Divide et impera – Spalte die Gruppe und beherrsche sie besser?

- Melisa Yurdakul –

Führungs­personen verhindern manchmal, dass sich talentierte MitarbeiterInnen mit ihrer Gruppe vernetzen, um ihre eigene Machtposition zu wahren.

Teamwork, Kooperation und Zusammenhalt spielen im beruflichen Kontext eine zunehmend wichtige Rolle. Der Erfolg vieler Gruppen hängt davon ab, wie gut einzelne Mitglieder zusammenarbeiten und ihre Handlungen koordinieren. Führungs­kräfte sollten demnach ein Interesse daran haben, diese positiven Gruppen­prozesse zwischen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fördern.

Jedoch scheint der Zusammenhalt einer Gruppe für Führungs­personen auch Nachteile mit sich bringen zu können. Ein Beispiel hierfür findet sich im Tierreich bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen. Die Ranghöchsten in der Hierarchie, die sogenannten Alpha-Tiere, versuchen in bestimmten Situationen Bindungen zwischen dem Beta-Tier und anderen Gruppen­mitgliedern zu verhindern, um ihre eigene Machtposition nicht zu gefährden.

Finden sich ähnliche Verhaltensweisen auch bei Menschen? Kann es beispielsweise Situationen am Arbeits­platz geben, in denen Führungs­kräfte versuchen, Kooperationen und Bindungen zwischen Gruppen­mitgliedern zu verhindern? Da Macht viele persönliche Vorteile mit sich bringt, könnten sich Führungs­personen mehr Sorgen um ihre Position als um das Erreichen von Gruppen­zielen machen. Diesen Fragen sind Charleen Case und Jon Maner in mehreren Experimenten nachgegangen.

In einem dieser Experimente wurde den Teilnehmenden gesagt, dass sie bei einer gemeinschaft­lichen, virtuellen Gruppen­aufgabe die Führungs­rolle übernehmen werden. Ihnen wurde ebenfalls gesagt, dass eines der vermeintlich anderen Gruppen­mitglieder (die nicht existierten) für die zu bearbeitende Aufgabe besonders qualifiziert sei. Die Teilnehmenden durften dann, als Teil ihrer Führungs­aufgabe, entscheiden, ob die anderen Gruppen­mitglieder die virtuelle Aufgabe gemeinsam oder räumlich getrennt voneinander bearbeiten sollten. Dabei wurden alle Teilnehmenden darauf hingewiesen, dass gemeinsames Arbeiten die Leistung steigern würde.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Entscheidung der Teilnehmenden über die Bearbeitung der Aufgabe davon abhing, ob sie in ihrer Führungs­rolle nach Dominanz strebten und für wie gesichert sie ihre Position hielten. Die dominanz­orientierten Teilnehmenden, die unsicher waren, ob sie ihre Führungs­position beibehalten konnten, entschieden eher, dass das besonders begabte Gruppen­mitglied in einem getrennten Raum sitzen und nicht mit den restlichen Mitgliedern kommunizieren können sollte. Das qualifizierte Gruppen­mitglied wurde in diesem Fall eher durch die Führungs­kraft vom Rest der Gruppe isoliert, trotz der möglichen negativen Auswirkungen auf den Gruppen­erfolg.

Bei der Wahrung der eigenen Machtposition könnte es gewisse Parallelen im Verhalten von Alpha-Tieren und Führungs­personen geben. Dominanz­orientierte Führungs­personen, die besorgt um ihre Führungs­position sind, isolieren eventuell talentierte Gruppen­mitglieder vom Rest der Gruppe. Am Arbeits­platz ist es jedoch besonders destruktiv, wenn Führungs­kräfte die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe unterbinden. Da talentierte MitarbeiterInnen einen großen Beitrag zum Gruppen­erfolg leisten können, ist es fatal, wenn sie von den anderen ferngehalten werden. Führungs­kräfte sollten sich deshalb bewusst machen, dass ein solches Verhalten dem Gruppen­erfolg in manchen Fällen im Wege stehen kann.

Case, C. R., & Maner, J. K. (2014). Divide and conquer: when and why leaders undermine the cohesive fabric of their group. Journal of Personality and Social Psychology, 107, 1033-1050. doi: 10.1037/a0038201

Redaktion und Ansprech­partnerIn*: Mariela Jaffé*, Julia Engel

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