Foto: Norbert Bach / Gestaltung: uc graphic

Curt-Sandig-Haus erhält neuen Namen

Die an der Universität Mannheim angesiedelte Bumiller-Raab-Haus gGmbH hat das Curt-Sandig-Haus, ein von der Gesellschaft betriebenes Studierenden­wohnheim, in „Bumiller-Raab-Haus“ umbenannt. Grund für die Namensänderung ist eine studentische Abschlussarbeit aus dem Jahr 2018, die den Lebenslauf des Namensgebers und ehemaligen Rektors der Wirtschafts­hochschule und späteren Universität Mannheim, Curt Sandig, systematisch aufarbeitet. Die Er­kenntnisse der Arbeit machen das problematische Verhältnis Curt Sandigs zum Nationalsozialismus deutlich, der offensichtlich mehr als nur oberflächlich mit der NS-Ideologie sympathisierte und als Hochschul­lehrer vergleichsweise stark belastet war. Nicht nur trat Sandig kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 der SA und dem Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund bei und unterzeichnete das „Be­kenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“. Auch Sandigs wissenschaft­liche Arbeit während der 1930er Jahre war stark von der nationalsozialistischen Ideologie beeinflusst. Als Hochschul­lehrer legte er mehr als das übliche Maß an Anpassungs­bereitschaft an den Tag.

Obwohl sich Curt Sandig als „Mitläufer der Demokratie“ in der Nachkriegszeit den demokratisch legitimierten Institutionen gegenüber loyal verhielt und sein Handeln von den Interessen der Universität Mannheim und ihrer Studierenden leiten ließ, machen die neuen Er­kenntnisse deutlich, dass er aufgrund seiner moralischen Belastung als Namensgeber eines Wohnheims und somit als Vorbild für Studierende nicht geeignet ist. Da im Dezember 2018 auch die ehemalige Dr.-Kurt-Hamann-Stiftung aufgrund der Beteiligung ihres Namensgebers an nationalsozialistischem Unrecht umbenannt worden war, prüft die Universität Mannheim derzeit sämtliche Biografien potenziell historisch belasteter Ehrenträger und Rektoren aus der Vergangenheit.

Text: Linda Schädler / Oktober 2019