Unbewusstes Verhalten

- Rainer Greifeneder –

Verhalten kann unbewusst aktiviert und verstärkt werden.

Was wäre das Thriller-Genre ohne die Idee, man könne das Verhalten anderer ohne deren Wissen und Bewusstsein steuern. Unzählige Morde in der Filmwelt wurden von willenlosen, unschuldigen Opfern begangen, die in ihrem Verhalten von einem perfiden Täter durch Hypnose „ferngesteuert“ wurden. Alptraumhafte Vorstellungen wie diese sind und bleiben Fiktion, die mit der Realität nichts zu tun haben. Jüngste Forschungs­ergebnisse zeigen allerdings, dass menschliches Verhalten tatsächlich unbewusst beeinflusst werden kann. So fand man heraus, dass sich Personen aggressiver oder friedfertiger verhalten  je nachdem, ob in ihrem Gedächtnis zuvor unbewusst der Begriff „Feindseligkeit“ oder der Begriff „Hilfeverhalten“ aktiviert wurde. Erklärt werden Befunde wie dieser damit, dass bestimmte Konzepte (zum Beispiel „Feindseligkeit“) und bestimmte Verhaltensweisen (zum Beispiel „aggressives Verhalten“) in unserem Gehirn miteinander verknüpft sind und daher die Aktivierung eines Konzepts die zugehörigen Verhaltensweisen wahrscheinlicher macht. Dies kann automatisch geschehen, ohne dass sich die Probanden dieses Einflusses bewusst sind. Allerdings kann man einer solchen Beeinflussung auch aktiv entgegensteuern und ist dieser nicht willenlos ausgeliefert.

Die Forscher Henk Aarts, Ruud Custers und Hans Marien gingen nun in einer Studie der Frage nach, ob man solch unbewusst hervorgerufenes Verhalten durch motivationale Anreize zusätzlich verstärken kann. Verhalten wir uns zum Beispiel noch friedfertiger, wenn nicht nur das Konzept „Hilfeverhalten“ aktiviert wurde, sondern uns zusätzlich vermittelt wird, dass „Hilfeverhalten“ etwas Positives ist? Zur Untersuchung dieser Frage teilten Aarts und Kollegen ihre Probanden in drei Gruppen ein. Die erste Gruppe diente als Kontroll­gruppe, ohne Aktivierung des Zielkonzepts. Bei der zweiten und dritten Gruppe wurde das Konzept „Anstrengung“ unbewusst aktiviert. Dies erfolgte durch die Präsentation von Wörtern wie „kräftig“ oder „anspannen“, die so kurz gezeigt wurden, dass die Probanden die Wörter zwar unbewusst wahrnehmen, aber nicht bewusst lesen konnten. Bei der dritten Gruppe wurde die Aktivierung des Konzepts Anstrengung zusätzlich mit positiven Wörtern in Verbindung gebracht, indem Wörter wie „gut“ oder „angenehm“ zeitgleich zur Aktivierung des Konzepts Anstrengung gezeigt wurden.

Nach dieser ersten Phase des Experiments wurden die Probanden aufgefordert, für einige Sekunden ein Messgerät zu betätigen, das einer Sporthantel ähnelte. Die Forscher maßen, wie schnell und wie stark die Probanden dieses Sportgerät drückten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierung des Konzepts „Anstrengung“ dazu führte, dass die Probanden früher zu drücken begannen und den Druck auf die Hantel schneller steigerten. Wenn darüber hinaus das Konzept „Anstrengung“ mit Positivem verknüpft worden war, brachten die Probanden insgesamt am meisten Kraft auf. Diese Ergebnisse zeigen, dass menschliches Verhalten nicht nur unbewusst aktiviert, sondern auch durch motivierende Faktoren verstärkt werden kann. Unbewusst ausgeführte Morde bleiben dennoch Fiktion.

Aarts, H., Custers, R., & Marien, H. (2008). Preparing and motivating behavior outside of awareness. Science, 319(5870), 1639.

Dieser Artikel ist in Psychologie heute erschienen (September 2008). www.psychologie-heute.de

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