Tiere essen leicht gemacht!

- Bianca von Wurzbach -

Personen, die Fleisch essen, sprechen Tieren ihre geistigen Fähigkeiten ab, um den inneren Konflikt zwischen Tierliebe und Fleischlust zu reduzieren.

Menschen in unserem Kulturkreis essen gerne und viel Fleisch. Gleichzeitig mögen die meisten von uns Tiere und möchten nicht, dass ihnen Leid zugefügt wird. Wer streichelt nicht gerne das weiche Fell eines Hasen und sieht dieses Tier am liebsten unversehrt im Freien oder im eigenen Stall verweilen? An Weihnachten wird dennoch der gute Hasenbraten aufgetischt und genüsslich verspeist. Doch sollte dieser Widerspruch zwischen Tierliebe und Tierverzehr nicht zu einem starken inneren Spannungs­verhältnis führen?

Bisherige Studien zeigten, dass fleischessende Personen das Fleisch auf ihrem Teller häufig gar nicht mit einem Tier in Verbindung bringen. Eine Forschungs­gruppe um Bastian Brock vermutete weiter, dass Personen allerdings durchaus einem inneren Konflikt ausgesetzt sind, wenn sie den tierischen Ursprung ihrer Mahlzeit wahrnehmen. Um jedoch dem kulinarischen Fleischgenuss nicht entsagen zu müssen, schreiben sie diesen Tieren keine oder wenige mentale Fähigkeiten zu. Wenn das Tier, von dem der Braten auf dem eigenen Teller stammt, kaum Verstand und Gefühle hatte, kann der Verzehr desselben schließlich moralisch nicht verwerflich sein.

Um diese Annahme zu prüfen, führten die Forschenden verschiedene Studien mit Personen durch, die gerne Fleisch essen. Zunächst erfassten sie, welche geistigen Fähigkeiten die Teilnehmenden verschiedenen Tieren zusprachen und wie hoch sie die Genießbarkeit dieser Tiere einstuften. Hierbei zeigte sich, dass die wahrgenommene Genießbarkeit der Tiere umso höher ausfiel, je geringer ihre mentalen Fähigkeiten eingeschätzt wurden.

Weiter testete das Forschungs­team, ob fleischessende Personen Tieren insbesondere dann geringe mentale Fähigkeiten zuschreiben, wenn ihnen das Leiden selbiger während der Fleischproduktion bewusst ist. Hierzu sahen die Teilnehmenden zunächst ein Bild von einem Schaf oder einer Kuh mit der Beschreibung, dass dieses Tier auf einer grünen Wiese lebe. Die Befragten sollten dabei die mentalen Fähigkeiten des Tieres wie das Verfolgen von Zielen oder das Empfinden von Angst, Schmerz und Freude einschätzen. Anschließend sahen sie das Bild des jeweils anderen Tieres (Schaf oder Kuh), jedoch mit der Information, dass das Tier zum Schlachthof gebracht, getötet und ausgeweidet würde, um letztlich als Fleischprodukt angeboten zu werden. Auch von diesem Tier sollten die Befragten die mentalen Fähigkeiten einschätzen. Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden einem Tier – Kuh und Schaf gleichermaßen – wesentlich weniger mentale Fähigkeiten zusprachen, wenn sie sich mit seiner Schlachtung im Gegensatz zu seinem Leben auf der Wiese auseinandergesetzt hatten.

Die Studien deuten darauf hin, dass Personen, die Fleisch essen, Tieren ihre mentalen Fähigkeiten absprechen, um das innere Spannungs­verhältnis zwischen Tierliebe und Genussfreude zu reduzieren. Dieser Vorgang findet vornehmlich dann statt, wenn der Widerspruch besonders bewusst ist und weniger, wenn das Tier als unversehrt wahrgenommen und nicht mit der Fleischproduktion in Verbindung gebracht wird. So lässt sich auch der süße Hase im Stall streicheln und dennoch sein gebratener Rücken ohne Gewissensbisse mit einer würzigen Soße an Weihnachten verspeisen.

Bastian, B., Loughnan, S., Haslam, N., & Radke, H. R. (2012). Don’t mind meat? The denial of mind to animals used for human consumption. Personality and Social Psychology Bulletin, 38(2), 247–256.

© Forschung erleben 2013, alle Rechte vorbehalten

Zurück