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EU-Förderung für Mannheimer Wirtschafts­wissenschaft­ler Christoph Rothe

Pressemitteilung vom 18. Dezember 2017
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Der Mannheimer Statistik-Experte Professor Christoph Rothe hat einen Consolidator Grant des Europäischen Forschungs­rates (ERC) in Höhe von 880.000 Euro erhalten. In seinem Projekt entwickelt er ein optimiertes Modell der so genannten Regressions-Diskontinuitäts-Analyse, einer neuen Methode der empirischen Wirtschafts­wissenschaften.

Viele staatliche Gesetze und Regulierungen sind so konzipiert, dass an einer bestimmten Schwelle eine Änderung greift: Wer beispielsweise mehr als 450 Euro verdient, ist voll versicherungs- und steuerpflichtig. Die Arbeits­losen­unterstützung steht Menschen zu, die eine bestimmte Zahl von Arbeits­stunden in der Woche nicht überschreiten. Und ein festgelegter numerus clausus entscheidet, ob jemand einen Studien­platz bekommt oder nicht. Die so genannte Regressions-Diskontinuitäts-Analyse setzt genau an solchen Schwellen an und ermöglicht es, Bewerber und Kandidaten zu vergleichen, die knapp über oder unter dieser Grenze liegen. Über solche Vergleiche lassen sich folglich kausale Aussagen erstellen, etwa darüber, wie sich der Bezug von Arbeits­losen­unterstützung auf die Dauer der Arbeits­losigkeit auswirkt.

Diese neue Methode der empirischen Wirtschafts­wissenschaften ist erst in den vergangenen 15 Jahren systematisch entwickelt worden. Inzwischen wird sie eines der am häufigsten verwendeten Instrumente der empirischen Wirtschafts­forschung – vor allem, wenn man kausale Zusammenhänge erforschen will, aber nicht experimentieren kann. Für die Weiter­entwicklung und Optimierung dieser Methode hat der Mannheimer Wirtschafts­wissenschaft­ler Christoph Rothe einen Consolidator Grant des Europäischen Forschungs­rates (ERC) in Höhe von 880.000 Euro bekommen. Mit Hilfe der ERC-Förderung will er in den kommenden vier Jahren die Regressions-Diskontinuitäts-Analyse verbessern, erweitern und ihre Anwendungs­möglichkeiten stärker ausweiten. Immer häufiger haben Forscher in den Sozial­wissenschaften beispielsweise mit massiven Datensätzen zu tun, die mehrere Tausend Variablen umfassen. Ein weiteres Problem sind nicht exakte Daten, die von Antragsstellern häufig so hingebogen werden, dass sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. „Mein Ziel ist es, die theoretische Forschung so voranzutreiben, dass Empiriker die Technik sinnvoll nutzen können, insbesondere bei komplexen Themengebieten“, sagt der 36-Jährige Wissenschaft­ler an der Fakultät für Volkswirtschafts­lehre.

Der Rektor der Universität Mannheim, Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden, gratulierte Professor Rothe zu seinem Erfolg: „Wir freuen uns über die ERC-Förderung für einen weiteren Wissenschaft­ler unserer Universität. In den vergangenen sechs Jahren hat die Mannheimer VWL Fakultät insgesamt fünf ERC-Grants erhalten. Die Preise machen deutlich, dass die Universität Mannheim in den Wirtschafts­wissenschaften zu den besten Forschungs­einrichtungen in Europa gehört“.

Zu Christoph Rothe
Seit Juli 2017 ist Christoph Rothe Professor für Statistik an der Fakultät für Volkswirtschafts­lehre der Universität Mannheim. Der Wirtschafts­experte tauschte Manhattan gegen Mannheim und kam nach Professuren in Toulouse und an der New Yorker Columbia University zurück nach Deutschland. Rothes Schwerpunkt ist die Ökonometrie – ein Teilgebiet der Wirtschafts­wissenschaften, das die ökonomische Theorie sowie mathematische Methoden und statistische Daten zusammenführt.
Ausgewählte Stationen:
2012 – 2017: Assistant Professor an der Columbia University, New York, USA
2009 – 2012: Assistant Professor an der Toulouse School of Economics, Frankreich
2009: Promotion an der Universität Mannheim

Über den ERC Consolidator Grant
Jedes Jahr wählt der European Research Council (ERC) der Europäischen Union die vielversprechendsten Forschungs­projekte aus, um sie mit einem Consolidator Grant zu fördern. Die Preise richten sich an exzellente Wissenschaft­ler/innen, deren Promotion zwischen sieben und zwölf Jahre zurückliegt. Die individuelle Förderung kann bis zu zwei Millionen Euro betragen. Insgesamt hat der ERC in dieser Runde 630 Millionen Euro an 329 Preisträger ausgeschüttet.

Weitere Informationen
https://erc.europa.eu/news/erc-2017-consolidator-grants-results

Kontakt
Prof. Christoph Rothe
Fakultät für Volkswirtschafts­lehre
Universität Mannheim
Tel. 0621 181–1921
E-Mail: rothe vwl.uni-mannheim.de

Katja Bär
Leiterin Kommunikation und Fundraising
Pressesprecherin
Universität Mannheim
Tel. +49 (0) 621 / 181–1013
E-Mail: baer uni-mannheim.de