Foto: Norbert Bach / Gestaltung: uc graphic

Willkommen an der Universität Mannheim

Prof. Dr. Andreas Witt
Professur für Computational Humanities and Text Technologies

Der Linguist Andreas Witt erforscht, wie Sprachdaten aufbereitet, ausgetauscht und anderen wissenschaft­lichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden können. Als Leiter des Bereichs „Forschungs­infrastrukturen“ am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) beschäftigt er sich mit der Aufbereitung von Sprachdaten, Standardisierung von Formaten sowie mit ethischen und juristischen Aspekten: Was darf man eigentlich mit Sprachdaten machen, wie darf man sie sammeln? Schließlich können Sprachforscher nicht einfach in die Straßenbahn einsteigen und die Menschen per Mikro abhören. „Forschung zu digitalen Infrastrukturen ist ein relativ junger Bereich der Sprach­wissenschaft. Verbindungen und Strukturen müssen hier erst geschaffen, Schnittpunkte etwa zu Korpuslinguistik erstellt werden“, sagt Witt. Nicht ganz neu für den Linguisten ist die Quadratestadt: Er forschte beinahe acht Jahre in Mannheim und hat die Verbindung zum IDS und zur Universität seit seinem Wechsel nach Köln 2017 nie verloren. Sein langfristiges Ziel ist es, seine Arbeit in europäische Strukturen einzubinden und international sichtbar zu machen. In der Universitäts­lehre möchte er die Nutzung von Sprachverarbeitungs­programmen und die Programmier­fähigkeiten der Studierenden stärken.

Prof. Dr. Oliver Spalt
Professur für ABWL, Finanzwirtschaft und Finanz­markt­institutionen

Vom Nobelpreisträger Daniel Kahnemann wissen wir, dass Entscheidungen oft nicht rational getroffen werden. Vielfach folgen sie einfachen Heuristiken – und sind deshalb systematisch fehlerbehaftet. Der Finanz­wissenschaft­ler Oliver Spalt geht in seiner Forschung der Frage nach, wie Entscheidungen speziell auf dem Gebiet der Finanzen getroffen werden – etwa von institutionellen Investoren, Firmenlenkern oder Kleinanlegern. Warum kaufen Vorstandsvorsitzende beispielsweise kleine, gehypte Firmen, bezahlen viel zu viel für diese und verlieren letztendlich Geld? Und warum passieren solche Fehler immer wieder – trotz teuer erkaufter Berater? Da Entscheidungen überall wichtig sind, hat der Finanz­wissenschaft­ler eine breite Forschungs­agenda: Zurzeit erforscht er, welche Rolle es für institutionelle Investoren spielt, wenn das Top­management einer Firma divers ist. Seine Ergebnisse zeigen, dass wichtige Institutionen auf Aktienmärkten Firmen mit diversem Management systematisch weniger zutrauen als anderen Firmen. In seinen künftigen Seminaren möchte sich der gebürtige Esslinger der Frage widmen, inwieweit Ökonomie die Moral in einer Gesellschaft beeinflusst. „Ich freue mich darauf, mit motivierten und intelligenten Menschen über diese Themen zu diskutieren und gemeinsam nach Antworten zu suchen“, so Spalt, der in der Vergangenheit mehr als zehn Preise für exzellente Lehre in Master- und Doktoranden­kursen bekommen hat.

Prof. Dr. Reinhard Pollak
Professur für Soziologie

Im Vergleich zu ihren Eltern haben viele Menschen in Deutschland einen sozialen Aufstieg erlebt. Das trifft jedoch nicht auf alle zu: In Ostdeutschland sieht die Situation lange nicht so gut aus wie in Westdeutschland. Dort gibt es – zumindest für Männer – etwa gleich viele Abstiege wie Aufstiege. Woran liegt das? Warum haben Menschen unterschiedliche Chancen? Und welche Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Ländern? Historisch und international vergleichende Ungleichheitsforschung ist Schwerpunkt der Arbeit von Reinhard Pollak, der seit September die Professur für Soziologie an der Universität Mannheim innehat, verbunden mit der Leitung der Abteilung „Dauerbeobachtung der Gesellschaft“ am GESIS – Leibniz-Institut für Sozial­wissenschaften in Mannheim. Sein weiteres großes Thema ist lebenslanges Lernen und Veränderungen in der Arbeits­welt: Was passiert mit älteren Menschen, die nicht in der Lage sind, mit der Digitalisierung in der Arbeits­welt Schritt zu halten? Wie sehen ihre Chancen auf dem Arbeits­markt aus? Das erforscht er im Rahmen eines international vergleichenden EU-Projekts. „Ich reue mich darauf, die Studierenden in Mannheim für die international vergleichende Ungleichheitsforschung zu begeistern“, sagt Pollak. Als ehemaliger Mannheimer Student, Doktorand und MZES-Mitarbeiter kennt er sich mit den Strukturen der Mannheimer Sozial­wissenschaften aus. Künftig möchte er den Austausch zwischen der Fakultät für Sozial­wissenschaften und ihren Partnern MZES und GESIS weiter fördern.

Texte: Yvonne Kaul / Oktober 2019