Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe...

- Johanna Fischer –

Das Hören von Liedern mit prosozialen Songtexten kann Aggressivität reduzieren.

Musik spielt für viele Menschen eine wichtige Rolle und bestimmte Lieder bilden gewissermaßen den Soundtrack zum eigenen Leben: die Ballade beim ersten Kuss, der Partyhit am 18. Geburtstag, der typische Urlaubssong zum Wohlfühlen… Dass Musik einen Einfluss auf unser Erleben und Befinden haben kann, ist intuitiv ersichtlich. Eine aktuelle Forschungs­arbeit liefert nun jedoch Hinweise, dass sie uns auch zu weniger aggressiven Menschen machen kann.

Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass das Hören von Liedern mit gewalttätigen Songtexten (relativ zu neutralen) aggressives Verhalten erhöhen kann. Tobias Greitemeyer, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Innsbruck, ging demgegenüber in seinen aktuellen Studien der Frage nach, ob „prosoziale“ Musik – das heißt, Lieder, deren Songtexte Freundlichkeit anderen Menschen gegenüber und ein friedliches Miteinander betonen – im Vergleich zu „neutraler“ Musik Aggressivität reduzieren kann.

Greitemeyers Versuchspersonen hörten entweder Songs mit prosozialen Texten (z. B. „Love generation“ von Bob Sinclair) oder Songs mit neutralen Texten (z. B. „Vertigo“ von U2). Nach dem Hören der Musik wurden aggressive Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen der ProbandInnen mit verschiedenen Verfahren erfasst.

Es zeigte sich unter anderem, dass Personen, die zuvor prosoziale Musik gehört hatten, Wortfragmente (z. B. „schla___“) mit weniger aggressivem Inhalt füllten (z. B. „schlafen“ vs. „schlagen“) und in einem Fragebogen weniger Feindseligkeit angaben als Personen, die neutrale Musik gehört hatten. Dieses Ergebnis lässt darauf schließen, dass Menschen weniger aggressive Gedanken und Gefühle hegen, wenn sie prosozialer Musik  ausgesetzt waren.

In einer weiteren Studie unter­suchte der Forscher die Aus­wirkungen des Musikhörens auf das konkrete, beobachtbare Verhalten von Personen und fand vergleichbare Ergebnisse. Die ProbandInnen wurden aufgefordert, einer Person, von der sie vor dem Musikhören beleidigt worden waren, eine sehr scharfe Chilisoße zu verabreichen. Die Teilnehmenden konnten dabei frei entscheiden, wie viel der scharfen Soße die andere Person zu sich nehmen musste. Personen der prosozialen Bedingung verabreichten deutlich weniger Chilisoße als Personen der neutralen Bedingung; sie verhielten sich also weniger aggressiv.

Die Ergebnisse zeigen demnach, dass Musik mit prosozialen Songtexten (relativ zu neutralen) aggressive Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen verringern kann.

So enthält eine Songtextzeile des Siegertitels beim Eurovision Song Contest von 1982 – „Ein bisschen Frieden“ – tatsächlich einen Funken aktueller wissenschaft­licher Er­kenntnis: „Sing mit mir ein kleines Lied, dass die Welt in Frieden lebt.“ Unter dem Blickwinkel praktischer Implikationen kann es also durchaus wünschenswert sein, dass sich Songs wie dieser massenhaft verkaufen.

Greitemeyer, T. (2011). Exposure to music with prosocial lyrics reduces aggression: First evidence and test of the underlying mechanism. Journal of Experimental Social Psychology, 47, 28–36.

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