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Mehrsprachigkeit: Wie ändert sich Sprache durchs Sprechen?

DFG bewilligt neue Forschergruppe, die grammatische Innovation im Sprachkontakt bilingualer Sprecherinnen und Sprecher erforscht.

Pressemitteilung vom 20. Dezember 2017
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Der Mehrsprachigkeit widmet sich eine von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) neu bewilligte Forschergruppe. Unter dem Titel „Grammatische Dynamiken im Sprachkontakt: ein komparativer Ansatz“ arbeiten acht verschiedene linguistische Einzel­projekte an der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Stuttgart, dem Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprach­wissenschaft (ZAS), der Technischen Universität Kaiserslautern und der Universität Mannheim in den kommenden drei Jahren zusammen. Die Forscherinnen und Forscher wollen den Sprachgebrauch bilingualer Sprecherinnen und Sprecher mit Migrations­hintergrund, sogenannter „Heritage Speakers“, analysieren – in ihren beiden Sprachen, also der Heritage- und der Majoritätssprache, in formellen und informellen, geschriebenen und gesprochenen Kommunikations­situationen – und auf diese Weise zu Theorien des Sprachkontakts und der Sprachvariation beitragen.                                               

Beteiligt sind zwei international führende Expertinnen aus den USA und Kanada als „Mercator Fellows“: Prof. Maria Polinsky von der University of Maryland und Prof. Shana Poplack von der University of Ottawa. Die zentrale Forschungs­frage ist, wie sich die Herkunftssprachen Türkisch, Russisch und Griechisch in den USA und in Deutschland im Kontakt mit den Majoritätssprachen Englisch und Deutsch entwickeln und ihrerseits die Majoritätssprachen beeinflussen. „Wir erwarten neue Er­kenntnisse zur besonderen Dynamik von Sprachvariation, Sprachwandel und sprachlichen Repertoires in Kontaktsituationen“, sagt die Sprecherin der Forschergruppe, Prof. Dr. Heike Wiese von der Universität Potsdam.

Das Mannheimer Teil­projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Rosemarie Tracy (Anglistische Linguistik) geht der Frage nach, wie sich das Deutsche als Minoritätssprache in den USA und in Namibia im Kontakt mit dem Englischen verändert. Das Projekt vergleicht neu zu erhebende Daten von Sprecherinnen und Sprechern der zweiten Auswanderergeneration mit den sprachlichen Repertoires von deutschen Emigrantinnen und Emigranten der ersten Generation, die bereits im Rahmen eines früheren DFG-Projekts erhoben wurden. Schon aus den bereits erhobenen Daten lassen sich deutliche Veränderungen in der Heritagesprache durch den langjährigen Kontakt mit der Majoritätssprache Englisch feststellen. Beispiele hierfür sind der Verzicht auf Reflexivpronomen („Ich fühle nicht gut“) und die vom Standard­deutschen und Herkunftsdialekten abweichende Verwendung von Konjunktionen („Wenn ich ein kleines Mädchen war“). In Quer- und Längsschnitt­studien bei mehrsprachigen Kindern, die mit Englisch und Deutsch als „doppelten“ Erstsprachen aufwachsen, vergleicht das Teil­projekt außerdem die grammatischen Eigenschaften des Deutschen als Heritage-Sprache. So soll auch der Frage nachgegangen werden, welche Sprecher (mehrsprachige Kinder, Jugendliche oder Erwachsene) für unterschiedliche Typen von Innovationen verantwortlich sind.  

Kontakt:

Katja Bär
Leiterin Kommunikation und Fundraising
Pressesprecherin
Universität Mannheim
Tel. +49 (0) 621 / 181-1013
E-Mail: baer@uni-mannheim.de