Warum wirkt das Überbringen von schlechten Nachrichten unsympathisch?

- Larissa Henss -

Personen, die schlechte Nachrichten überbringen, wirken häufig unsympathisch, weil ihnen eher böswillige Absichten unterstellt werden, auch wenn sie für den Inhalt der Nachricht nicht verantwortlich sind.

Ob in der griechischen Antike oder bei Alexander dem Großen: Das Überbringen schlechter Nachrichten war für die überbringende Person nicht selten ein Todesurteil. Heutzutage sind die Konsequenzen glücklicherweise weniger drastisch, aber dennoch deutlich spürbar. Mediziner*innen müssen ihren Patient*innen nicht selten eine schlechte Nachricht mitteilen. Häufig überbringen sie die Nachricht lediglich und sind für deren Inhalt, wie beispielsweise eine bestimmte Diagnose, nicht verantwortlich. Trotzdem müssen sie als Überbringende Abneigung befürchten. Doch warum ist das so? Leslie K. John und ihr Forschungs­team haben sich mit dieser Frage näher befasst.

Forschungs­befunde haben gezeigt, dass Menschen motiviert sind, die Geschehnisse in ihrem Leben zu verstehen, insbesondere die negativen. Die Forschenden vermuteten daher, dass sich Personen nach dem Erhalt einer schlechten Nachricht danach sehnen, diese erklären zu können. Da Personen, die eine Nachricht überbringen, automatisch mit dieser verknüpft werden, können Betroffene eine mögliche Erklärung für die Nachricht in den Absichten der überbringenden Person finden. Das Forschungs­team nahm somit an, dass das Überbringen von schlechten Nachrichten häufig unsympathisch wirke, weil der überbringenden Person eher eine böswillige Absicht unterstellt werde.

In einer Studie wurden die Teilnehmenden gebeten sich vorzustellen, Ergebnisse einer hautärztlichen Untersuchung zu erhalten. Dabei wurde variiert, ob die Nachricht des Arztes gut (kein Hautkrebs) oder schlecht (Hautkrebs) war. Die Teilnehmenden wurden anschließend gefragt, ob der Arzt ihrer Meinung nach eher auf eine gute oder eine schlechte Nachricht gehofft hatte. Zuletzt gaben die Teilnehmenden an, wie sehr sie den Arzt mochten.

Die Ergebnisse zeigten wie erwartet, dass dem Arzt beim Überbringen einer Hautkrebsdiagnose eine böswilligere Absicht unterstellt wurde als beim Überbringen einer guten Nachricht, obwohl er keinen Einfluss auf den Inhalt der Nachricht hatte. Außerdem führte das Überbringen der schlechten Nachricht zu einer negativeren Beurteilung des Arztes – er wurde weniger gemocht. Weitere Studien haben gezeigt, dass das Überbringen von schlechten Nachrichten besonders dann unsympathisch wirkt, wenn die Nachricht unerwartet ist. Dabei scheint es auch keine Rolle zu spielen, ob die Nachricht empathisch überbracht wird („Es tut mir sehr leid. Ich fühle mit Ihnen.“). Die negative Beurteilung bezieht sich allerdings nur auf die überbringende Person, aber nicht auf andere Beteiligte wie beispielsweise anwesende medizinische Fach­angestellte.  

Weitere Forschung sollte untersuchen, wie das Überbringen schlechter Nachrichten ohne negative Folgen für die Überbringenden gelingen kann. Die Er­kenntnisse sind besonders, aber nicht ausschließlich, für den medizinischen Kontext wichtig: Menschen nehmen nur ungern Ratschläge von Personen an, die sie nicht mögen und haben Schwierigkeiten, deren Hilfe anzunehmen. Wird der Rat und die Hilfe von Mediziner*innen gerade dann abgelehnt, wenn die Diagnose einer Krankheit überbracht wurde, könnte sich dies nachteilig auf die Behandlung auswirken.

 

John, L. K., Blunden, H., & Liu, H. (2019). Shooting the messenger. Journal of Experimental Psychology: General, 148(4), 644-666. https://doi.org/10.1037/xge0000586

Redaktion und Ansprech­partner*in¹: Jennifer Eck¹, Thomas Dyllick-Brenzinger

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