Mit Zedernholz und Zimt den Kalorien den Kampf ansagen

- Christina Nied -

Ein „warmer“ Umgebungs­geruch kann den Appetit auf ungesunde und kalorienreiche Snacks verringern.

Der Mensch ist ein gleichwarmes Säugetier: Ein Regulations­system aus Blutdruck, Schwitzen und Zittern sorgt dafür, Temperatur­unterschiede zur Umgebung auszugleichen. Dieser Ausgleich kostet jedoch Energie, die wir in Form von Nahrung aufnehmen müssen. Ca. 95% aller Menschen haben eine Körpertemperatur zwischen 35,7 bis 37,3 °C, sodass unser Appetit bei warmen Temperaturen (z. B. 25°C) eher verringert wird, da weniger Ausgleich im Vergleich zu kühleren Temperaturen (z. B. 8°C) stattfinden muss. Wir Menschen nehmen Temperaturen aber nicht objektiv wie ein Thermometer wahr, sondern subjektiv über verschiedene Sinne. Bisherige Forschung konnte bereits aufzeigen, dass unsere Nase dabei eine Rolle spielt. So empfinden wir unterschiedliche Gerüche als warm oder kalt. Ob sich diese Temperaturzuschreibungen ähnlich der tatsächlichen Umgebungs­temperatur auf unser Essverhalten auswirken, untersuchten die Forschenden Sarah Lefebvre und Dipayan Biswas.

Um den Gerüchen eine Temperaturempfindung zuzuordnen, wurde zunächst ein Vortest durchgeführt. Die Versuchspersonen konnten dabei verschiedene Gerüche wie Eukalyptus, Lavendel, Jasmin oder Zedernholz riechen und sollten diese auf einer Skala von sehr kalt bis sehr warm bewerten. Das Ergebnis: Gerüche wie Eukalyptus oder Lavendel wurden als kühler bewertet als beispielsweise Zedernholz oder Zimt.

In der ersten Studie, die in einem Optikergeschäft stattfand, wurden die Kunden entweder einem „warmen“ oder einem „kalten“ Geruch ausgesetzt – die Umgebungs­temperatur wurde stets konstant gehalten. Gemessen wurde dabei die Anzahl gegessener Snacks an der Kasse. Tatsächlich aßen die Versuchsteilnehmenden bei warmen Umgebungs­gerüchen wie Zimt oder Zedernholz sowohl weniger Snacks als auch kalorienärmere Varianten im Vergleich zu kalten Umgebungs­gerüchen wie Eukalyptus oder Lavendel. In weiteren Studien wurde erneut bestätigt, dass die Versuchsteilnehmenden je nach Geruch eine wärmere oder kältere Umgebungs­temperatur verspürten und sich dies dann wiederum auf ihr Essverhalten inklusive der Auswahl der Nahrungs­mittel auswirkte.

Durch diese Studien­ergebnisse wurde ein einfacher, natürlicher Weg aufgezeigt, das Essverhalten mit Hilfe des Umgebungs­geruchs zu verändern. Zukünftige Studien könnten zudem weitere Rahmenbedingungen, wie die Art des Nahrungs­mittels, untersuchen. Bei Getränken konnte beispielsweise ein gegenläufiger Trend beobachtet werden: Bei einem warmen Umgebungs­geruch kam es zu gesteigerter Aufnahme von nichtalkoholischen Getränken im Vergleich zu einem kalten Umgebungs­geruch. Diese Ergebnisse sind nicht nur für diejenigen interessant, die ihr Gewicht verringern möchten. Auch Restaurants und die Gesundheitsindustrie können hiervon profitieren.  

 

Lefebvre, S., & Biswas, D. (2019). The influence of ambient scent temperature on food consumption behavior. Journal of Experimental Psychology: Applied. Advanced online publication. doi.org/10.1037/xap0000226

Redaktion und Ansprech­partner*in¹: Sebastian Butz¹, Matt Keller

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