Fremde Einstellungen: Achtung, ansteckend!

- Alexandra Wiens, Laura Lai & Rina Heymann -

Beobachtete nonverbale Kommunikation kann unsere Einstellung gegenüber fremden Personen beeinflussen.

Stellen Sie sich vor: Sie wurden von einem guten Bekannten auf ein Bier im Freundeskreis eingeladen. Vom Gastgeber abgesehen kennen Sie niemanden der Anwesenden und doch merken Sie recht schnell, dass Ihnen manche sympathischer erscheinen als andere. Womöglich liegt es an deren Aussehen oder daran, ob Sie sich für denselben Fußballverein interessieren. Aber auch die nonverbale Kommunikation, wie Mimik, Gestik und Stimmlage, kann einen bedeutsamen Einfluss auf unsere Einstellungen gegenüber bekannten und unbekannten Menschen haben. Es ist nicht verwunderlich, dass diese oft eher unbemerkten Signale unserer Gegenüber uns in direkten Gesprächen beeinflussen können. Das Forschungs­team Allison Skinner und Sylvia Perry stellte sich allerdings die Frage, ob unsere Einstellungen sogar dann beeinflusst werden, wenn wir mit der Person gar nicht selbst interagieren.

Ihre Studien­reihe untersuchte, ob durch beobachtete positive oder negative nonverbale Signale gegenüber einer fremden Person entsprechende Einstellungen über sie gebildet werden. Hierbei wurde den Teilnehmenden ein kurzes (ca. 5-minütiges), stummes Video gezeigt. Darin zeigte eine Schauspielerin im Gespräch mit einer Person insgesamt entweder positive (z.B. freundliches Lächeln) oder negative Signale (z.B. abwertendes Kopfschütteln) ihr gegenüber. Nach dem Video wurde die Einstellung gegenüber der Person, auf die die Signale gerichtet waren, erfasst. So sollten die Teilnehmenden angeben, ob sie allgemein eher positive oder negative Emotionen der Person gegenüber empfinden, wie sie sich fühlen würden, wenn sie Zeit mit ihr verbrächten, und inwiefern sie ihr in verschiedenen Situationen helfen würden.

Es zeigte sich, dass Teilnehmende eine positivere Einstellung gegenüber der fremden Person entwickelten, wenn diese positive Signale – im Gegensatz zu negativen Signalen – erhielt. Spannend ist hierbei, dass die Teilnehmenden sich dem Grund ihrer Urteile häufig nicht bewusst waren. Sie gaben zum größten Teil an, das Verhalten der Person selbst sei ausschlaggebend dafür gewesen. Tatsächlich aber wurde in den Studien darauf geachtet, dass diese sich möglichst neutral verhielt.

Deutlich wird also, dass wir innerhalb kürzester Zeit Einstellungen gegenüber Menschen entwickeln können, ohne selbst mit ihnen in Kontakt treten zu müssen oder ohne sich dessen bewusst zu sein. Das zu wissen, kann bedeutsam für unseren Alltag sein. So könnten Sie womöglich positiv überrascht werden, wenn Sie vorschnell gebildete Einstellungen gegenüber den Gästen Ihres Bekannten überdenken und sich die Mühe machen, diese besser kennenzulernen. Lassen Sie sich also nicht unbemerkt von fremden Einstellungen anstecken!

 

Skinner, A. L. & Perry, S. (2019). Are attitudes contagious? Exposure to biased nonverbal signals can create novel social attitudes. Personality and Social Psychology Bulletin, 46(4), 514–524 . https://doi.org/10.1177/0146167219862616

Redaktion und Ansprech­partner*in¹: Janin Rössel¹, Thomas Dyllick

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