Gut gedacht und falsch gemacht: Wie Social Networking nicht funktioniert

- Amelie Pettrich –

Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl erhalten aufgrund ihrer verstärkt negativen Statusmeldungen oft nicht die soziale Anerkennung auf Facebook, die sie sich von ihren persönlichen Offenbarungen erhoffen.

“Wieso geht bei mir immer alles schief?“, „Ich will, dass diese Woche einfach zu Ende ist“. Schaut man in das soziale Netzwerk Facebook, liest man wie in einem offenen Buch. Für viele Menschen scheint es in dieser digitalen Welt um einiges einfacher zu sein als in der realen Welt, von sich und seinem emotionalen Innenleben zu erzählen. Dies ist zunächst nicht schlecht: Menschen, die gerne auch von sich erzählen, werden eher gemocht und führen stabilere Beziehungen. Der besondere Reiz, dies über Facebook zu tun, liegt darüber hinaus oftmals darin, dass man hier sein Innenleben offenlegen kann, ohne sich beispielsweise den direkten und eventuell verletzenden Reaktionen anderer aussetzen zu müssen. 

Dies stellt insbesondere für Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl einen großen Vorteil dar. Sie haben eher Schwierigkeiten, ihre Gedanken und Gefühle direkt zu kommunizieren und sehen daher in Facebook oftmals einen „sicheren Ort“ für die Offenbarung der eigenen Innenwelt. Doch sollten Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl nicht verstärkt negative Gedanken auf Facebook preisgeben? Und welche Konsequenzen könnte das auf die sozialen Beziehungen dieser Personen haben?

Diesen Fragen gingen die Forscherinnen Amanda Forest und Joanne Wood nach. Sie untersuchten Reaktionen von nahestehenden und fremden Personen auf positive und negative Enthüllungen von Menschen mit niedrigem Selbstbewusstsein auf Facebook. Dabei war ihre Überlegung, dass Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl zu negativen Statusmeldungen neigen. Diese sollten von nahestehenden Personen, welche die verstärkte Negativität gewohnt sind, weniger ernst genommen werden als positive Nachrichten. Bei Fremden sollte die Negativität sogar auf Ablehnung stoßen.

Um diese Annahmen zu prüfen, wurden in einer Studie mit einem Fragebogen das Selbstbewusstsein von Studierenden gemessen und ihre zehn letzten Facebook-Statusmeldungen erfragt. Diese wurden nach Positivität und Negativität eingestuft. Die soziale Anerkennung wurde anhand von Kommentaren und „Gefällt mir“-Klicks auf die Posts erfasst. Zusätzlich sollten Fremde bewerten, wie sympathisch ihnen die Schreibenden nur auf Grundlage ihrer Statusmeldungen waren. 

Es zeigte sich, dass Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl verstärkt zu negativen Statusmeldungen neigten. Dies führte bei Fremden zu weniger Sympathie für die betreffende Person. Doch auch bei FreundInnen blieb die soziale Anerkennung für Menschen mit niedrigem Selbstbewusstsein bei negativen Beiträgen aus. Dagegen wurde von ihnen für positive Beiträge sehr viele positive Kommentare und „Likes“  an diese Personen vergeben. Die Forscherinnen vermuteten, dass nahestehende Menschen versuchen, durch selektive Rückmeldungen die Schreibenden in einer positiven Sicht der Dinge zu unterstützen.

Es ist also wichtig, an wen man schreibt und was man schreibt. Selbstunsichere Menschen sollten in ihren Statusmeldungen verstärkt „Positive Thinking“ demonstrieren und negative Gedanken eher selten der Öffentlichkeit zugänglich machen. Auf diese Weise könnte Facebook tatsächlich eine Plattform sein, welche auch für Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl ein unterstützendes soziales Netzwerk schafft.

Forest, A. L. & Wood, J. V. (2012). When Social Networking Is Not Working: Individuals With Low Self-Esteem Recognize but Do Not Reap the Benefits of Self-Disclosure on Facebook. Psychological Science, 23(3), 295-302.

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