Fördern, nicht überfordern heißt die Devise!

- Jana Schwick –

Zu hohe Ansprüche von Eltern an ihre Kinder können die Leistungen der Kinder senken.

Wer kennt es nicht aus der eigenen Schulzeit? Viele Eltern haben genaue Vorstellungen darüber, welche Leistungen ihre Kinder erbringen sollten. Im Allgemeinen ist zwar häufig ein positiver Zusammenhang zwischen elterlichen Ansprüchen und akademischer Leistung der Kinder gefunden worden – Doch was passiert, wenn die elterlichen Ansprüche unrealistisch hoch sind?

Dieser Frage ging ein Forschungs­team um Kou Murayama nach. Die Forschenden vermuteten, dass elterliche Ansprüche prinzipiell zwar förderlich seien, es aber zu Problemen kommen könne, wenn die Ansprüche der Eltern unrealistisch hoch sind.

Diese Annahmen wurden in zwei großangelegten Studien in Deutschland und den USA unter­sucht. Bei der Studie in Deutschland handelte es sich um eine Längsschnittstudie mit mehreren Befragungs­zeitpunkten, bei der insgesamt 3.530 SchülerInnen der 5. bis 9. Klasse und ihre Eltern befragt wurden. Die USA-Stichprobe bestand aus insgesamt 12.801 Teilnehmenden, deren Daten in der 10. und 12. Klasse erhoben wurden. In beiden Studien wurden die Aus­wirkungen der elterlichen Leistungs­wünsche und -erwartungen auf die Mathematikleistung der Kinder unter­sucht. Dafür gaben die Eltern zum einen an, welche Mathematiknote sie sich für ihre Kinder wünschen und zum anderen was sie glauben, welche Mathematiknote ihre Kinder erreichen können. Das Forschungs­team definierte zu hohe Ansprüche als Leistungs­wünsche oberhalb der zu erwartenden Leistung.

Wie bereits in zahlreichen Studien zuvor, zeigte sich auch in diesen Studien, dass höhere elterliche Erwartungen mit besseren Mathematikleistungen der Kinder einhergingen. Zudem zeigte sich jedoch auch, dass der Zusammenhang ins Negative abglitt, wenn die elterlichen Ansprüche zu hoch waren. Dieser Befund war unabhängig von Alter, Geschlecht und Intelligenz der Kinder, sowie vom Schultyp und sozial­ökonomischen Status der Familie. In umfassenden statistischen Analysen fanden die Forschenden zudem heraus, dass sich die elterlichen Ansprüche und die Leistungen der Kinder wechselseitig beeinflussen, das heißt auch bessere oder schlechtere Leistungen der Kinder ließen die elterlichen Wünsche steigen oder sinken. Allerdings scheinen die Aus­wirkungen der elterlichen Ansprüche auf die Leistungen der Kinder deutlich stärker zu sein als umgekehrt.

Danach erweisen sich elterliche Ansprüche an die Leistungen ihrer Kinder im Allgemeinen als förderlich. Problematisch wird es jedoch, wenn die Ansprüche unrealistisch hoch sind. Dies kann die Leistungen der Kinder sogar verschlechtern. Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass für eine genaue Aussage über die Wirkrichtung eines solchen Zusammenhangs ein Experiment durchgeführt werden müsste. Bis dahin gilt: Achten Sie darauf, dass Ihre Ansprüche die erwartbaren Leistungen Ihrer Kinder nicht zu sehr übersteigen.

Murayama, K., Pekrun, R., Suzuki, M., Marsh, H. W., & Lichtenfeld, S. (in press). Don’t aim too high for your kids: Parental overaspiration undermines students’ learning in mathematics.  Journal of Personality and Social Psychology. doi: dx.doi.org/10.1037/pspp0000079

Redaktion und Ansprech­partnerIn*: Christiane Schöl*, Judith Tonner

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