erfahrung gewesen. „Man wird viel selbstbewusster, lernt sich zu präsentieren, mit den Medien umzugehen und vor der Öffentlichkeit zu sprechen“, so Hebling. „Ich würde aber nicht sagen, dass ich mich verändert habe. Vielmehr bin ich mehr zu der Person geworden, die ich bin, und habe mehr Möglichkeiten, meine Persönlichkeit zu zeigen.“ Auch in Zukunft möchte Hebling anderen ein Vorbild sein. Daher kann man auch nach ihrer Zeit als Jugenddelegierte sicher noch Einiges von ihr erwarten.

Text: Elena Koch / Januar 2020