Neues Jahr, neues Glück.

- Rita Heilbock -

Durch den Beginn einer neuen Episode im Leben können wir unser „altes Ich“ hinter uns lassen und uns für neue Ziele motivieren.

Warum ist es so beliebt, sich gerade für Neujahr etwas vorzunehmen? Warum wollen wir erst nach der letzten Zigarette dieser Schachtel aufhören zu rauchen und nicht sofort? Und warum wollen Studierende erst im nächsten Semester alles besser machen?

Es scheint eine natürliche Vorgehensweise zu sein, sich bestimmte Ziele für eine neue Episode in unserem Leben aufzuheben. Ein Forschungs­team um Hengchen Dai vermutete, dass sogenannte „temporale Grenzsteine“ den Beginn neuer Episoden in unserem Leben markieren. Beispiele für solche Grenzsteine sind oftmals Ereignisse, die zum ersten Mal passieren – wie der Auszug von zu Hause in eine andere Stadt, oder das Antreten einer neuen Stelle. Solche Ereignisse werden eher als Anlass für neue Ziele und zur Veränderung unseres Verhaltens genommen als weniger herausstechende Zeitpunkte. Ein allseits bekanntes Phänomen sind die Neujahresvorsätze. Warum das so ist, ist bisher aber noch wenig untersucht worden.

Nach Dai und KollegInnen könnte eine mögliche Erklärung darin liegen, dass viele Menschen schon einmal in ihrem Leben ungünstig gehandelt haben und sich von diesem Verhalten distanzieren wollen. Wenn nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt, dann markiert er auch den Übergang von Vergangenem zu Zukünftigem, und wir können unsere negativen Eigenschaften auf das „Konto Vergangenheit“ buchen. Es wird also im Kopf ein neues „Konto Zukunft“ eröffnet, das ganz anders aussehen kann. Diese Möglichkeit, unterschiedliche „mentale Konten“ zu führen, ermöglicht es, Negatives hinter uns zu lassen. Stattdessen gewinnt das Positive, was wir in Zukunft erreichen wollen, an Bedeutung – denn es muss nicht mehr mit dem Negativen verrechnet werden.

Um diese Theorie zu überprüfen, sollten Teilnehmende einer Studie zunächst ein Ziel beschreiben, das sie bisher noch nicht erreicht hatten, aber in Zukunft gerne verfolgen wollten. Im Anschluss sollten sie sich vorstellen, dass sie gerade in eine neue Wohnung gezogen sind. Die Experimentalgruppe sollte sich dabei vorstellen, dass es sich um den ersten Umzug handelt, seitdem sie vor neun Jahren in die Stadt gekommen sind. Die Kontrollgruppe sollte sich vorstellen, dass sie in den vergangenen neun Jahren jedes Jahr innerhalb derselben Stadt umgezogen sind. Im Vergleich zur Kontrollgruppe gaben diejenigen, die sich vorstellen sollten, das erste Mal seit neun Jahren umzuziehen, eine höhere Motivation an, ihre Ziele zu verfolgen. Außerdem berichteten sie eine höhere wahrgenommene Distanz zu ihrem „vergangenen, nicht perfekten Selbst“ von vor einem Jahr (d.h. vor dem Umzug).

Diese Ergebnisse konnte das Forschungs­team in weiteren Studien replizieren, in denen beispielsweise der Frühlingsanfang oder der Neujahrstag als temporale Grenzsteine dienten. Insgesamt deuten die Befunde darauf hin, dass sich Personen besser von ihrem unerwünschten „vergangenen Selbst“ distanzieren können, sobald sie eine neue Episode im Leben beginnen. Je mehr das Ereignis also heraussticht, desto besser kann man mit der Vergangenheit abschließen und sich für neue Ziele motivieren.

Leider wird in dieser Studie jedoch nicht berücksichtigt, wie Wenige dann auch ihre guten Vorsätze umsetzen - ein Umstand, der die Neujahresvorsätze nämlich oft ereilt ist, dass sie schnell in Vergessenheit geraten. Aber das ist eine andere Geschichte …

Quelle: Dai, H., Milkman, K. L., & Riis, J. (2015). Put Your Imperfections Behind You. Psychological Science (Sage Publications Inc.), 26(12), 1927-1936. doi:10.1177/0956797615605818

Redaktion und Ansprech­partnerIn*: Christiane Schöl*, Anna Bruk

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