Donald Trump – mein Freund?

- Jasmin Kuhn -

Tweets können uns das Gefühl vermitteln, eine – uns eigentlich fremde – Person gut zu kennen und beeinflussen dadurch unsere Meinung von ihr.

Seit dem ersten Tweet am 21.06.2006 hat sich Twitter zu einem der weltweit größten sozialen Netzwerke entwickelt und zählte im Jahr 2019 bereits 326 Millionen Nutzer*innen. Einer der wohl bekanntesten Nutzer ist der derzeitige US-Präsident Donald Trump, der für seine stark umstrittenen Äußerungen bekannt ist. Dass seine Tweets nicht nur regelmäßig öffentliche Debatten auslösen, sondern auch die Einstellungen seiner Follower*innen ihm gegenüber unbewusst beeinflussen können, zeigte nun ein Forschungs­team um Elaine Paravati.

In einer ersten Studie des Forschungs­teams wurde die Hälfte der Teilnehmenden gebeten, sich zunächst mehrere Minuten lang mit Tweets von Donald Trump zu beschäftigen. Anschließend beantworteten sie Fragen zu ihrer aktuellen Einstellung gegenüber Trump sowie ihrer allgemeinen politischen Einstellung. Für die andere Hälfte der Teilnehmenden wurde die Reihenfolge umgekehrt: Sie gaben zuerst ihre Einstellung gegenüber Trump an und beschäftigten sich danach mit seinen Tweets. Die Ergebnisse zeigten, dass die Einstellung der Befragten gegenüber Trump nur dann durch seine Tweets beeinflusst wurde, wenn ihre politische Einstellung der von Trump ähnelte. Bei diesen Personen führte eine Beschäftigung mit Trumps Tweets zu einer positiveren Einstellung ihm gegenüber. Doch wie kommen diese Unterschiede zustande?

Die Forschenden vermuteten, dass sogenannte parasoziale Beziehungen als Erklärung für die gefundenen Ergebnisse in Frage kommen. Unter diesem Begriff versteht man einseitige Beziehungen zu bestimmten Medienfiguren, welche durch die Nutzung sozialer Netzwerke wie Twitter zustande kommen können. Durch die Beschäftigung mit den Tweets einer eigentlich fremden Person erhalte man scheinbar intime Informationen über deren Gedanken und Gefühle. Dadurch werde zum einen die ihr gegenüber empfundene Empathie gesteigert, zum anderen komme es auch zur fälschlichen Wahrnehmung, die jeweilige Person gut zu kennen. Folglich nahmen die Forschenden an, dass eine solche Beziehung auch die Einstellung gegenüber der jeweiligen Medienfigur positiv beeinflussen sollte, sofern eine gewisse Grundsympathie ihr gegenüber vorhanden sei. Bezüglich Trump wurde somit vermutet, dass nur solche Personen eine parasoziale Beziehung zu ihm aufbauen sollten, deren politische Einstellung der von Trump ähnelte.

Diese theoretischen Annahmen konnten durch eine zweite Studie gestützt werden: Eine intensivere Beschäftigung mit Trumps Tweets führte verstärkt zur Wahrnehmung einer parasozialen Beziehung mit ihm, was wiederum zu einer positiveren Einstellung ihm gegenüber beitrug – allerdings nur bei Personen mit einer ähnlichen politischen Einstellung wie Trump. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass eine solche Einstellungs­änderung meist ablief, ohne dass sich die Befragten dessen bewusst waren.

Der Gebrauch sozialer Netzwerke von einflussreichen Persönlichkeiten wird voraussichtlich auch in Zukunft noch weiter ansteigen. Beispielsweise teilte Donald Trump allein im Oktober 2019 mehr als 1000 Tweets mit seinen derzeit 70 Millionen Follower*innen. Um dieser zunehmenden Beeinflussung entgegenwirken zu können, ist es hilfreich zu verstehen, wie wir auf sozialen Netzwerken beeinflusst werden können, ohne es zu merken. Die vorliegenden Studien haben nun zumindest einen Weg der Beeinflussung aufgedeckt.

 

Paravati, E., Naidu, E., Gabriel, S., & Wiedemann, C. (2019). More than just a tweet: The unconscious impact of forming parasocial relations­hips through social media. Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice. dx.doi.org/10.1037/cns0000214

Redaktion und Ansprech­partnerin: Jennifer Eck

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