Süß, aber teuer!

- Linnea Tönjes & Sophia Wolf –

Inwieweit eine Steuer auf Getränke mit hinzugefügtem Zucker den Verkauf dieser Getränke reduzieren kann, hängt davon ab, wie Konsument*innen über die Steuer informiert werden.

 

„Im Preis für dieses Getränk ist eine Zuckersteuer enthalten”- Wie würden Sie auf so einen Hinweis im Super­markt reagieren? Würden Sie sich den Softdrink dennoch kaufen? In Ländern wie Großbritannien, Irland und Portugal wurde bereits eine Steuer auf Getränke mit hinzugefügtem Zucker eingeführt. Die Weltgesundheits­organisation plädiert für eine derartige Steuer, da sie eine Reduzierung des Zuckerkonsums und von damit einhergehenden gesundheitlichen Problemen wie Über­gewicht und Diabetes erwartet. Doch wie sollten Konsument*innen über eine Zuckersteuer informiert werden, damit sich die erwartete Reduzierung des Zuckerkonsums zeigt?

Um dieser Frage nachzugehen, führte ein Forschungs­team um Grant E. Donnelly eine Studie in San Francisco durch, da es dort seit 2018 eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke gibt. Die Forschenden erfassten über mehrere Wochen den Anteil verkaufter zuckerhaltiger Getränke an den insgesamt verkauften Getränken in zwei Supermärkten auf einem Uni-Campus. Sie variierten in dieser Zeit allerdings die Preisschilder der Getränke. In den ersten zwei Wochen wurden alle Getränke wie üblich ohne Preisschilder präsentiert. In den folgenden zwei Wochen wurden Preisschilder eingeführt, jedoch ohne Hinweis auf die enthaltene Zuckersteuer bei den zuckerhaltigen Getränken. Anschließend wurden die Preisschilder der zuckerhaltigen Getränke zwei Wochen lang zusätzlich zum Preis mit dem Hinweis „enthält eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke” versehen.

Ein Vergleich mit den Verkaufszahlen aus den beiden Jahren vor Einführung der Zuckersteuer zeigte, dass die Preiserhöhung allein mit keiner bedeutsamen Reduktion des Anteils verkaufter zuckerhaltiger Getränke einherging. Durch das Anbringen von Preisschildern sank der Anteil verkaufter zuckerhaltiger Getränke im Vergleich zu den Vorjahren um 4%. Trug das Preisschild zusätzlich den Hinweis auf die enthaltene Zuckersteuer waren es sogar 10%. Aber warum war das Preisschild mit dem Hinweis auf die enthaltene Zuckersteuer am effektivsten, um den Anteil verkaufter zuckerhaltiger Getränke zu verringern?

In zwei Folge­studien zeigte das Forschungs­team, dass der Hinweis auf die enthaltene Zuckersteuer dazu führte, dass Konsument*innen den Anteil der Zuckersteuer am Produktpreis überschätzten. Diese Über­schätzung lässt den Kauf unattraktiv wirken – ganz nach dem Motto: Süß, aber teuer! Daher ist der Hinweis auf die Zuckersteuer wahrscheinlich nur effektiv, wenn bei einer niedrigen Steuer nicht die exakte Höhe angegeben wird, da dies einer Über­schätzung entgegenwirken würde.

Doch welche alternativen Getränke wählen Konsument*innen, wenn der Hinweis auf eine Zuckersteuer vom Kauf einer zuckerhaltigen Limo abhält? Im Vergleich zu den Vorjahren wurde im Rahmen der Studie zwar 8% mehr Wasser verkauft, jedoch stieg der Anteil verkaufter Diät-Softdrinks (z. B. Cola light) um 36%. Diät-Softdrinks sind zwar kalorienärmer, aber es ist fraglich, inwiefern sie aufgrund der enthaltenen Süßstoffe eine gesündere Alternative zu zuckerhaltigen Getränken darstellen. Dennoch scheint eine Zuckersteuer, auf die beim Kauf explizit hingewiesen wird, ein erster Schritt aus dem übermäßigen Zuckerkonsum unserer Gesellschaft zu sein.

 

Donnelly, G. E., Guge, P. M., Howell, R. T., & John, L. K. (2021). A salient sugar tax decreases sugary-drink buying. Psychological Science, 32(11), 1830-1841. https://doi.org/10.1177%2F09567976211017022

Redaktion und Ansprech­partner*in¹: Jennifer Eck¹, Lea Nahon

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