Tischlein deck dich – mit selbst zubereitetem UND gesundem Essen!

- Dennis Uhrig –

Der Geschmack einer gesunden Mahlzeit wird positiver bewertet, wenn sie selbst zubereitet wurde.

Heutzutage verwenden Menschen immer weniger Zeit darauf, ihr Essen selbst zuzubereiten. Gleichzeitig ist der Genuss von Fastfood gestiegen. Diese Entwicklung wird mit gesundheitlichen Risiken wie Übergewicht in Verbindung gebracht, weil Fastfood häufig ungesund ist. Verschiedene Gesundheits­programme versuchen daher, das eigene Zubereiten von Mahlzeiten zu fördern. Aber warum sollte die eigene Zubereitung von Mahlzeiten den Verzehr von gesundem Essen steigern?

Bisherige Forschung konnte zeigen, dass Dinge mehr gemocht werden, wenn Zeit und Mühe in deren Erstellung investiert wurde. Dadurch soll der „Arbeits­aufwand“ gerechtfertigt werden. Der Geschmack von selbst zubereiteten Mahlzeiten sollte also positiver bewertet werden als der von Fertigprodukten, weil Zeit und Mühe in die Zubereitung investiert wurde. Durch das eigene Zubereiten von Mahlzeiten steigt allerdings auch das Bewusstsein für die Zutaten. Ein Forschungs­team um Simone Dohle nahm daher an, dass der Geschmack von selbst zubereiteten Mahlzeiten nur dann positiver bewertet wird als der von Fertigprodukten, wenn die Mahlzeit gesunde Zutaten enthält.

Um diese Annahme zu überprüfen, wurden Frauen gebeten an einer Studie teilzunehmen, in der sie Milchshakes verkosten sollten. Das Forschungs­team beschränkte die Teilnahme auf Frauen, weil sich Frauen stärker in ihrem Diätverhalten unterscheiden sollten – ein möglicher Einflussfaktor. Im Rahmen der Studie wurde variiert, ob der Milchshake von den Teilnehmerinnen selbst zubereitet wurde oder bereits zubereitet war. Zudem wurde ihnen eine Zutatenliste vorgelegt, aus der hervorging, ob es sich um einen gesunden oder ungesunden Shake handelte.

Es zeigte sich wie erwartet, dass der Geschmack des selbst zubereiteten Shakes nur dann besser beurteilt wurde als der des fertig zubereiteten Shakes, wenn dieser gesunde Zutaten enthielt. Bestand der Shake aus ungesunden Zutaten, wurde der Geschmack des selbst zubereiteten Shakes sogar tendenziell schlechter bewertet als der des fertig zubereiteten Shakes. Der Effekt war allerdings größer für Frauen, die angaben, verstärkt auf ihre Ernährung zu achten. Zudem konnte der Effekt teilweise darauf zurückgeführt werden, dass der gesunde Shake als gesünder und der ungesunde Shake als ungesünder wahrgenommen wurde, wenn er selbst zubereitet war.

Den Ergebnissen nach kann die eigene Zubereitung von Mahlzeiten das Bewusstsein für gesunde und ungesunde Zutaten steigern und folglich zu einer positiveren Geschmacks­bewertung von gesunden und einer negativeren Geschmacks­bewertung von ungesunden Mahlzeiten beitragen. Weiterhin beeinflusst der Geschmack von Mahlzeiten, was wir essen. Gesundheits­programme, die das eigene Zubereiten von Mahlzeiten fördern, könnten also eine gesunde Ernährung begünstigen. Es ist allerdings auch nötig, Menschen im Bereich Ernährung weiterzubilden. Die Teilnehmerinnen der vorliegenden Studie waren größtenteils junge, ernährungs­bewusste Studentinnen. Menschen mit weniger Wissen über gesunde Zutaten könnten selbst zubereitete Mahlzeiten hingegen allgemein besser beurteilen, egal ob gesund oder ungesund. Zukünftige Forschung sollte daher auch andere Personen­gruppen untersuchen. Programme, welche dem derzeitigen Fastfood Trend entgegen wirken wollen, sollten also sowohl ein  Bewusstsein für gesunde Ernährung schaffen als auch das eigene Zubereiten von Mahlzeiten fördern.

Dohle, S., Rall, S., & Siegrist, M. (2016). Does self-prepared food taste better? Effects of food preparation on liking. Health Psychology, 35, 500-508. doi:10.1037/hea0000315

Redaktion und Ansprech­partnerIn*: Jennifer Eck*, Julia Engel

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