Auf zahlreichen Tagungen und Events präsentiert die Universität ihre Forschungs­ergebnisse zum Thema Big Data / Foto: Gerhard Kopatz

Teilhaben an der Welt der Daten

Big Data, Datensammelwut, Datenschutz – jeder spricht darüber. Aber wofür können die vielen Daten, die in der digitalisierten Welt anfallen und gesammelt werden, genutzt werden? In zahlreichen Tagungen und Events gibt die Universität Mannheim ihre Forschungs­ergebnisse an die Öffentlichkeit weiter.

An der Universität Mannheim wird fakultäts­übergreifend zu Big Data geforscht. Die Ergebnisse stehen nicht nur einem universitären Kreis offen, sondern richten sich auch an diejenigen, die praktisch im Berufsleben mit Fragen der Datenverarbeitung und -nutzung beschäftigt sind. Ein Beispiel hierfür ist das vom Europäischen Sozialfonds und dem baden-württembergischen Wissenschafts­ministerium geförderte Projekt „Data Literacy und Data Science für den Mittelstand“. Neun Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg – dar­unter die Universität Mannheim – haben sich zusammengeschlossen, um speziell für mittelständische Unternehmen Schulungs- und Qualifizierungs­angebote zu entwickeln, damit diese große Datenmengen besser nutzen können.

„Es wurden bisher vor allem Studien­gänge in Data Science eingerichtet, auch einzelne große Unternehmen bilden ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich weiter. Für kleine und mittlere Unternehmen fehlen aktuell maßgeschneiderte Programme, die explizit auf deren Bedarf eingehen“, erklärt der Informatikprofessor Dr. Heiner Stuckenschmidt, der das Projekt an der Universität Mannheim koordiniert. Die von der Universität Mannheim entwickelten Schulungen sollen die Unternehmen vor allem bei zwei Herausforderungen unterstützen: zum einen bei der Vorhersage für die Nachfrage nach verderblichen Gütern, zum anderen bei der automatischen Analyse von Kunden­meinungen.

Die Bedarfsplanung frischer Lebensmittel ist ein tägliches Problem vieler mittelständischer Bäckereien und Lebensmitteleinzelhändler. Der Grund hierfür sind unter anderem starke saisonale Einflüsse und kurze Haltbarkeit. Das aus der Universität Mannheim hervorgegangene Unternehmen OPAL hat eine Software entwickelt, die eine automatisierte Disponierung täglicher Bestellmengen von Bäckereiartikeln erlaubt, und unter Markt­bedingungen erfolgreich eingesetzt hat. Zur Steuerung und Planung des Produktions- und Bestellprozesses werden Daten gesammelt und dem Management zur Auswertung bereitgestellt.

Auch die automatische Analyse von Kunden­meinungen ist ein Thema, mit dem viele kleine und mittelständische Unternehmen konfrontiert sind. Gerade für sie sind die Rückmeldungen von Kunden wichtig, um einen festen Kunden­stamm aufzubauen und zu halten. Kleine und mittlere Unternehmen haben allerdings oft nicht die Ressourcen, um die Kommunikation der Kunden, die oft über Foren oder soziale Medien wie Facebook oder Twitter läuft, flächendeckend zu beobachten und auszuwerten. „Hier können Methoden der automatischen Textanalyse helfen, um elektronische Kommunikation daraufhin zu untersuchen, welche Aspekte eines Produktes oder einer Dienstleistung diskutiert werden und welche Meinung die Kunden über diese Aspekte haben“, sagt Stuckenschmidt. Erste Weiterbildungs­angebote der beteiligten Universitäten sollen noch in diesem Jahr starten.

Veranstaltungen an der Universität zum Thema Big Data

Global Women in Data Science
Jedes Frühjahr findet ein weltweiter Aktions­tag statt, bei dem ausschließlich Frauen Daten-Themen präsentieren. Als Gäste sind auch Männer herzlich willkommen. Die nächste zentrale Veranstaltung findet am 2. März 2020 an der Stanford University statt. In der Folge gibt es rund 150 regionale Veranstaltungen weltweit, dar­unter auch an der Universität Mannheim. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Tagung Big Data Experten
Die Veranstaltung „Connect@IPSDS“, organisiert vom International Program in Survey and Data Science (IPSDS), bringt jedes Jahr ausgewiesene Big Data-Experten an der Universität Mannheim zusammen. Die nächste Veranstaltung findet im Sommer 2020 statt. Studierende, junge Berufstätige, Forscherinnen, Praktiker und Interessierte aus Wissenschaft, Industrie, Politik und Non-Profit sind herzlich eingeladen zum Networking und Informations­austausch im Bereich Umfrageforschung und Data Science.

DataFest
Alle zwei Jahre findet an der Universität Mannheim das DataFest Germany statt. Bei dem Wettbewerb werden in interdisziplinären Teams große Datenmengen bearbeitet und ausgewertet. Die realen Daten werden von einem Unternehmen zur Verfügung gestellt, so dass ganz praktisch Anwendungs­beispiele im Bereich Datenanalyse und Visualisierung erarbeitet werden können. Das DataFest 2020 findet in München statt. 2021 ist die Universität Mannheim wieder Gastgeberin.

digilog im Dialog
Im Rahmen des vom Land geförderten Forschungs­verbunds „Gesellschaft im Digitalen Wandel“, der an der Universität Mannheim angesiedelt ist, sind unter dem Namen „digilog im Dialog“ Ausstellungen, Diskussions­veranstaltungen und Vortragsreihen geplant, um die dort verankerten Forschungs­themen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wie transparent Algorithmen sein müssen oder welche Verantwortung Plattformen wie Amazon haben, wenn sie Kunden Vorschläge machen. Die genauen Termine werden noch bekannt gegeben.

Text: Katja Bauer / Oktober 2019